Ein süddeutscher Segler wird vor Martinique vermisst

Mann über Bord. Deutsche Yacht gefunden

Die Van de Stadt 34 "Balu" treibt vor Martinique. Der Skipper ist nicht an Bord. © MRCC

Der deutsche Einhand-Segler Bodo Rufenach (57) aus Amberg  in der Oberpfalz wird auf See vermisst. Seine Yacht „Balu“ wurde am Sonntag von einer anderen Fahrtenyacht herrenlos zwischen den Karibikinseln Martinique und St. Lucia entdeckt. Die Yacht vom Typ Van de Stadt 34 trieb herrenlos mit gesetzten Segeln. BILD online hat über die Geschichte berichtet, die Rufenachs Bruder Thomas auf der „Balu“-Website dokumentiert hat.

Demnach wurden am Sonntag von den Behörden vor Ort Suchmaßnahmen eingeleitet. Das Protokoll vom Sonntag liest sich wie folgt:

13.05 aufgefunden von der SY „Makanikai“, niemand an Bord.
13.22 Rescue Boat SNS 428 eingesetzt.
13.25 Heli eingesetzt.
13.51 SY Brava vor Ort,bestätigt Angaben der ersten Yacht.
14.05 Rescue Boat SNS von Le Marin ausgelaufen
14.40 Heli gestartet von Lamentin Airport
15.12 Heli setzt Rettungstaucher an Bord ab.
15.24 Rescue Boat vor Ort,Schleppverbindung
15.30 setzen Suchflugzeug ein
16.00 Heli wieder zurück in Lamentin a/port
17.30 Suchflugzeug gestartet
17.52 Flugzeug vor Ort
22.00 Suche eingestellt,
21.04 Schlepp im Hafen Le Marin angekommen

Ein Rettungsboot nähert sich der "Balu" © MRCC

Thomas Rufenach bekommt die ersten Informationen über den vermuteten Unglückshergang vom deutschen Konsulat auf Martinique: „Ihr Bruder hatte wohl Motorprobleme, vermutet man, und es sieht so aus, als sei er über Bord gegangen, während er im hinteren Teil des Bootes nach Werkzeug suchte, um ein Teil aus dem Motor zu reparieren (es lag Werkzeug an Bord ausgebreitet herum). Man hat an Bord keine Rettungsweste gefunden und hofft somit, dass Ihr Bruder diese am Körper trägt. Es wird vermutet, dass sich der Unfall in der Nacht vom 8. auf den 9. Januar so gegen 4:00 Uhr morgens ereignet hat.“

Rufenach muss nach dem 28. Tag seiner Einhand-Atlantiküberquerung über Bord gegangen sein. In seinem letzten Blog-Eintrag vom Samstag schreibt er über die Begegnung mit einem Frachter, die ihn sehr geärgert hat: „Der 28. Tag auf See – Der Wind hat wieder zugenommen und weht aus ONO bis Ost mit 4-5 Bft. Auch die See ist dementsprechend grob. Balu läuft gut und ist auch (für seine Verhältnisse) sehr schnell. Doch für die Nacht lege ich lieber zwei Reffs ins Großsegel und Verkleinere das Vorsegel dementsprechend.

"Balu" vor Martinique. Im Hintergrund segeln viele Yachten. Hat ein Schiff den vermissten Skipper aufgenommen? © MRCC

Um 23:00 Uhr UTC taucht ein Schiff auf dem AIS auf. Es ist auf Kollisionskurs. Ich bleibe auf und beobachte den Track des fremden Schiffs. Bei einer Distanz von 4 Seemeilen melde ich mich per Funk bei dem Schiff. Es ist die “VALLE AZZURRA MMSI 24722660″, er bestätigt mir, das er mich gesehen hat, bleibt aber, als Überholer, weiterhin auf Kollisionskurs.

Mittlerweile habe ich den Motor auf Standby laufen und bei einer Distanz von 300 Meter fahre ich ein Manöver des letzten Augenblicks. Auf meine Beschwerde per Funk reagiert der Rudergänger des Frachters nicht mehr. Er hat die ganze Zeit stur seinen Kurs beibehalten. Ich werde mal sehen, dass ich die Reederei des Fahrzeugs heraus bekomme und mich dann schriftlich beschweren.

Standort der "Balu" am 8.1. Der Skipper schreibt seinen letzten Blog-Eintrag. Kurz danach geht er über Bord.

Ich kann jedem nur die Anschaffung eines AIS empfehlen. Den Rest der Nacht schlafe ich sehr unruhig und kontrolliere häufig das Umfeld und die Instrumente. Das Tagesetmal (126 Seemeilen) war sehr gut und nun sind es nur noch 101 Seemeile bis zum Ziel.“

Dieser Vorfall hat aber offenbar ursächlich nichts mit dem Verschwinden des Weltumseglers zu tun. Sein Bruder Thomas: „Es gibt nichts, was wir tun können. Außer hoffen, dass ihn ein anderes Schiff aufgenommen hat oder er nahe genug am Ufer war, um es schwimmend zu erreichen.“

Der Frührentner und ehemalige der Inhaber einer Segel- und Motorbootschule war bereits im August 2008 in Nürnberg gestartet und mit gelegtem Mast durch den Rhein-Main-Donau- Kanal in die Donau, stromabwärts über Österreich, Ungarn und Rumänien ins Schwarze Meer gelangt. Dort setzte er den Mast und besegelte intensiv das Mittelmeer.

Der Zeitrahmen für die geplante Weltumsegelung sollte mit einigen Pausen acht Jahren betragen. Die Atlantik-Überquerung bedeutete der eigentliche Start für das Unternehmen. Sein Wahlspruch: Träume nicht Dein Leben, sondern lebe Deinen Traum.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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