Einhand-Weltumseglung: Künstler Webb Chiles (72) startete zum fünften Rundum-Törn – auf 24-Fuß-Yacht

"Frauenkünstler" um die Welt

Er hat so ziemlich alles er- und überlebt, vor allem aber aufgeschrieben, was einem gestandenen Salzbuckel widerfahren kann. Nun will es der Kalifornier erneut wissen – allein auf einem 24-Fuß-Flushdecker.

Nein, langweilig war ihm nie. Webb Chiles hat aus jeder Minute, jeder Stunde, jedem Monat, Jahr, Jahrzehnt ein einziges Abenteuer gemacht. Sein Anspruch ans Leben war und ist simpel: Freiheit. Im wahrsten, vielleicht sogar ursprünglichen Sinne des Wortes.

Der alte Mann und das Meer sind wieder vereint © Earley

Der alte Mann und das Meer sind wieder vereint © Earley

Webb Chiles ist Schreiber. Und Segler. Er bezeichnet sich als Künstler „des Wortes und des Windes“. Und als „Frauenkünstler“ – denn Chiles lebte an Land genauso intensiv wie auf See: Acht Mal war er verheiratet, die Anzahl Frauen, die er wegen anderen verlassen hat, will er keinem verraten. Chiles räumt allerdings ein, dass er als Schreiber und Segler den meisten Erfolg im Leben hatte…

Obwohl, der Mann hat Höhen und Tiefen hinter sich, wie sie nur gelassene Weltenbummler, entspannte Abenteurer, lockere Lebemänner ohne psychischen Knacks überwinden können.

„Es trieb mich immer auf See!“ schreibt er auf seiner epischen Website, „um dann umso intensiver an Land zu leben!“ Erfolg war dabei nicht immer sein engster Freund, doch Erfolg ist bekanntlich eine Sache der Anschauungsweise.

Als Schreiber schaffte er sieben Bücher und Hunderte veröffentlichte Artikel. Als Segler vollendete er fünf Weltumseglungen, erreichte mehrere Weltrekorde und war immerhin „vor langer Zeit“, wie er schreibt, der erste Amerikaner, der einhand rund Kap Hoorn segelte.

Alles verloren, alles wieder aufgebaut

Zwei Mal im Leben habe er alles, aber auch wirklich alles verloren, was er besaß. Einmal vollzog sich dieser Prozess des „Verlierens“ über Jahre hinweg, als er auf einem offenen 18-Fuß-Boot „Tichborne“ westwärts von Kalifornien aus um die Welt segelte. Als er schließlich 1982 in Saudi Arabien als Spion verhaftet, monatelang eingesperrt und erst nach langen Interventionen und kostspieligen Verfahren wieder freigelassen wurde, gehörte ihm nicht einmal mehr ein Teelöffel von seinem Schiff, mit dem er 1978 in San Diego losgesegelt war.

Einsamer Wolf, Frauenheld, Alleinsegler © chiles

Einsamer Wolf, Frauenheld, Alleinsegler © chiles

„Der zweite Totalverlust vollzog sich dagegen innerhalb einer Nacht, hatte aber ungleich dramatischere Folgen,“ erzählt Chiles. „Ich versenkte die „Resurgam“, eine 36-Fuß-Sloop, vor der Küste von Florida. Danach trieb und schwamm ich 26 Stunden lang im Golfstrom, kam so 125 Seemeilen weit bis ich bei einem ankernden Fischerboot festmachte.“

Und überhaupt: Solche Geschichten erzähle er nur, um zu zeigen, wie sehr er doch auf „Messers Schneide“ lebe.

Kommt einem irgendwie etwas Münchhausen-mäßig vor? Könnte sein, könnte aber auch nicht sein. Denn Chiles schreibt frei raus, dass viele Dokumente und Fotografien, die mehr oder weniger beweiskräftig sein könnten, leider im Laufe der Jahre verloren gingen. Tatsache sind jedoch seine bisherigen Weltumseglungen, die er in mehreren Büchern minutiös beschrieb und dokumentierte – übrigens immer mit wunderbaren Abenteuern und tiefgehenden Erzählungen garniert.

Offen ist besser: Webb Chiles segelte bereits in einem offenen Boot um die Welt © Chiles

Offen ist besser: Webb Chiles segelte bereits in einem offenen Boot um die Welt © Chiles

Nett: auf seiner Website hat der Autor die meisten seiner Bücher und Artikel als PDF abgelegt; wäre nicht Mai und hätte nicht die Segelsaison gerade erst begonnen, würden wir Euch diese (englischen) Texte für lange Winterabende empfehlen! Aber vielleicht lässt sich ja bei Flaute ein wenig darin „stöbern“.

Vierte Expedition “Alleine rundum”

„Alte Männer sollten Entdecker sein,“ eine kleine Weisheit, die offenbar von T.S. Eliot erstmals in die Welt gesetzt wurde und die Webb Chiles mit offenen Armen als ein weiteres Lebensmotto aufgriff.

Dementsprechend ist der 72jährige, segelnde Künstler kürzlich wieder losgesegelt. Auf einer eher kleinen 24-Fuß-Yacht („Moore 24“), eine US-amerikanische Klasse, die seit 30 Jahren für sich in Anspruch nimmt, die erste „Ultra-Light“-Yacht made in USA zu sein. Einige „Moores“ wurden bereits erfolgreich von Kalifornien nach Hawaii und zurück gesegelt; allerdings wagte sich noch keiner an das große Abenteuer, mit diesen, erwiesenermaßen seetüchtigen, aber doch irgendwie ziemlich kleinen Dingern um die Welt zu segeln.

Nicht viel Platz, Aber immerhin ein Dach über dem Kopf: Die Moore 24 von Webb Chiles

Nicht viel Platz, Aber immerhin ein Dach über dem Kopf: Die Moore 24 von Webb Chiles

Webb Chiles erste Station ist dann auch folgerichtig Hilo, auf Big Island/Hawaii. Dort will er in 15 Tagen ankommen… plus minus zwei Tage. Seine episch langen Blogs will er während seiner Reise fortsetzen – mittels Yellow Brick können alle Interessierte seine Reise „tracken“.

„This is so great“ überschreibt Webb Chiles seinen letzten Blog-Eintrag vor der Abfahrt Richtung Sandwich-Inseln. „Ich darf nochmals raus!“

Wünschen wir dem „gar nicht mal so alten Mann” (O-Ton Chiles) viele Abenteuer – und natürlich genau das, was er in seinen Büchern und Texten immer wieder beschwört: Freiheit im Geiste!“

So soll's diesmal rundum führen © Webb Chiles

So soll’s diesmal rundum führen © Webb Chiles

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Michael Kunst

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2 Kommentare zu „Einhand-Weltumseglung: Künstler Webb Chiles (72) startete zum fünften Rundum-Törn – auf 24-Fuß-Yacht“

  1. avatar Erdmann Braschos sagt:

    Klasse

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 8 Daumen runter 0

  2. avatar Walter Baudisch sagt:

    Starker Typ. Danke für den Link.

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