Corona: Macher von Dokumentarfilmen müssen um die Termine in den Kinos fürchten

Spitzbergen-Doku in Not

Corona schlägt tiefe Kerben in das soziale Leben. Hart betroffen sind die Kreativen, die auf das Publikum angewiesen sind. Die Filmemacher Silke Schranz und Christian Wüstenberg, die mit „Nordsee von oben“ und „Ostsee von oben“ prächtige Einblicke in unsere heimischen Reviere gaben, müssen um den Erfolg ihres neuesten Maritim-Projektes bangen.

Großartige Aufnahmen aus dem eis brachten die Filmemacher von Spitzbergen mit. Foto: comfilm.de

In den vergangenen beiden Jahren hat das Duo ihre Expedition in die Arktis auf einem umgebauten Fischkutter aufwändig dokumentiert und wollte den Film „Spitzbergen – Auf Expedition in der Arktis“ nun in die Kinos bringen. Doch die Pandemie-Beschränkungen legte lange alle Aktionen auf Eis. Inzwischen nehmen einige Kinos den Film zwar ins Programm, doch die Zahl der ursprünglich geplanten Termine wird wohl nicht zu erreichen sein.

Silke Schranz und Christian Wüstenberg hoffen darauf, ihren Film über DVD-Direktverkauf vermarkten zu können. Foto: comfilm.de

„Ich fühle mich, man könnte sagen, beschissen“, erklärt Silke Schranz im Interview mit dem BR, und Christian Wüstenberg führt aus: „Man ist so beraubt – um das eigene Produkt, um anderthalb Jahre Arbeit, die wir mit diesem Film hatten.“ 315 Kinos hatten die Termine storniert. Die Beiden haben Verständnis dafür, dass alles brach lag. Sie fürchten aber auch, dass selbst bei weiteren Lockerungen ihr Dokumentarfilm den Weg in die Kinos nicht mehr ausreichend finden wird. Denn die Filmtheater werden bei Öffnung auf die Blockbuster setzen, um wieder Geld einzuspielen. Sie selbst rechnen mit einem hohen Verlust an Kinovorführungen.

Mit dem zum Forschungsschiff umgebauten Fischkutter ging es in den Norden. Foto: comfilm.de

Statt Kino setzen Schranz und Wüstenberg auf Direktvermarktung über den Verkauf von DVDs. Im Heimkino soll sich die Welt Spitzbergens verbreiten: „Wir entdecken eine einzigartige Welt aus Eis, Schnee und Gletschern, die durch den Klimawandel bedroht ist wie nie zuvor. Die rund 3000 Eisbären bekommen wir auf der nördlichsten Inselgruppe Europas zu spüren: Nach einer Anlandung auf Phippsoya müssen wir mit der gesamten Crew zurück in unser Schlauchboot flüchten, weil aus der Ferne ein Eisbär auf uns zugelaufen kommt. Vom Wasser aus können wir das Tier dann in aller Ruhe beobachten. Wir spüren dabei die gewaltige Einsamkeit und Stille der Arktis. Wir fahren zu gefrorenen Wasserfällen, zu Fjorden mit eisblauen Gletschern und zu Buchten mit funkelnden Eisskulpturen. Vor einer riesigen Gletscherwand filmen wir, wie ein hausgroßes Stück Eis krachend ins Wasser kalbt, und wir erleben, wie im viel zu warmen Sommer das Schmelzwasser donnernd ins Meer rauscht“, berichten die Filmemacher über ihr Produkt, das nun direkt über ihre Webseite zu erwerben ist.

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Ralf Abratis

... ist unser Mann aus der "Segelhauptstadt" Kiel. Mehr zu ihm findest Du hier.

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