Cowes Week Unfall: Yachtskipper Wilson zu hoher Strafe verurteilt

Nachspiel

Das Video von Kollision bei der Cowes Week:

Der Crash der 33 Fuß Rennyacht “Atalanta of Chester” mit dem norwegischen Tanker “Hanne Knutsen” 2011 bei der Cowes Week hat ein Nachspiel für den Yachtskipper. Er muss gut 120.500 Euro Strafe zahlen.

Cowes Week Kollision "Hanne Knutsen"

Bei der Cowes Week 2011 kollidiert eine 33 Fuß Yacht mit dem Ölfrachter “Hanne Knutsen” und bleibt mit dem Rigg am Anker hängen. © Lloyd images

Der  Magistrates Court von West Hampshire hat gegen den Schotten Roland Wilson (32) schuldig gesprochen, das Seerecht verletzt zu haben, als er mit dem 120.000 Tonnen Öltanker kollidierte. Er muss 120.500 Euro zahlen. Der Betrag setzt sich aus 3.500 Euro Strafe und den hohen Gerichtskosten von rund 117.000 Euro zusammen.

Das Gericht befand, dass Wilson das Gebot des intensiven Ausgucks verletzt und den Frachter in einem schmalen Kanal, der für ihn als Verbotszone galt, behindert habe.

Wilson, der zum Zeitpunkt des Unglücks Leutnant der Royal Navy war, hatte erklärt, den Frachter in einem Abstand von fünf Meilen gesehen zu haben. Er war im Rahmen der Regatta aber dennoch in die Sperrzone eingesegelt. Ein Crewmitglied wurde leicht vom fallenden Mast verletzt und in ein Krankenhaus gebracht. Ein weiterer Segler sprang kurz vor der Kollision von Bord.

Die Rennyacht wird seitlich vom Öltanker erwischt. Danach bleibt das Rigg am hervorstehenden Anker hängen. © Cowes Week

Die Rennyacht wird seitlich vom Öltanker erwischt. Danach bleibt das Rigg am hervorstehenden Anker hängen. © Cowes Week

Der Richter Judge Anthony Calloway erklärt die Strafe gegenüber MarineLink: “Es war ein Glücksfall, dass niemand gestorben ist. In meinem Urteil ist die Tatsache enthalten, dass dieser Fall weit tragischere Konsequenzen hätte haben können.”

Captain Jeremy Smart von der Coastguard Agency (MCA) sagt: “Dieser Fall sollte eine Erinnerung für Schiffsführer sein, dass ein guter Ausguck, eine richtige Einschätzung der Situation und schnelle Handlungen wichtig sind, um solche Vorfälle zu verhindern.”

Wilson hatte in der Verandlung vorgebracht, dass der Norweger eine Richtungsänderung signalisiert aber nicht ausgeführt habe. Dadurch sei die Kollision entstanden. Der Richter ging aber nicht darauf ein. Er hielt Wilson vor, dass er als Skipper einer erfahrenen Crew eine Entscheidung getroffen habe, die definitiv falsch war zu falschen Zeit. Dafür müsse er die Verantwortung tragen.

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Carsten Kemmling

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10 Kommentare zu „Cowes Week Unfall: Yachtskipper Wilson zu hoher Strafe verurteilt“

  1. avatar Alex sagt:

    Mein Mitleid hab ich da nur bei der Crew.
    Nach dem Video und wohl auch nach der Segelanweisung sollte man sich überlegen ob der Skipper hier seiner Verantwortung als solcher tatsächlich bewusst war und ob er als Leutnant der Royal Navy wirklich geeignet ist.

    Wäre das gut gegangen, wäre sicher gegen das Boot ein Protest eingereicht worden und der Lauf hätte mit einem DSQ geendet.

    Wir sollten immer daran denken, wenn wir im Regattafieber sind und was ähnliches nur schon anfangen zu überlegen.

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  2. avatar SR-Fan sagt:

    Kann zwar die Problematik an sich verstehen.
    Wenn die Werte auf Yacht.de allerdings stimmen, sind es nur 3.000 Pfund Strafe – der Rest sind “Gerichtskosten” (vom Schaden am Boot mal abgesehen). Das würde der Aussage des Richters im obigen Artikel schon fast widersprechen.

    Wer hat denn da überhaupt Anzeige erstattet? Beim Frachter werden ja wohl nur ein paar Seepocken abgekratzt worden sein?

    VG

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  3. avatar Robert sagt:

    Hmmm, ich weiß nicht, ob es rücksichtslos ist, wenn einem der Genni fliegen geht… Sieht nicht so aus, als würde er mit Absicht wie Treibholz vor den Bug des Frachters schwimmen.

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  4. avatar Elton sagt:

    Moin,

    also ich arbeite in Schifffahrt und habe mich schon ein paar mal mit Kapitänen und auch mit Skippern aus unserem Verein über sowas unterhalten.

    1. Die Kapitäne können idR. nicht ausweichen, selbst wenn Sie das wollten, gibt es meistens nicht genug
    Platz bzw. Raum.

    2. Habe häufig von älteren Skippern gehört, dass die auf Ihr Vorfahrtsrecht bestehen und im Zweifel auch schon mal nen Blitzknall Richtung Brücke ballern. Kann man ja meiner Meinung machen, dem Schiff ist es mehr oder weniger egal und ändern tut man mit sowas auch nichts.

    Man kann eigentlich nur an das Motto “Der Klügere gibt nach!” erinnern, weil kein Segelboot der Welt eine Chance gegen einen 120000mts Tanker hat. Selbst wenn das Schiff nur halb so gross ist, kommt hinten nur Kleinholz inklusive Seglerhackfleisch raus, letztendlich bist du als Segler in solchen Situationen immer der Verlierer!

    Ich weiß auch, dass man im Regattafieber da gerne mal anderer Meinung ist, aber ganz ehrlich Jungs, kein Preissilber ist es wert, dass man sein Leben riskiert und das tut man in solchen Situationen definitiv.

    Das bei dem angesprochenen Fall keiner ums Leben gekommen ist grenzt schon fast an ein Wunder.

    Schönen Montag noch.
    Gruss
    Elton

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    • avatar Alex sagt:

      Meines Wissens ist es bei der Cowes Week per Segelanweisung explizit untersagt, eng vor einem Berufsschiff zu passieren, was demnach ein DSQ zur Folge hat.

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  5. avatar Epo sagt:

    117.000 € Gerchtskosten bezahlt ja auch nicht jeder aus der Bordkasse, wie setzt sich denn sowas zusammen?
    Da ist die Strafe ja das kleinste Übel.

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    • avatar SR-Fan sagt:

      Ebend – aber darauf geht ja hier keiner ein.

      VG

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      • avatar bowman sagt:

        Das sind alle entstandenen Kosten, die der Unterlegene zu zahlen hat, für Sachverständige, für die erstellte Simulation, für die Anwälte der Gegenseite (mehrere Gerichtstage) und schließlich die Gerichtsgebühren.

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        • avatar Lars sagt:

          Wenn die Kosten tatsächlich durch Gutachten und/oder Simulationen entstanden sind, dann hätte der Skipper das wahrscheinlich durch ein frühzeitiges Anerkenntnis vermeiden können. Das muss ihm aber doch auch klar gewesen sein (bzw. seinem Anwalt) – das ist dann tatsächlich die Rechnung für extreme Starrköpfigkeit…

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  6. avatar Lars sagt:

    Hier der Artikel im Guardian:
    http://www.theguardian.com/uk-news/2013/oct/25/skipper-fined-cowes-week-collision

    Dort wird noch darauf eingegangen, warum der Tanker die signalisierte Kursänderung nach Steuerbord nicht durchgeführt hat. Wie es zu den immensen Gerichtskosten kommt steht da aber leider auch nicht -wurde da der Neupreis des Tankers als Streitwert angesetzt? 😉
    Die höhe der anderen Strafen empfinde ich als durchaus angemessen.

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