Ex-Vendée-Globe-Segler: Thierry Dubois rettet mit seinem Expeditionsschoner Flüchtlinge

Vom Geretteten zum Retter

Vor 25 Jahren wurde er selbst aus einer dramatischen Situation auf See gerettet. Nun half der einstige Mini-Transat-Gewinner und Vendée-Globe-Segler Thierry Dubois anderen Menschen in Seenot.

Zehn Jahre lang durchlebte Thierry Dubois die Höhen und Tiefen des Hochseesegelsports. 1993 gewann der Franzose die Mini Transat an Bord der „Amnesty International“ und stieg anschließend auf einen größeren Racer um. Neben vielen Erfolgen, etwa bei der Around Alone, einer Solo-Weltumseglung mit Zwischenstopps, verbuchte der heute 54-Jährige aber in den darauffolgenden Jahren auch herbe Enttäuschungen bei einigen legendären Rennen.

Die Vendée Globe 1996/97 endete für ihn sogar mit einer dramatischen Rettungsaktion, die damals für großes Aufsehen sorgte. Seine Open 60 „Amnesty International“ war im Southern Ocean während eines Sturms gekentert und über Kopf liegengeblieben.

Thierry Dubois wartete bei der Vendée Globe 2096/97 auf seine Rettung. © Vendée Globe

Drei Tage lang harrte der französische Segler auf einer Rettungsinsel bei 60 bis 70 Knoten Wind aus, bis ihn die australische Marine aufgreifen konnte. Parallel war der Brite Tony Bullimore ebenfalls bei Australien durchgekentert und richtete sich nicht mehr auf. Die damaligen IMOCAs waren zu breit konstruiert und konnten sich ohne Neigekiel nicht mehr umdrehen. Die Rettungsaktionen gingen in die Historie der Vendée Globe ein.

“Trauriges Mittelmeer”

Anfang der 2000er hängte der Franzose seine Regattakarriere dann an den Nagel, um sich seiner wahren Leidenschaft zu widmen. Er begann mit dem Bau des 20-Meter-Schoners „La Louise“ und entschied, fortan auf ihm zu leben und Expeditionsreisen zu veranstalten.

Als Dubois vor wenigen Tagen mit seiner „La Louise“ das Mittelmeer durchquerte, dürfte er wohl auch wieder an seine eigene Rettung auf hoher See erinnert worden sein. Wie er auf seiner Facebookseite, allerdings ohne ins Detail zu gehen, berichtete, war er auf eine Gruppe Migranten in Seenot getroffen und ihr mit seinem Expeditionsschoner zur Hilfe gekommen.

„Trauriges Mittelmeer… Auf offener See, während ihrer jüngsten Mittelmeerfahrt, stieß La Louise auf die bittere menschliche Realität“, schrieb der Hochseeheld. „Falls einige Leute daran zweifeln oder es nicht wahrhaben wollen, wir haben es gesehen! Also habe ich mich schnell entschieden, es gab keinen Grund zu zögern, und wir haben getan, was wir tun mussten, als Menschen, als Seeleute. Wenigstens siebzehn Menschen werden ihr Leben nicht mitten im Nirgendwo verlieren, weil sie so viele Risiken in der Hoffnung auf ein besseres Leben eingegangen sind.“

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