Container über Bord: Warum der 366 Meter-Frachter 137 Boxen verlor

Aus der Rolle gefallen

Über Bord gegangene Container sind wohl die größte Gefahr für Yachten auf See. Das Problem ist längst nicht im Griff. Eine Untersuchung zum Unfall auf der „CMA CGM G. Washington“ bringt Einblicke.

Die Schäden an Bord der „CMA CGM G. Washington“. Reihe 18 ist zusammengebrochen. © Marine Accident Investigation Branch

Wenn Container auf See verloren gehen, lässt Segler das nicht kalt. Auch wenn man nur mit langsamer Fahrt auf eine der manchmal knapp unter der Wasseroberfläche treibenden Stahlkisten brummt, können fiese Schäden entstehen.

Die Gründe dafür sind offenbar vielfältig. Problematisch ist die meist fehlende Transparenz der Unternehmen bei der Fehlerbehebung. Auch die unterschiedlichen Zahlen zur größe des Problems sind auffallend. Sie rangierten zwischen 1400 verlorenen Containern pro Jahr bis zu 10000.

Container, Zoe

Die Container-Ladung der “MSC Zoe” nach dem Unfall. © Kustenwacht

Wenige Vorfälle werden offiziell behandelt, da sie meist weit draußen auf dem Ozean passieren. Im März 2018 gingen es nach einer Kollision in Karachi bis zu 60 Container sehr sichtbar über Bord. Und Anfang März hatte der Frachter “Maersk Shanghai” 72 Container verloren. 2015 wurde auch ein Vorfall im englischen Kanal sehr offen behandelt. Bei 12 Meter hohen Wellen verlor der Transporter 12 Stahlkisten. Zuletzt machte vor gut einem Jahr die Havarie der “MSC Zoe” in der Nordsee das Thema deutlich.

137 Container verloren

Nun ist mehr als zwei Jahre nachdem der 366 Meter lange Containerfrachter „CMA CGM G. Washington“ 137 Container  auf ihrem Weg von Xiamen nach Los Angeles verloren hat, der Untersuchungsbericht zu dem Zwischenfall veröffentlicht worden.

Demnach ist der Unfall durch den Einsturz dreier Ladebuchten passiert als das Schiff bei schwerer See ins Rollen geriet. Das erst 2017 gebaute Schiff holte erst bis zu 20 Grad nach Steuerbord über, dann genauso stark nach Backbord. Dabei wurden die Rollgrenzen des Schiffes überschritten.

Die Ermittlungen des Marine Accident Investigation Branch (MAIB) in London ergaben, dass auch die Verwendung von Containern, die eine verminderte strukturelle Festigkeit aufwiesen. Es habe sich um einige 53-Fuß-Container gehandelt, die nicht gemäß ISO-Zertifikat standardisiert waren. Weitere Probleme: Ungenaue Angaben zum Gesamtgewicht der jeweiligen Container, falsch gestaute Behälter und zu lose Lashings.

Zu starkes Rollen in der See

Die in der Ladebucht gestaute Containerladung brach zusammen, weil die beim Rollen erzeugten Beschleunigungskräfte die strukturelle Festigkeit der in der Bucht gestauten 53-Fuß-Container überstiegen. So gingen nicht nur die 137 Behälter über Bord, sondern 85 weitere wurden durch die folgende Kettenreaktionen beschädigt.

Das Containerschiff transportierte insgesamt 6466 Container und war im Nordpazifik auf dem Weg zur US-Westküste in einen schweren Sturm geraten. Die Klassifikationsgesellschaft Bureau Veritas (BV) hat inzwischen ihre Regeln dahingehend geändert, dass 53-Fuß-Containern vor dem Transport gewogen werden und die Staupläne angepasst werden müssen.  

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

2 Kommentare zu „Container über Bord: Warum der 366 Meter-Frachter 137 Boxen verlor“

  1. avatar Jeffrey sagt:

    Theoretisch ließe sich doch jeder Container mit einem AIS ausstatten, welches bei dauernden Wasserkontakt (kein Spritzwasser) aktiv geschaltet wird und so andere Segler vor einer möglichen Kollision warnt.

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  2. avatar meerkater sagt:

    Das ist eine nette Idee mit dem AIS, aber wie soll eine UKW Antenne das Signal von einem halb getauchten Container abstrahlen?

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