Streiflicht. Wie Magnete die Dieselpest besiegen…oder auch nicht

Das Magnetfiltermärchen

Von Uwe Röttgering

Immer wieder haben Yachteigener Probleme mit Dieselkraftstoff, der durch Bakterien und Pilze verunreinigt ist. Diese Verunreinigungen können zu verstopften Kraftstofffiltern und damit letztlich zum Stillstand des Motors führen.

Umständliche Tankreinigung im Winterlager. Können Magnetfiltergeräte helfen?© Uwe Röttgering

Dieses unter dem Namen „Dieselpest“ bekannt gewordene Phänomen war in der Vergangenheit der Gegenstand von Berichten in der Wassersport-Fachpresse . Die Zeitschriften Palstek (04/08), Boote (06/10) und Yacht (14/10) haben in ihren Berichten zur Lösung des Problems neben sogenannten Bioziden auch Geräte vorgestellt, die die organischen Verunreinigungen mittels Magnetkraft beseitigen können sollen.

Während der Autor des Yacht Artikels zumindest noch etwas Skepsis gegenüber den Magnetfiltern durchblicken lässt, verkauft der Palstek die Wirksamkeit dieser Technik gar als wissenschaftlich gesicherte Erkenntnis.

Allen Artikeln gemeinsam ist, dass sie die Magnettechnik als geeignetes Mittel im Kampf gegen Mikroben im Diesel darstellen. 
Anders als die Herren von der Fachpresse halte ich die „Magnetfiltertechnik“ dagegen für Bauernfängerei.

Bei meinen Recherchen habe ich mich u.a. an Volvo Deutschland, die ein Magnetgerät im Vertrieb haben, und die Firma GSI, die das WMMT Gerät herstellt, gewandt. Ich erhielt sinngemäß die Auskunft, dass dort kein streng wissenschaftlichen Maßstäben genügendes Gutachten bekannt sei, das die Wirksamkeit dieser Geräte belegen würde. Jedoch sei man aufgrund des positiven Nutzerfeedbacks von der Wirksamkeit überzeugt.

Interessant ist, dass die Hersteller dieser Systeme unterschiedliche Wirkungsweisen ihrer Systeme angeben, obwohl diese doch auf der gleichen Technik beruhen sollen. Das WMMT Gerät soll die Bakterien abtöten und in einen Zellrest und Wasser zerlegen. Der Zellrest soll dann in einem nachgeschalteten konventionellen Filter aufgefangen werden. Das Gerät von De-Bug bzw. Volvo soll die Mikroben dagegen in so kleine Teile zerfetzen, dass diese den konventionellen Dieselfilter passieren und gefahrlos vom Motor verbrannt werden können.

Dabei wird angegeben, dass schon beim ersten Durchlauf durch den Filter bis zu 97,5% der Mikroorganismen zerstört werden. Alle Produkte sollen in der Lage sein, auch die Tanks zu reinigen, indem durch die Diesel-Rücklaufleitung des Motors der Tankinhalt ständig umgewälzt und von Mikroben befreit wird.

Auf den Internetseiten der Hersteller finden sich zahlreiche Dokumente, die die Wirksamkeit der Geräte belegen sollen. Liest man sich hier ein, muss man feststellen, dass die meisten dieser angeblichen Belege nutzlos sind. Dass die Geräte einen Rütteltest bestanden haben oder baulich den Anforderungen einer Klassifikationsgesellschaft genügen, beweist natürlich nicht, dass sie funktionieren. Auch die dort genannten Beispiele, dass Motoren nach dem Einbau der Geräte weniger verbraucht haben, haben kaum Beweiskraft, da die Kausalität von Filtereinbau und (angeblicher) Verbrauchsreduzierung nicht belegt ist.

Ich habe auf den Herstellerseiten nur zwei Dokumente gefunden, in denen Experimente beschrieben werden, die zumindest den Eindruck erwecken, nach wissenschaftlichen Kriterien durchgeführt worden zu sein. Eines ist von einer Firma Namens ICI New Zealand Ltd. durchgeführt worden. Dort wurde kontaminierter Diesel aus einem 20 Liter Tank 15 Tage lang 10 Stunden pro Tag durch ein De-Bug Gerät gepumpt. Zur Kontrolle gab es den gleichen Versuchsaufbau noch einmal ohne De-Bug Gerät. In dieser Zeit passierte jeder Dieseltropfen das De-Bug Gerät statistisch gesehen 9.000 mal (!).

Das Ergebnis war, dass die Pilzbelastung in der Versuchsanordnung mit Magnetgerät gegenüber dem unmagnetisierten Gerät zunächst rapide zurück ging. Am 15. Tag des Versuchs lagen die Werte für Pilzbelastung bei insgesamt deutlich niedrigerem Niveau gegenüber Tag 1 fast gleichauf. Von einer Befreiung von Pilzen durch den De-Bug Apparat konnte auch nach 9.000 (!) Durchläufen nicht die Rede sein.

Im Gutachten steht zudem ausdrücklich, dass der Versuch keinen Hinweis ergeben hat, dass das De-Bug Gerät in der Lage ist, bakterielle Verunreinigungen aus dem Kraftstoff zu entfernen (Seite 8, Mitte). Trotz dieses für den Hersteller niederschmetternden Urteils wird dieses Dokument in der Hoffnung auf die Lesefaulheit der potentiellen Kundschaft auf der Homepage von De-Bug als Beweis für die Effektivität des De-Bug Gerätes genannt. Der Hersteller ist sogar so dreist auf seiner Homepage zu behaupten, dass ICI New Zealand die Wirksamkeit gegen Bakterien bestätigt habe, obwohl genau das Gegenteil der Fall ist.

Eine andere Untersuchung wird von der Firma Purafiner als Belegt für die Wirksamkeit ihres Magnetgerätes angeführt. Der Versuchsaufbau entsprach im wesentlichen dem des oben genannten Versuchs mit dem Unterschied, dass es nicht zwei getrennte Dieseltanks gab, sondern einen gemeinsamen Tank. Das Experiment lief über 38 Tage. Am Ende soll festegestellt worden sein, dass der Filter der dem Magnetgerät nachgeschaltet war, zu 35% Blockiert war, während der Filter ohne Vorschaltung eines Magnetgerätes zu 75% blockiert war.

Ließt man das Abstract dieser Arbeit, dann kommt man zu einem anderen Ergebnis. Dort steht nicht nur, dass beide Filter im Verlauf des Versuchs von Partikeln völlig verstopft wurden (der in der „Magnetleitung“ allerdings später), sondern man erfährt auch, dass es keinen Hinweis darauf gab, dass das Bakterienwachstum im Dieseltank gehemmt wurde. Und dies, trotz einer 38 tägigen Versuchsdauer. Zusätzlich stellt sich die Frage, inwieweit dieser Versuch überhaupt auf von der Dieselpest betroffene Tanks übertragen werden kann, da dem Diesel Salzwasser beigemischt wurde.

Selbst wenn man unterstellt, dass die Magnetgeräte tatsächlich den Effekt haben, wie er in den beiden Versuchen beschrieben wurde, so würde dieser Effekt in der Praxis weder dazu führen, dass man die Dieselpest los wird, noch dazu, dass der Dieselfilter nicht mehr verstopft.

Zusammenfassend muss man feststellen, dass die Magnetgerät Hersteller Versuchsergebnisse grob verfälscht darstellen, um auf diese Weise einen Beweis für die Wirksamkeit ihrer Produkte zu konstruieren.

Folgende weitere Argumente lassen mich zu dem Schluss kommen, dass Geräte mit eingebauten Magneten wirkungslos sind:

Es gibt weltweit keinen Hersteller von Dieselmotoren, der serienmäßig Magnetfilter verbaut (was in anbetracht der angeblichen Vorteile Spritersparnis, Reinigung und Emmisionsreduzierung naheliegen würde).

Es gibt weltweit keinen etablierten Filterhersteller, der „Diesel-Magnetgeräte“ produziert (und das in einem Markt mit einem Volumen von einigen hundert Millionen Euro). Diese Geräte werden ausschließlich von Kleinstbetrieben hergestellt. So hat der einzige Deutsche Hersteller GSI nach meinen Informationen gerade mal einen Mitarbeiter. In Anbetracht der angeblichen Vorteile dieser Geräte ein Umstand, der zumindest verwundert.

Eine ausführliche Studie des australischen Verteidigungsministeriums kommt zu dem Schluss, dass es keine Beweise für die Wirksamkeit solcher Filter gibt. Vielmehr soll das getestete De-Bug Gerät sogar zu zusätzlichen Ablagerungen im Kraftstofffilter geführt haben.

Die Magazine „Segeln“ (03/09) und „Motorboats Monthly“ (11/2002 ) testeten Magnetfilter mit negativem Ergebnis.

Der Entwicklungschef eines der größten Deutschen Filterhersteller bezeichnet diese Filter als wirkungslos. Er schrieb mir: “…derartige Filter sind mir bekannt. Die Wirksamkeit konnte jedoch noch nie nachgewiesen werden. Der Einfluß von niederfrequenten Magnetfeldern auf den Organismus (auch Einzeller) ist so gering, dass selbst bei der Kernspintomographie […] keine Beeinflussung feststellbar ist.

Hier sollen dann auch noch Permanentmagnete verwendet werden, bei denen überhaupt kein Effekt auftritt (selbst stärkste Neodym Magnete erreichen nur geringe Tesla Werte). […] Dieses Thema taucht immer wieder auf, hat aber keinen wissenschaftlichen Hintergrund.”

Bei Shell Deutschland sagte man mir, dass dort biologische Verunreinigungen im Diesel grundsätzlich mit Bioziden bekämpft werden. Eine einschlägige Magnettechnologie ist dort nicht bekannt. Bei Aral teilte man mir auf Anfrage ähnliches mit (weitere Infos von Aral hier). Hans Joachim Kalisch von Esso Deutschland, verantwortlich für den Bereich Produktqulität Kraft- und Brennstoffe, sagte mir gegenüber: “Ich halte diese Geräte für nicht geeigenet Mikrobenbefall in Dieselkraftstoff zu bekämpfen. Biozide stellen nach meiner Ansicht das einzige Mittel zur Lösung des Problems dar.”

Würde die von den Herstellern behauptete Wirkung in Bezug auf Mikroben zutreffen, wären diese Geräte auch ideal für die Entkeimung von z.B. Wasser geeignet. Eine solche Anwendung ist mir nicht bekannt.

Hinsichtlich der von einigen Herstellern behaupteten Eigenschaft, dass diese Geräte auch den Kraftstoffverbrauch reduzieren, ist zu sagen, dass der ADAC ein solches Gerät als völlig Wirkungslos getestet hat (zu finden unter www.adac.de mit der Suchfunktion). Zudem bin ich sicher, dass diese Geräte längst Standard in jedem Dieselfahrzeug wären, wenn sich dadurch tatsächlich Sprit sparen ließe.

Bei der Firma GSI (WMMT) konnte man mir nicht erklären, warum durch Magnetismus zwar Mikroben zerstört werden sollen, aber diese Geräte z.B. für Menschen bei Berührung völlig ungefährlich sind.

Gerne lasse ich mich davon überzeugen, dass ich aus meinen Überlegungen die falschen Schlüsse gezogen habe. 
Bis dahin möchte ich den „Fachjournalisten“, die ihren Lesern solche Filter empfehlen, naive Technikgläubigkeit und eine Rechercheallergie attestieren. 
Wer aber immer noch an die geheimnisvolle Kraft der Magnete glaubt, der sollte auch mal bei Ebay vorbei schauen. Einmal hier und dann hier.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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9 Kommentare zu „Streiflicht. Wie Magnete die Dieselpest besiegen…oder auch nicht“

  1. avatar E.H. sagt:

    Bravo!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 0

  2. avatar Axel sagt:

    Wenn ich mir die Maxwell’schen Gleichungen mal ins Gedächtnis zurückrufe, wüßte ich auch nicht, weshalb Mikroben auf Magnetfelder reagieren sollten.

    Ist wohl eher so wirksam wie die Methode ‘Brustvergrößerung durch Handauflegen’ – aber da gabs wenigstens ne Geld-Zurück-Garantie 😉

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  3. avatar Joern Heinrich sagt:

    Eigentlich ein Trauerspiel, dass es sogar im technischen Journalismus jetzt auch schon beginnt: Was soll man glauben, dass der Palstek-Journalist Esoteriker ist, oder dass er bewußt Leute magnetisch vereimert 😉

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  4. avatar Carsten Sauerberg sagt:

    Zweimal (2008 und 2009) von Dieselpest betroffen, Einspritzdüsen hin, dann Tank geleert, den Volvofilter auf Tipp eines Mechanikers hin eingebaut. Tank wieder voll, seitdem keine Probleme mehr. alles gut, Filter sauber, Diesel sieht aus wie Livio-Salatöl. Egal was der Magnet macht, Hauptsache es geht. Das Ergebnis zählt.

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  5. avatar Michael sagt:

    Der Glaube machts 😀

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  6. avatar Kölner sagt:

    @C. Sauerberg: seitdem ich rote Socken trage, habe ich keinen Schnupfen mehr. Muss also was helfen .. 😉

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  7. avatar Taucher44 sagt:

    Hallo, ich verwende den AquaSmarter.
    Funktioniert hervorragend. In den Tank hängen und ein Jahr Ruhe. Basiert auf Kupfer-Silber Ionisation, altes aber auch in der Raumfahrt bewährtes System.
    Infos gibt es bei http://www.aqua-smarter.de

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  8. avatar Haubentaucher sagt:

    Hallo Leute,
    also ich habe bis heute gar keine Probleme gehabt. Ich bin seit 1973 auf dem Wasser und kann deshalb auf einen grossen Erfahrungsschatz bauen. Allerdings hatte ich nie einen Motor, kann es daran liegen? Also zumindest scheint es bei Segeln das Problem nicht zu geben. Ahoi

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  9. avatar Carsten Sauerberg sagt:

    Ach, Ihr seid ja nur neidisch weil ihr keine Magneten oder noch nicht einmal einen Motor habt. Ich finde, der Magnetfilter gehört genauso zum Boot wie der Magnetkompass oder der Magnetbutton für die Kühlschranktür. Und das mit den roten Socken muss ich mal ausprobieren…Schnupfen ist nämlich sch…Gefühl. C.

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