Filmen an Bord: Teil 4 – Der Umgang mit dem Zoom

Zoomverbot!

Zoomwippen verführen. Machen aber nur in Ausnahmefällen Sinn. Im vierten Teil seiner Filmtipps erklärt Digger den richtigen Umgang mit der Brennweitenverstellung. 

Einer der größten Fehler, der beim Filmen gemacht wird, ist das Zoomen während der Aufnahme. Das endet immer in Unschärfen und Wacklern. Und es macht auch keinen Sinn. Außerdem dauert der reine Zoomvorgang schon so lange, wie eine Szene überhaupt dauern sollte (dazu komme ich noch ein anderes Mal). Es wird also auch langweilig.

Gezoomt wird eigentlich nur dann, wenn es die dramaturgische Situation erfordert. Will man dokumentieren, wer den Rum an Bord heimlich ausgetrunken hat, kann man gerne mit einem schnellen Zoom den Verdächtigen enttarnen, in dem man auf sein Gesicht zoomt. Wie bei Hitchcock. Mehr aber auch nicht.

..21…22…23…

Digger filmen

Die Kamera auch mal in Ruhe lassen. © diggerhamburg

Anders verhält es sich mit einem „Rückzoom“, besser „Aufzieher” genannt. Den darf man gerne mal einsetzen. Und zwar, wenn man dem Betrachter einen Überblick verschaffen will. Also zum Beispiel im Hafen XY: man stellt das Bild close auf sein Boot am Steg, drückt den REC Knopf, zählt „21…22..23..“ und zieht dann das Bild langsam auf.

Ist man am Anschlag angekommen, lässt man die Kamera noch laufen, zählt wieder und beendet die Aufnahme. (Auf Schnitt drehen nennt man das – das erkläre ich auch noch). In solchen Fällen ist ein Zoom durchaus gut einsetzbar. Sonst aber bitte nicht.

Wenn man das gleiche Bild anders herum dreht, wird es schnell wackelig, weil der Filmer dann krampfhaft versucht, sein Boot zu finden, während er die Wippe betätigt. Und dann passiert es gerne, dass die Wippe mal mehr mal weniger gedrückt wird und die Aufnahme dann aus einem Mix von hektisch und langsam und suchend und wackelig völlig vermurkst wirkt.

Bleiben wir mal beim Hafen. Zunächst stellt man sich an den Rand und dreht eine weite Einstellung. Stop. Dann nimmt man die Kamera und geht näher an die Details, die man gerne filmen will. Es ist viel besser, wenn man sich nah an die Motive stellt und dort dreht. Auch weil man dann schön mit unterschiedlichen Perspektiven arbeiten kann.

Wie fotografieren.

Oder man dreht die weite Einstellung, etabliert erst einmal die Umgebung. Dann stoppt man die Aufnahme, zoomt ohne zu drehen auf ein Detail, bewegt die Kamera dann nicht mehr und dreht erneut ein paar Sekunden. Im Prinzip ist das wie beim Fotografieren.

Digger filmen

Mit der Kamera an Bord.
© diggerhamburg

Der Zoom hat aber eine weitere, nützliche Eigenschaft: man kann sich gut „die Schärfe holen“. Vorausgesetzt, man dreht mit manuellem Fokus (was immer die bessere Lösung ist). Will man zum Beispiel die Möwe auf dem Hafengebäude filmen, so stellt man die Kamera auf, zoomt ganz auf die Möwe heran (so nah es geht, am besten aufs Auge), stellt das Bild scharf und zieht dann wieder auf. Danach den Rec Knopf drücken. Dann ist das gewünschte Motiv knackescharf.

Oft kann man die Schärfe in Suchern und Displays nämlich gar nicht so richtig beurteilen. Vor allem, seit man in HD dreht. Und die automatische Fokussierung hat oft zur Folge, dass die Kamera gar nicht weiss, welches Detail eigentlich scharf, welches unscharf gedreht werden soll. Automatiken machen immer alles falsch.

Also: sobald das REC im Display blinkt, sollte man tunlichst den Finger von der Zoomwippe nehmen. Und die Kamera in Ruhe lassen.

Filmen an Bord
Teil 1   Welche Kamera?
Teil 2   Zubehör
Teil 3   Bitte nicht wackeln

avatar

Digger Hamburg

Kleiner segeln - größer leben. Filmemacher und Autor Stephan Boden verbringt jeden Sommer auf dem Wasser. Früher auf seiner VA18 "Digger" jetzt auf der Bente24, die er selbst initiiert hat. "Auf See habe ich Zeit, das schärft den Blick für Details." Zu seinem Blog geht es hier
Spenden
https://northsails.com/sailing/de/

7 Kommentare zu „Filmen an Bord: Teil 4 – Der Umgang mit dem Zoom“

  1. avatar Hans sagt:

    Was’n Scheiß! Sag mal, kannst Du nicht einfach eine andere Platform “Diggerreporter” gründen?

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 6 Daumen runter 55

    • avatar T.K. sagt:

      Was´n Scheiß! Sag mal, kannst du nicht einfach woanders lesen

      Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 40 Daumen runter 5

    • avatar digger.hamburg sagt:

      Hans,

      gibt’s schon: http://www.diggerhamburg.com. 😉

      Ansonsten steht hier entweder “Diggers Blog” drüber, das sind dann meine ganz subjektiv betrachteten Artikel, wie z.B. über mein Segelprojekt, über Navi Apps, über Messen oder eben Filmtipps. Oder ich schreibe, so wie gestern über die Django, einen redaktionellen Artikel. Da steht dann als Autor: Digger Hamburg.

      Damit ist klar erkennbar, welche Artikel – übrigens nur ein winziger Teil der gesamten Beiträge – von mir verfasst wurden.

      Wenn Du mich oder meine Texte- den Eindruck habe ich – verabscheust, ist das für Dich doch eine prima Einrichtung. Um den Unfall des Lesens von meinen Beiträgen zu vermeiden. Dann musst Du Dich nicht ärgern. Und kannst einen der zahlreichen anderen Artikel auf Segelreporter lesen. Es ist doch für jeden etwas dabei.

      Freundliche Grüße,
      der Autor

      Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 24 Daumen runter 2

      • avatar o.h. sagt:

        Es ist immer nur von sehr eng begrenztem Nutzen sich auf Wortgefechte in den Kommentaren einzulassen, es wird bei Kritik die Meinung nicht ändern, bei längeren Disputen wirkt es unsouverän und kann auch schnell in Leserbeschimpfung ausarten.

        Wenn konkrete Fragen kommen, sind Antworten immer super, bei Kritik einfach stehen lassen, höchstens mal eine Korrektur bei verdrehten Aussagen.

        Bei allem anderen kannst du nur verlieren, an Glaubwürdigkeit, an Souveränität und an fachlicher Autorität.
        Auch wenns sicher oft hart ist, Digger, aber versuchs dir zu verkneifen…
        Mach einfach dein Ding, es wird nie allen gefallen und es finden sich bei zunehmender Leserschaft immer Querulanten denen du eh nix recht machen kannst. Das schlimmste was denen passiert, ist ignoriert zu werden.

        Nimms also leicht und verzichte auf diese sinnlosen Gefechte in denen du am Ende nur verlierst, selbst wenn du recht hast.

        Netten Gruss aus Finkenwerder 🙂

        Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 0

        • Ach, ich hab Spaß dran. Wenn ich das alles ernst nehmen würde, ginge es gar nicht. Was glaubst Du, wie oft ich mich totlache.
          Ich gehe nie davon aus, dass alle alles toll finden, was ich von mir gebe. Das wäre sehr vermessen. Kritik mag ich, wenn sie Konstruktiv ist. Wenn sie absurd und cholerisch ist, belustigt sie mich. Ist billiger, als im Kino eine Komödie anzusehen. 😉

          Like or Dislike: Daumen hoch 1 Daumen runter 1

          • avatar o.h. sagt:

            Bei der Rauferei zusehen ist ok, mitraufen nicht… 😉

            Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 1

  2. avatar Marcus sagt:

    Jedem Tierchen sein Pläsierchen. Wenns jemandem Freude macht, sich über Artikel oder Autoren aufzuregen, sollnse. Ich find die
    Tipps prima. Nur wenn mein Filmchen am Saisoneende nicht oscarverdächtig ist – dann werd auch ich STINKEWÜTEND auf die ganze Welt und vor allem jene, die schönere Filme machen als ich. Danke Digger!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 6 Daumen runter 0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *