Corona Lockerungen: DSV fordert bundesweite Segel-Erlaubnis – Ansteckung durch Segler?

Wider den Segel-Lockdwon

Wenn die deutsche Politik vorsichtige Lockerungen beschließt, befürchten die Segler, nicht berücksichtigt zu werden. Es häufen sich Petitionen. Auch der DSV versucht, Druck zu machen.

So wird in Australien gesegelt. Ob das Sinn macht?

Wenn Menschen sterben, mag es nicht das Wichtigste sein, dass Segler wieder auf das Wasser kommen. Aber mit der Gewöhnung an den Lockdown-Modus und Plänen für vorsichtige Aufhebungsbeschränkungen verstärkt sich das Gefühl für  Ungleichbehandlungen und unlogische Maßnahmen. Es ergibt Sinn, sein Anliegen ins Gedächtnis zu rufen.

So ist der Vorstoß von Interessenvertretern auf allen Ebenen zu verstehen, die sich zunehmend Gehör verschaffen, um nicht dauerhaft zu den Verlierern der Krise zu gehören. In diesem Sinn rückt die Arbeit des Deutschen Segler Verbandes in den Blickpunkt, die Aufmerksamkeit der Politik für die vergleichsweise kleine Gruppe seiner Mitglieder zu schärfen. Gerade in diesen Zeiten wird die Daseinsberechtigung eines Verbandes deutlich, der die Interessen der Gruppe gebündelt an die Entscheidungsträger übermittelt.

Man kann nur hoffen, dass es funktioniert. Aber die Forderung ist klar: “Segeln muss ab sofort wieder bundesweit möglich sein!” heißt es in einer aktuellen DSV-Verlaubarung. “Der DSV setzt sich weiterhin bei Politik und Verwaltung dafür ein, dass das Segeln unter Beachtung der Kontakt- und Hygieneregeln bundesweit so schnell wie möglich wieder ausgeübt werden kann. Dazu gehört unter anderem, dass Vereinsmitglieder und Bootseigner ihre Boots-Liegeplätze wieder erreichen können müssen. Wir fordern deshalb die sofortige Aufhebung der Reisebeschränkungen – in andere Bundesländer und auf Inseln – sowie die Aufhebung der Betretungsverbote bzw. der Schließungen von Vereins-Steganlagen.”

Slippen der Boote erlauben

Außerdem dringt der DSV darauf, “vorbereitenden Arbeiten am Boot, insbesondere das Slippen und Kranen der Boote auch in Vereinen” zu erlauben. Die Maßgaben, dass es dabei zu keiner Gruppenbildung kommen dürfe und der Mindestabstand von 1,5 Metern einzuhalten ist, sei selbstverständlich sicherzustellen.

Dabei weist der Verband auf die Ungleichbehandlung von Vereinen und gewerblichen Liegeplatzbetreibern hin. Letztere dürften betrieben werden, die Hafenanlagen der Vereine dagegen nicht. “Das gefährdet die Existenz unserer gemeinnützigen Vereine.”

Außerdem dringt der DSV darauf das Sporttreiben auf Clubebene wieder zuzulassen. Man unterstütze dabei die Aktivitäten des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) und habe “konkrete Übergangsregelungen und Empfehlungen für das Freizeitsegeln sowie für den Trainings- und Wettkampfbetrieb erarbeitet und dem DOSB am 22. April übermittelt”. Nun warte man darauf, dass am 29./30. April Bund und Länder mögliche Öffnungen für die Zeit ab dem 4. Mai 2020 festlegen.

Man sollte meinen, dass gerade Segler gute Argumente haben sollten, wenn es um die Vermeidung von Ansteckungsgefahr geht. Ein Sonderweg wäre logisch. Schließlich dürfte sich bei kaum einer anderen Sportart die Übertragung des Virus so schwierig gestalten. Deshalb ist es vielleicht schwierig, auf eine allgemeine DOSB-Regelung zu warten, die dann wohl auch Freiluft-Mannschaftssportarten betrifft. Andererseits mag die Macht der Segler-Lobby nicht ausreichen, um einen Sonderweg mit einer früheren und umfangreicheren Erlaubnis zu erwirken.

Wie groß ist die Ansteckungsgefahr durch Segler?

Aber es geht wohl darum, sich einmal auf allgemeinere Regeln zu einigen. Es ist nicht verständlich, dass zum Beispiel am Bodensee die drei Anrainer-Staaten die vom Segelsport ausgehende Gefahr so unterschiedlich interpretieren. In Österreich und der Schweiz wird die von Seglern ausgehende Ansteckungsgefahr offenbar nicht so groß eingeschätzt, wie in Deutschland. Dort darf gesegelt werden. Denn auch in Hafenbereichen können Abstand- und Hygieneregeln genauso eingehalten werden wie auf Wanderwegen oder Fußgängerzonen. In Bayern und Baden-Württemberg versuchen sich Segler per Petition Gehör zu verschaffen.

Die Schwierigkeit besteht darin, segelfremden Politikern die Umstände verständlich zu machen, unter denen die Freizeitbeschäftigung und der Sport betrieben wird. Der Betrieb in Häfen ist nicht mit dem Gewimmel in Einkaufszonen zu vergleichen, und Segelwettkämpfe sind keine Zuschauer-Magneten wie Fußballspiele.

Nach wie vor sind in Deutschland viele Menschen vom Sinn der Beschränkungen überzeugt. Zumal die Maßnahmen zu wirken scheinen. Aber in einer Demokratie muss man seinen mündigen Bürgern angemessene Erklärungen liefern, warum sie Dinge tun oder lassen müssen. Es war klar, dass bei der schnellen Lockdown Holzhammer-Methode vielleicht mehr als alleine der Virus erschlagen würde. Das ist mit der fehlenden Zeit zu erklären.

Aber nun sollten genügend Politiker ausreichend Zeit haben, sich mit den Voraussetzungen auch mit einem Sonderfall zu beschäftigen, die der Segelsport darstellen mag. Es dürfte nicht so schwierig sein, sich wie bei der Bekämpfung von COVID-19 auf die Beurteilung von Experten zu verlassen. Spezialisten, die dem Politiker-Laien erklären  können, dass und wie Segler bei der Ausübung ihres Sports eine minimale Gefahr darstellen.

Am generellen Umgang mit solchen für die allgemeine Gesellschaft vermeintlich kleinen Themen dürfte sich zeigen, wie die Bevölkerung weiterhin willens ist, die Einschränkungen dauerhaft zu ertragen.

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

Ein Kommentar „Corona Lockerungen: DSV fordert bundesweite Segel-Erlaubnis – Ansteckung durch Segler?“

  1. avatar herrmueller sagt:

    Segeln kann nicht erlaubt werden.
    Es gibt wohl nur wenige Sportgeräte wo man erfolgreicher den Virus lagern und verteilen kann als unter Deck eines Segelbootes.
    Das gleiche gilt für offene Boote der Vorschoter gibt ständig durch den Fahrtwind seine Viren an den Steuermann.
    Und dann i Hafen alle arbeiten mit den nicht desinfizierten Festmachern wenn das Herr Spahn wüßte das sind ja unhaltbare Zustände.
    Sicherheitshalber sollte man alle Sportboothäfen zuschütten
    Unter Motor verpesten diese Antriebe die nicht mal einen Katalysator haben unnötig unsere Umwelt schädigen Erbgut und gefährden den Fortbestand der Menschheit.
    Wird Zeit das dagegen was unternommen wird.

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