Corona hat den Segel-Schulungsbetrieb komplett ausgebremst – Hoffen auf ein guten Sommer

Lange Auswirkungen für Segelschulen

Der Tourismus läuft wieder an, auch die Segelschulen in den Ferienregionen bereiten sich darauf vor. Doch die Auswirkungen der Corona-Krise dürften gerade bei großen Schulen und Stationen im Ausland noch bis Jahresende oder sogar länger zu spüren sein.

Unbeschwerter Wassersportspaß ist derzeit schwer zu genießen. Sie Segelschulen müssen sich auf Einschränkungen einstellen.

Das lange Pfingstwochenende steht vor der Tür. Die Wettervorhersage könnte viele Ausflügler an das Wasser locken. An den Küsten und Seen sind die Segelstationen der VDWS-Schulen inzwischen aufgebaut. Aber es herrscht deutliche Zurückhaltung bei Prognosen über den Geschäftsbetrieb in diesem Jahr. „Mit der Öffnung der Maßnahmen am 18. Mai in Deutschland ist der Betrieb hierzulande wieder angelaufen. Aber wir kommen aus einem totalen Stillstand. Bundesweit waren alle Schulen geschlossen, und auch international herrschte kein Betrieb – sei es, weil die Stationen wegen der Corona-Maßnahmen geschlossen werden mussten oder weil es keine Reisenden gab“, berichtet Dirk Muschenich, Geschäftsführer des Verbandes Deutscher Wassersportschulen (VDWS).

Die Stationen, wie hier Wassersport Kellenhusen, sind aufgebaut und setzen über Pfingsten auf gutes Wetter und den ersten merklichen Besucherandrang. Foto: Wassersport Kellenhusen

Während in Deutschland die Boote und Boards inzwischen auf die Kunden warten, ist der Betrieb der VDWS-Schulen im Ausland von den dortigen Corona-Bedingungen und den Reisebeschränkungen abhängig und läuft erst nach und nach an. Der Verband selbst hatte in den vergangenen Wochen seinen Betrieb herunterfahren müssen. In Kurzarbeit wurde zumindest gewährleistet, dass die Schulen mit Informationen versorgt wurden und ein Ansprechpartner zur Verfügung stand. Die Nachfrage beim Verband nach Equipment und Schulungsmaterial ist aber naturgemäß komplett eingebrochen. Auch die Lehrgänge für die Ausbildung der Instructoren mussten in den vergangenen Monaten allesamt abgesagt werden. „Mit der Instructoren-Ausbildung beginnen wir jetzt wieder im Juni, haben die Seminare nun aber modular aufgebaut. Der Theorie-Unterricht wird als Webinar angeboten, die Praxiskurse laufen über vier Tage mit vier bis fünf Personen inklusive der Lehrperson“, berichtet Muschenich.

Die Segelschule Godewind gehört zu den Stationen, die im Herbst üblicherweise die Instructoren-Ausbildung für das Segeln anbietet. Foto: ra

Die Rückmeldung aus den VDWS-Schulen legt aber nahe, dass der Bedarf an Instructoren-Ausbildung nicht mehr so groß sein wird. „Bisher hatten wir immer die Situation, dass der Bedarf an Instructoren größer war, als wir tatsächlich ausbilden konnten. Dieses Bild werden wir in den kommenden ein bis zwei Jahren wahrscheinlich nicht haben. Allerdings ist eine Prognose schwierig“, so Muschenich. Während Optimisten darauf setzen, dass im August der Betrieb wieder normal läuft, müssen andere mit größeren Einschnitten rechnen.

Hoffen auf einen Segelsommer: Bei Nordwind Wassersport in Surendorf kommen sonst viele Schulklassen, jetzt muss ein großer Teil des Geschäftes über andere Besuchergruppen realisiert werden. Foto: Nordwind Wassersport

Die großen VDWS-Schulen richten sich nicht nur an Touristen und Ausflügler in den Ferienregionen, sondern haben ein breites Klassenfahrt-Angebot für Schulen. Muschenich: „In allen Bundesländern sind in diesem Schuljahr die Klassenfahrten abgesagt worden, einige Bundesländer ziehen die Maßnahme sogar bis Jahresende. Wir werden abwarten müssen, wie lange das Bestand haben wird.“ Die Vorsaison ist damit schon hinfällig gewesen, auch die Nachsaison wird nicht ausgelastet sein. Wie viele Segelschulen davon genau betroffen sein werden, ist schwer zu beziffern, da es auch von Ersatzprogrammen abhängt, die in den einzelnen Schulen getroffen wurden. Aber rund die Hälfte der Stationen wird sich auf Veränderungen einstellen müssen – möglicherweise mit veränderten Saisonzeiten auch über 2020 hinaus.

Das Sportcamp Stickl bietet Schulung in kleinen gruppen an und rechnet nach Pfingsten mit den ersten Gästen am Gardasee. Foto: Stickl

Und im Ausland? „Das wird die Praxis zeigen müssen“, sagt Muschenich. „Es lässt sich noch überhaupt nicht absehen, wie die Lust auf Reisen in den kommenden Jahren aussieht. Wie entwickeln sich die Flugpreise? Wie viele Flüge werden in Zukunft überhaupt in die Ferienregionen angeboten? Gut möglich, dass wir das erst im nächsten Jahr wissen.“ Immerhin die nahen Urlaubsregionen, die mit dem Auto erreichbar sind, beginnen wieder mit der Planung. Das Sportcamp Stickl am Gardasee erwartet in der Woche nach Pfingsten die ersten Gäste aus Deutschland. „Es zeigt sich, dass unsere Schulen im Ausland stark auf die deutschen Kunden angewiesen sind. Am Gardasee machen sie wohl 70 bis 80 Prozent aus“, so Muschenich.

Und so sehen die aktuellen Reisemöglichkeiten aus:

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Ralf Abratis

... ist unser Mann aus der "Segelhauptstadt" Kiel. Mehr zu ihm findest Du hier.

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