Corona Segeln: Sportminister der Länder beschließen Lockerung der Beschränkungen

Frischluft-Sport erlaubt

Dieser Tage flattern immer mehr Bilder von segelnden Seglern durch das Netz. Das könnte Hoffnung machen, allerdings gilt die Freiheit nur für wenige Glückliche. Kann es ab dem 4. Mai besser werden?

Wenn wenigstens Flaute wäre. Aber nein, seit Tagen nervt Rasmus nicht nur mit Sonne, sondern auch noch Ostwind. Kaiserwetter heißt das an der Ostseeküste. Auflandiger Segelpaß mit ordentlich Wellengang.

Lasersegeln am Sonntag auf der Kieler Förde. © H. Spehr

Da hält es einige Jollensegler nicht mehr auf dem Trockenen. Die Handvoll Laser-Masters in Kiel die auch im Winter regelmäßig sonntags auf der Förde segelt, hat sich wieder versammelt. Sie ist vom Slip in Schilksee zum Strander Strand umgezogen, von wo sie nach Rücksprache mit der Wasserschutzpolizei wassern darf. Ein Paar Contendersegler macht es ebenso.

Die Häfen und Clubanlagen sind gesperrt, aber unter Einhaltung der Abstandsregel darf man an den Stränden ablegen. Warum auch nicht. Eine bessere Corona-Vermeidungstaktik als mit einem Einmannboot auf dem Wasser gibt es wohl kaum.

Contender Duo am Strander Strand

In Hamburg wird auf diese Weise der Elbstrand zur Sliprampe. Finnsegler haben dort schon längst die Saison eröffnet und teilweise tummelten sich am Wochenende bis zu 20 weitere Jollen auf dem Mühlenberger Loch. In Bremen sind vereinzelt Europesegler unterwegs.

Wassersport grundsätzlich erlaubt

Und auch für andere Bundesländer gilt, wie Nordrhein-Westfalen die Ausübung des individuellen Wassersports definiert. Bei der Wasserschutzpolizei Duisburg heißt es: “Vor dem Hintergrund der derzeitigen Pandemielage ist die individuelle Ausübung des Wassersports (Führen eines Sportbootes, Angeln, Kanufahren, Surfen, etc.) unter Beachtung der „Verordnung zum Schutz vor Neuinfizierung mit dem Coroanavirus SARS-CoV-2“ (CoronaSchVO) grundsätzlich erlaubt.” “Segeltraining im Verein” ist aktuell aber nach wie vor verboten.

Erstaunlich, was da sonst noch im Hintergrund auf der Kieler Förde bewegt. © H. Spehr

Deshalb warten viele Segler warten auf den 4. Mai, für den verschiedene Politiker schon länger Lockerungen in Aussicht gestellt haben. Am Montag verständigten sich nun die Sportminister der Länder bei einer Telefonkonferenz auf baldige Lockerung der Beschränkungen im Sport.

In der ersten Maiwoche soll es wieder losgehen mit dem Individualsport unter freiem Himmel, “wenn die Abstände und die Kontaktfreiheit eingehalten werden können”, wie Hamburgs Sportsenator Andy Grote sagt.

Trainingsbetrieb an der frischen Luft wieder erlauben

Die Bremer Sportsenatorin Anja Stahmann, die der Sportmministerkonferenz der Länder vorsteht, sagt im Weser Kurier, dass über „Perspektiven zur Wiederaufnahme des Sports und einen stufenweisen Wiedereinstieg in den Trainings- und Wettkampfbetrieb im Rahmen der Corona-Pandemie-Strategie beraten wurde“. Einen genauen Zeitplan gebe es aber noch nicht.

Ziel sei es, zunächst im Breiten- und Freizeitsport der Trainingsbetrieb wieder zu erlauben, sofern die Sportangebote an der frischen Luft stattfinden. Dabei müsse immer ein Abstand zwischen den Sportlern von zwei Metern sowie die Einhaltung der üblichen Hygienemaßnahmen gewährleistet sein.

Kontaktfreiheit sei dabei wichtig. Zweikampfübungen im Training bleiben also weiterhin verboten – damit dürfte Wendeduelle allerdings nicht gemeint sein.  Wettkämpfe und Zuschauerbesuche sind allerdings weiterhin untersagt. Stahmann fordert von den Fachverbänden in den nächsten Tagen “sportartspezifische Vorgaben“, wie sie die Regelungen umsetzen wollen.

Tages-Revierfahrt erlaubt

In Schleswig-Holstein sehen die Juristen von Brink&Partner allerdings noch keinen Grund zur Freude. In ihrer Interpretation der Lage heißt es, dass ab dem 4. Mai die Landesverordnung “die Ausübung von Wassersport im Rahmen der häuslichen Gemeinschaft oder-außerhalb dieser-mit maximal zwei Personen zugelassen werden wird.” Allerdings beschränken sich Möglichkeiten auf die Tages-Revierfahrt.

Das führe für viele Segler schon eine deutliche Verbesserung herbei und ermögliche auch der Doublehanded Regatta-Veranstaltungen und Ein- und Auslaufverbote in Sportboothäfen könnten wegfallen, oder gelockert werden. Aber eine Öffnung der Sanitäranlagen und Clubheime sei nicht zu erwarten.

“Voraussichtlich wird zwar im Heimathafen das Übernachten an Bord möglich sein. Weiterhin wird es jedoch nicht möglich sein, eine Ausfahrt in einen anderen Hafen zu unternehmen, um dort als Gastlieger zu liegen.”

So machen es die Aussies

Die Australier haben sich auch so ihre Gedanken gemacht, wie man auch größeren Schiffen das ‘Social Distancing” praktizieren kann. In New South Wales hat die Regierung ihre Vorgaben so verfeinert, dass ein gewisses Maß an wettbewerbsfreiem Segeln möglich ist.

So wird in Australien gesegelt. Ob das Sinn macht?

An Bord müsse vier Quadratmeter Platz pro Person vorhanden sein. Das bedeutet für ein normales 36-Fuß-Einrumpfboot, dass eine drei- oder vierköpfige Crew zusammen segeln darf. Ob eine solche Regelung als Vorbild dienen kann?

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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