Container über Bord: Frachter verliert im Sturm 40 Container – nicht zum ersten Mal

Wiederholungstäter

Es passiert immer noch. Die 277 Meter lange “APL England” hat in schwerer See einen Teil ihrer Ladung verloren. 40 Container treiben im Meer. Wie das Unglück passierte.

Die Verschmutzung der Meere nimmt nicht nur durch kleinste Partikel zu, sondern insbesondere auch durch den Verlust von Ladung. Die Dunkelziffer ist hoch. Die Reedereien scheinen Unfälle gut vertuschen zu können. Aber nun erreicht wieder einmal ein aktueller Fall Aufmerksamkeit. 73 km südöstlich von Sydney hat der 277 Meter lange Containerfrachter “APL England“ am Sonntag mindestens 40 Container verloren.

Grund für das Unglück ist nach Angaben der Australian Safety Authority (AMSA) ein kurzfristiger Ausfall des Antriebs in schwerer See. Das technische Problem sei zwar in wenigen Minuten behoben gewesen, aber in der kurzen Zeit trieb das Schiff quer zur Welle und wurde in heftige Rollbewegungen versetzt. Gestelle brachen zusammen, Container gingen über Bord und 74 Behälter wurden beschädigt.

Einige Container hängen auf der “APL England” noch in ihren Gestellen. © AMSA

Die unter der Flagge von Singapur fahrende “APL England” befand sich auf dem Weg von Shanghai nach Melbourne. Nach dem Unfall steuerte sie Brisbane an und liegt nun dort auf Reede. Die Behörden arbeiten einen Plan aus, wie der Frachter sicher in den Hafen gebracht werden kann, um Reparaturen und weitere Untersuchungen vornehmen zu können.

Masken am Strand angeschwemmt

An der Küste ist bereits Material angeschwemmt worden, das vermutlich aus den beschädigten Containern stammt. Darunter befinden sich medizinische Masken. Außerdem sollen Stahlkisten mit Autoteilen und Möbeln über Bord gegangen sein. Ein Gefahr durch gefährliche Güter wurde bisher von den Behörden ausgeschlossen.

Lücke in der Ladung. © AMSA

Der 2001 gebaute Frachter geriet schon im August 2016 mit einem ähnlichen Vorfall in die Schlagzeilen. Damals verlor er vor der Südküste Australiens 37 Container wegen starken Rollens in rauer See. Und auch vor zwei Jahren gingen auf der “YM Efficiency” ebenfalls nach einem Ausfall der Maschine gleich 81 Container vor der Küste von New South Wales über Bord. Die Umweltschäden beliefen sich auf umgerechnet rund 10 Millionen Euro. Das Verfahren gegen die Reederei läuft noch.

Bei solchen Summen ist es erstaunlich, dass die Schifffahrt das Problem nicht in den Griff zu bekommen scheint. Manche Schätzungen gehen davon aus, dass pro Jahr bis zu 10.000 Container über Bord gehen.

© AMSA

Die meisten sinken rasch auf den Meeresgrund. Aber je nach Ladung können sie auch Wochen oder Monate knapp unter der Wasseroberfläche treiben. Besonders Kühlcontainer sind ein Problem, da ihre Isolierung für Auftrieb im Wasser sorgt.

So wurde ein Container an der Südküste Großbritanniens angespült, nachdem er elf Monate zuvor bei Frankreich in den Atlantik gestürzt war. Laut dem Logistik-Unternehmen Cargo-Partner schätz ein Schweizer Meeresbiologe, dass aktuell mindestens 12.000 Container in den Weltmeeren herumschwimmen.

Container in Schieflage auf der “APL England” © AMSA

Für Segler ist es keine schöne Vorstellung, auf einen treibenden Stahlbehälter zu brummen. Aber ihre Ängste dürften kaum eine Rolle spielen angesichts von mehr als 90.000 Transportschiffen, die den weltweiten Handel auf den Ozeanen abgewickeln. Schätzungen gehen davon aus, dass bis zu 40 Millionen Container im Einsatz sind.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

2 Kommentare zu „Container über Bord: Frachter verliert im Sturm 40 Container – nicht zum ersten Mal“

  1. avatar Skipper Ludwig sagt:

    Wie können Container knapp unter der Wasseroberfläche treiben? Entweder das Ding schwimmt, oder sinkt… schweben is doch sehr ungewöhnlich und dann auch noch knapp darunter?

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    • avatar Kugelfisch sagt:

      Wie kann ein U-Boot knapp unter der Wasseroberfläche fahren? Entweder das Ding schwimmt, oder sinkt…

      Seltsam!

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