Kleinstes britisches Territorium Rockall: Warum ein Stein im Atlantik Faszination ausübt

Fels in der Brandung

Im Juni startet eine skurrile Expedition: Ein britisches Team und ein Dokumentarfilmer wollen eine Woche lang auf einem Felsen im Atlantik überleben. Und dabei eine Million Euro für wohltätige Zwecke sammeln.

Inseln sind paradoxe Sehnsuchtsorte. Menschen wiegen sich darauf in Sicherheit, fühlen sich geborgen, umgeben von endlos erscheinenden Wassermassen oder reißenden Strömen. Anderen sind Inseln gerade wegen ihrer räumlichen Endlichkeit suspekt: Man kann sie nur selten ohne Hilfsmittel verlassen, sie schränken in vielerlei Hinsicht ein, man kann nur auf den größeren Exemplaren autark (über)leben.

Auf Inseln erblühten die ersten Hochkulturen der Menschheit, es wurden aber auch Waffen darauf getestet und entwickelt, die genau diese Menschheit wieder auslöschen könnten. Inseln sind die mit Abstand gefragtesten Urlaubs- und Party-Orte stressgeplagter Individuen der Moderne und begehrte Rückzugsrefugien für Menschen, die eine vermeintliche Zivilisation möglichst weit hinter sich lassen wollen.
Selbst heute noch ist die größte „über den Wasserspiegel herausragende Landmasse“ – Grönland – Ziel groß angelegter Expeditionen. Ihre Durchquerung ohne motorbetriebene Hilfsmittel gilt als eine der letzten großen Herausforderungen, die Abenteurern geblieben sind.

Andrerseits drohen die ganz kleinen Inseln, von vielen nur despektierlich Felsen, höchstens jedoch „Fels in der Brandung“ genannt, in Vergessenheit zu geraten. Einmal kartografiert und mit GPS-Koordinaten gekennzeichnet, werden sie zur Randnotiz der Menschheits- und Erdgeschichte. Ein Fels, der von einem Ozean umgeben ist, auf dem höchstens ein paar Vögel nisten oder auf ihren langen Reisen rasten – soll er doch im Ansturm der Wogen vor sich hinbröckeln.
Oder?

57° 35′ 48″ N, 13° 41′ 19″ W

Tatsächlich gibt es einige Exemplare dieser Kleinst-Inseln, die immer wieder von sich Reden machen. Die auf paradoxe Weise anziehend wirken: Sei es auf Schiffe, die mitten im nassen Nirgendwo gemäß Murphy’s Law auf genau diesen Felsen brettern. Sei es für ganze Nationen, die auf genau diesen Felsen Ansprüche erheben. Sei es für Abenteurer, die sich nichts Schöneres vorstellen können, als genau auf diesem Brocken Erde und Stein so lange wie möglich auszuharren.

Dass man diese drei Aspekte auch in einem einzigen „Objekt der Begierde“ vereinen kann, zeigt ein Felsen namens „Rockall“: Geografische Lage: 57° 35′ 48″ N, 13° 41′ 19″ W im Atlantik, 200 Seemeilen westlich von Schottland. Ausmaße: 31 m Länge, 25,3 m Breite, 21,4 m Höhe über der Wasseroberfläche.

Rockall wurde erstmals 1606 auf einer Karte vermerkt. Selbst für damalige Verhältnisse war die Position eher schlampig eingetragen: 90 Kilometer entfernt vom eigentlichen Standort, bot die Felseninsel gleich zu Beginn ihrer „offiziellen“ Existenz Anlass für Mythen. Zuviele Schiffe hatten sich auf die Suche nach dem sagenhaften Felsen gemacht. Und waren nicht fündig geworden oder sogar nicht zurück gekehrt. Man vermutete sagenhafte Fischgründe vor dem Felsen, in manchen Legenden war sogar die Rede von einem Felsen, der von Geistern bewohnt sei.

1686 dann der erste, verbriefte Kontakt mit Rockall:

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Michael Kunst

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