Corona-Krise: DOSB mahnt Hilfe für den Sport an – Land SH gibt 12,5 Millionen Euro für Vereine

Vereinen brechen die Einnahmen weg

Das Clubleben liegt brach, die Vereine fürchten Einnahme-Einbußen und Kündigungen von Mitgliedschaften, da sie ihr Sport- und Kursangebot nicht aufrechterhalten können. Vereinsgaststätten können keine Pacht mehr einspielen. Gleichzeitig sind die laufenden Kosten nur schwerlich einzudämmen, denn Mieten, Nebenkosten und auch Gehälter der Festangestellten laufen weiter. Trainer fürchten um ihre Einkünfte, Übungsleiter verlieren ihre kleine Nebenbeschäftigung. Spitzensportlern geht durch den Ausfall der Wettkämpfe zudem die Präsentationsfläche verloren, um Sponsorenzahlungen zu rechtfertigen.

SH-Innenminister Hans-Joachim Grote saß nicht nur beim Bürgermeisterrennen zur Travemünder Woche mit dem Sport in einem Boot. Er gewährt jetzt auch Soforthilfen für die Sportvereine in Höhe von 12,5 Millionen Euro. Foto: segel-bilder.de

Die Warnmeldungen aus der Basis sind auf höchster Ebene angekommen. DOSB-Präsident Alfons Hörmann und DOSB-Vorstandsvorsitzende Veronika Rücker appellieren an die Politik, die Rettungsmaßnahmen des Bundes auf Sportdeutschland auszuweiten. Und die obersten Sportverantwortlichen führen deutliche Zahlen an, um die Bedeutung des Sports zu verdeutlichen: Der organisierte Sport vereint unter seinem Dach in Deutschland 27 Millionen Mitgliedschaften in 90.000 Vereinen und Verbänden, die nun unter den Maßnahmen leiden. „Gerade im organisierten Sport werden wir unserer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht und vermeiden konsequent physische soziale Kontakte. Das erforderte leider auch das Einstellen des Spiel-, Trainings- und Wettkampfbetriebs in all unseren Vereinen und Verbänden.“

DOSB-Präsident Alfons Hörmann appelliert an den Bund, den organisierten Sport mit einem Hilfsfonds zu unterstützen. Foto: DOSB

Das große Maß an Zurückhaltung hat aber schwere Auswirkungen. „Diese notwendigen Maßnahmen werden erhebliche gesellschaftliche, aber auch wirtschaftliche Konsequenzen […] zur Folge haben. Das Ausmaß ist aktuell noch nicht ansatzweise absehbar. Auch wenn der organisierte Sport zahlreiche Eigenleistungen zur Bewältigung dieser Krise einbringen wird (wie etwa hohes ehrenamtliches Engagement), werden die Vereine und Verbände des gemeinnützigen Sports nicht ohne die Unterstützung von Bund, Land und Kommune überleben und weiterhin ihre umfangreichen und nicht verzichtbaren Leistungen für die Gesellschaft zur Verfügung stellen können“, heißt es vom DOSB. Und die Forderungen an die Politik sind deutlich: „Weiten Sie die Rettungsmaßnahmen des Bundes auf Sportdeutschland aus! Legen Sie einen Notfallfonds für den Sport auf!“

Eine einheitliche bundesweite Regelung zur Unterstützung der Vereine und Verbände gibt es indes nicht. Vielmehr sind die Handhabungen und die Möglichkeiten für eine Unterstützung von Land zu Land sehr unterschiedlich. So ist Schleswig-Holstein weit vorgeprescht und hat einen Topf von 12,5 Millionen Euro für die Unterstützung der Vereine freigegeben. Andere Länder prüfen aktuell noch den Bedarf. Wir geben einen Überblick, wie die Regelungen aktuell (Stand: 7. April) sind:

Baden-Württemberg: „Wir werden das Ehrenamt nicht im Stich lassen“, sagt Sportministerin Susanne Eisenmann. Der Landessportverband (LSV) und das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport seien in ständigem Kontakt, um die Situation zu analysieren und gezielte Unterstützungsmaßnahmen zu ermöglichen. So werde man in Abstimmung mit dem LSV umgehend Mittel im laufenden Solidarpakt Sport zielgerichtet einsetzen, um in Not geratene Sportvereine zu unterstützen. Sollte diese Maßnahme nicht ausreichen, werde man sich für einen ergänzenden Notfallfonds einsetzen.

Bayern: Ein Online-Meldesystem zur Einordung der zu erwartenden finanziellen Schäden ist online. Viele Vereine haben ihre schon eingetragen. Der Landessportverband bittet darum, weiterhin die Informationen einzutragen.

Berlin: Der Landessportbund Berlin hat für seine Mitgliedsorganisationen ein digitales System zur Meldung finanzieller Schäden eingerichtet. Die Mitgliedsorganisationen werden aufgefordert, im „Corona-Meldebogen“ ihre finanziellen Einbußen zu melden, welche aufgrund der Corona-Krise zu erwarten sind.

Brandenburg: Sportvereine, die durch die Corona-Pandemie in Not geraten und in ihrer Existenz bedroht sind, können Unterstützung beantragen. Über ein Formblatt erhalten sie die Möglichkeit, ihre Probleme konkret zu benennen. Der Landessportbund wird sich einen Überblick verschaffen und anschließend mit dem Brandenburger Ministerium für Bildung, Jugend und Sport bestmögliche Hilfeleistungen erarbeiten.

Bremen: Der Senat hat ein Soforthilfeprogramm über eine Million Euro für den organisierten Sport beschlossen, das möglichst schnell umgesetzt werden soll. Sportvereinen, die Mitglied im Landessportbund sind, soll bei Einnahmeausfällen ein einmaliger Zuschuss von bis zu 5000 Euro unbürokratisch gewährt werden.

Hamburg: Sportsenator Andy Grote sagt zu den Hamburger Maßnahmen: „Als Senat sorgen wir mit unserem Maßnahmenpaket dafür, dass der Hamburger Sport die finanzielle Unterstützung bekommt, die er braucht, um gut durch die Krise zu kommen. Mit den direkten, nicht zurückzuzahlenden Zuschüssen der Soforthilfe unterstützen wir neben gemeinnützigen Organisationen im Bereich des Sports auch Solo-Selbstständige, wie etwa freie Trainerinnen und Trainer.“

Hessen: Unter bestimmten Umständen können auch Sportvereine und Übungsleiter/innen bzw. Trainerinnen vom Soforthilfeprogramm des Landes Hessen für Selbstständige, Freiberufler und kleine Betriebe profitieren. Parallel dazu arbeitet das Hessische Ministerium des Innern und für Sport an einem Förderprogramm für die Existenzsicherung von gemeinnützigen Sportvereinen.

Mecklenburg-Vorpommern: Das Land stellt aufgrund der derzeitigen außerordentlichen Belastungen für gemeinnützige Organisationen wie Sportvereine im Rahmen des „MV-Schutzfonds“ Hilfsmittel zur Verfügung.

Niedersachsen: Der Landesportbund Niedersachsen unterstützt die Sportvereine bei der Gestaltung und Bereitstellung von Sportangeboten über das Internet. Gefördert wird die Anschaffung von Material und die Produktion von Videos.

Nordrhein-Westfalen: Sportvereine, die auch unternehmerisch tätig sind, können über das Soforthilfeprogramm des Bundes, das in NRW über die Bezirksregierungen abgewickelt wird, einen Zuschuss beantragen. Vereine können dabei je nach Zahl ihrer Beschäftigten Soforthilfen von 9.000, 15.000 oder 25.000 Euro beantragen.

Rheinland-Pfalz: Vom Rettungsschirm „Corona-Sofort-Hilfe“ können auch gemeinnützige Sportvereine profitieren, wenn sie unternehmerisch tätig sind. Darüber hinaus wird das Land ein eigenes Hilfsprogramm für Sportvereine, die in ihrer Existenz bedroht sind, auflegen, das das Bundesprogramm bei Bedarf ergänzt.

Saarland: Um den finanziellen Schaden für Vereine und Fachverbände einordnen zu können, wurde ein digitales System zur Meldung finanzieller Schäden eingerichtet. Die bis zum Jahresende aufgrund der Corona-Krise sollen bis zum 3. Mai gemeldet werden.

Sachsen: Der Landessportbund Sachsen bezieht sich derzeit nur auf den Appell an die Politik, mit einem Schutzschirm den Fortbestand der Sportvereine zu sichern. Konkrete Hilfsmaßnahmen sind hier nicht angegeben.

Sachsen-Anhalt: Bis zum 31. Mai können Soloselbstständige und Mittelständler in Sachsen-Anhalt die Corona-Soforthilfe beantragen. Das Land Sachsen-Anhalt stellt dafür 150 Millionen Euro zur Verfügung. Nach Auskunft des Wirtschaftsministeriums sind auch Sportvereine mit einem wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb antragsberechtigt.

Schleswig-Holstein: Mit einer Soforthilfe in Höhe von bis zu 12,5 Millionen Euro unterstützt die Landesregierung die finanziellen Engpässe bei gemeinnützigen Sportvereinen und -verbänden. „Unsere Sportvereine mit ihren mehr als 770.000 Mitgliedern sind ein Eckpfeiler unserer Gesellschaft. Auch sie kommen durch die zur Eindämmung des Virus notwendigen Beschränkungen des öffentlichen Lebens in schweres Fahrwasser. Deshalb ist diese Unterstützung notwendig und selbstverständlich“, erklärte Innenminister Hans-Joachim Grote.

Thüringen: Der LSB ist dabei, sich einen Überblick der ausgefallenen bzw. vom Ausfall bedrohten Veranstaltungen und Aktivitäten im Thüringer Sport zu verschaffen und eine erste Schätzung zur Größenordnung möglicher finanzieller Einbußen zu ermitteln. Dazu steht der Landessportbund wir mit dem Sportministerium und der Landespolitik im engen Kontakt, um über mögliche Unterstützungsmaßnahmen/ Hilfsfonds etc. zu sprechen.

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Ralf Abratis

... ist unser Mann aus der "Segelhauptstadt" Kiel. Mehr zu ihm findest Du hier.

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