Expeditionen: Mit der BOC-Rennyacht zum Skifahren in die Antarktis

„On the rocks“

Antarktis, Ski, Segeln

Faszinierende Ankerplätze vor der Antarktis-Küste © Wickens

Zuerst durch die Drake-Passage segeln, irgendwo im Packeis festmachen, auf den Ski ins Landesinnere touren und jungfräuliche Abfahrten meistern. Das letzte große Abenteuer?

Der letzte, unerschlossene Kontinent unseres Planeten birgt bekanntlich noch viel Spannendes, Abenteuerliches… Unbekanntes! Geschützt durch den Antarktisvertrag von 1959, soll die zumeist von Eis bedeckte Landmasse  zwischen 60. und 90. Grad südlicher Breite ausschließlich friedlicher Nutzung und wissenschaftlicher Erforschung vorbehalten bleiben.

Antarktis,

Segeln “on the rocks” – bitte nicht wörtlich nehmen © wickens

Entsprechend ist es zumindest im Ansatz fraglich, ob man mit einem seit wenigen Jahren rasch aufkeimenden Abenteuer-Tourismus im umweltspezifischen Sinne noch „friedlich“ unterwegs ist. Schnell tauchen da Bilder etwa vom vermüllten Mount-Everest-Basecamp auf – wer hätte vor 50 Jahren schon gedacht, dass heutzutage jährlich Tausende auf den höchsten Gipfel der Welt hinauf wollen?

Es ist also durchaus beruhigend , wenn die zuständigen Behörden allen Abenteurern, sportlichen Helden oder pseudo-wissenschaftlichen Expeditionen reichlich Hindernisse in den Weg stellen, bevor sie Genehmigungen für die „Begehung“ der Antarktis erteilen. Ganz zu schweigen von der „natürlichen Auslese“, die von der Natur mit unwirtlichen Bedingungen wie grausiger Kälte, Stürmen und sonstigen Extremen geleistet wird.

Obwohl, mittlerweile gibt es bereits Marathons, die in der Antarktis gelaufen werden und jährlich etwa 50 „sportorientierte Expeditionen“ aus aller Herren Länder, bei denen etwa Felswände erklommen oder Langstrecken auf Tourenski zurückgelegt werden. Mit mehr oder weniger amtlicher Erlaubnis…

Antarktis,

Doppelt toll, wenn so ein Schiff bei der Heimkehr auf dich wartet © wickens

Tiefschneefahren in der Antarktis – für jedermann?

Das kleine Expeditionsunternehmen SkiAntarctica rund um den Briten Phil Wickens (zuständig fürs Bergige) und die Australier Darrel Day und Cath Hew (Skipper und Co-Skipper) zählen zu den Wenigen, die bereits seit Jahren auf dem antarktischen Kontinent unterwegs sind.

Wickens verbrachte bereits 650 Tage auf Skiern auf dem südlichsten Kontinent, die beiden Segler Day und Hew bringen bereits in der neunten Saison ihre „Expeditionsteilnehmer“ per Yacht durch die Drake-Passage zur Antarktis.

Ihre Expeditionen für Skifahrer, die dabei fast automatisch zu Seglern werden (wenn sie es nicht schon sind), haben in der Szene längst Kultcharakter – nicht zuletzt, weil sich Wickens auskennt: „Die Landschaften sind wirklich spektakulär, und viele der Berge noch unbestiegen, es gibt reichlich Abfahrten, die noch nie jemand in Angriff genommen hat!“ erklärt er.

Antarktis

Nicht umsonst gilt die Drake-Passage als die windigste Schifffahrtstraße der Welt © wickens

Auch wenn viele „kleinere“ Abenteuer direkt an der Küste auf die Skifahrer warten, sind doch die coolsten Spots im Antarktis-Inneren, wo Abfahrten von 2.000 Höhenmetern in einem einmaligen Pulverschnee auf die Tiefschneefahrer warten.

„Dieses Skivergnügen muss man sich jedoch hart erarbeiten: In teils mehrtägigen Expeditionen wandern wir auf Tourenski, bis wir ein Basiscamp aus Zelten errichten und von dort aus die umliegenden Gipfel erobern,“ stellt der Skifreak klar. „Bei der leicht wechselnden Wetterlage nicht unbedingt ein Zuckerschlecken!“

Zwei Yachten, zwei Skipper

Auf zwei Yachten segeln Darrel Day und Cath Hew ihre Gäste zur Antarktis – je nach Auftragslage. Die „IceBird“ ist eine 61 Fuß lange Aluminium-Yacht, die bei den Alu-Spezialisten von Trintella in Holland speziell für den Einsatz im Eismeer gebaut wurde.

Zwei Badezimmer und insgesamt zehn Kojen bieten also Platz für sieben Gäste plus Wickens, Day und Hew. „Ein stäbiges Schiff, sicher und vor allem fürs Eis gebaut,“ erklärt Cath, eine erfahrene Seglerin, die bereits Weltumseglungen hinter sich gebracht hat und mittlerweile über 15 Jahre vor der Antarktis unterwegs ist.

Die Spirit of Sidney wird auch für Film-Expeditonen in die Antarktis eingesetzt © wickens

Die Spirit of Sidney wird auch für Film-Expeditonen in die Antarktis eingesetzt © wickens

Ungleich spannender (für Segler) ist das zweite Schiff von SkiAntarctica. Die „Spirit of Sydney“ ist eine 60 Fuß-Rennyacht aus Aluminium, die von Ben Lexcen gezeichnet wurde, der wiederum mit dem Riss der „Australia2“ den America’s Cup nach Australien holte. 1986 segelte Ian Kiernan die „Spirit“ beim BOC Challenge um die Welt.

„Die Yacht wurde zu Zeiten gebaut, als man die Hochseeregattaschiffe noch in erster Linie stabil und dann erst schnell baute, weil der Respekt vor dem Southern Ocean außerordentlich hoch war,“ schreiben die beiden Skipper auf der SkiAntarctica-Website. „Dieses Schiff ist ein Windhund der Ozeane, mit langgezogenen, sauberen Linien, ideal zum Surf auf den Wellen des Southern Ocean!“ Seit nunmehr 16 Jahren ist die „Spirit“ offenbar ohne Probleme in antarktischen Gewässern unterwegs.

Trotz Rennyacht-Historie durchaus Eis-gängig – die Spirit of Sidney © wickens

Trotz Rennyacht-Historie durchaus Eis-gängig – die Spirit of Sidney © wickens

Allein nach einem Trip mit diesem Schiff durch die Drake-Passage würden sich viele Segler die (vor Kälte erstarrten) Finger lecken – doch nur wer auch auf den Brettln ebenfalls richtig gut unterwegs ist und zumindest tiefschneesicher abfährt, sollte sich an die 30-Tage-Expedition wagen.

Was einen dann jedoch erwartet, scheint wirklich einzigartig. Nicht zuletzt wegen des jeweils 4-6 Tage dauernden Trips durch die Drake-Passage, die epischen Fahrten durchs Treibeis und faszinierenden Ankerplätze am Ende der Welt!

In den nächsten Tagen startet die erste Expedition dieser Saison, zwei weitere folgen. Nächstes Jahr wird’s schon etwas zweifelhafter: Statt beide Drake-Passagen zu segeln, bietet man für Skifahrer, die „short in time“ sind, bereits einen Hin- oder Rückflug rüber nach Südamerika an.

Antarktis,

Schifoan vor dem Southern Ocean – man sollte es schon drauf haben! © wickens

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Michael Kunst

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8 Kommentare zu „Expeditionen: Mit der BOC-Rennyacht zum Skifahren in die Antarktis“

  1. avatar Heinrich sagt:

    Ist doch schön: Da kann man den Nachbarn erzählen, dass man in der Arktis Skifahren war. Sankt Moritz ist halt völlig out.

    Ich freu mich schon darauf, wenn die ersten billig Hotels und AprésSki-Bars in der Antarktis aufmachen und ein paar ordentliche Pisten und Skilifte planiert werden. In den Alpen hat es schließlich auch erst mit ein paar Abenteuern angefangen.

    Ist ja auch ein Unding, dass ein Kontinent noch nicht vermüllt ist!

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  2. avatar dubblebubble sagt:

    Abgesehen von den berechtigten Einwänden, ist das vermutlich ein endgeiler Trip.

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  3. avatar Christian sagt:

    Wäre zu kalt dort.

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  4. avatar Lars sagt:

    Es gibt offensichtlich zu viele Menschen mit zu viel Geld, die sich zu viel langweilen.

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 7 Daumen runter 6

    • avatar g sagt:

      Es gibt offensichtlich noch Menschen die das langweilige Leben eines deutschen Miesepeters nicht fuehren wollen!

      Ich finde solche Aktionen absolut cool!
      Abenteurer sein war mein Berufswunsch als Kind!
      Hat nicht 100% geklappt! Bin aber stetig dabei es zu erreichen!

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      • avatar Lars sagt:

        Abenteuer ist so einfach. Kauf dir ein altes 8m-Boot, bring es in Ordnung und segle damit zu den Alandinseln. Fahr selten in Häfen und nutze häufig den Anker bzw binde dein Boot an Schären fest..
        Dieses ganze hochorganisierte und hochtechnisierte “Abenteuertum” finde ich einfach nur lächerlich, sorry.

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        • avatar Simmi sagt:

          N gebrauchtes Boot kaufen und refitten? Wie spießig!
          Klau dir n Fahrrad, radel damit nach Tansania, setz über nach Sansibar und heuer auf ner Dhau an.

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