Extrem-Törn: Kalifornier Reeves schafft Unmögliches – rund Nord- und Südpol (fast) nonstop

Die große Acht

Zwei Mal Kap Hoorn backbord gelassen. Kap der Guten Hoffnung, Kap Leuwin und die Nordwestpassage gemeistert. Nein, das ist keine Lebensbilanz, sondern sind die Stationen eines einzigen Törns! 

„Bleib’ auf Kurs. Bleib’ über Wasser. Bleib’ an Bord.“ Die drei Regeln, die sich der Kalifornier Randall Reeves auf einem Zettel über den Navi-Tisch auf seiner Alu-Yacht „Moli“ gepinnt hat, sind in ihrer Einfachheit und fast schon lapidaren Aussagekraft eigentlich kaum zu überbieten.

Die Acht © Randall Reeves

Und doch machen sie deutlich, wie sehr man sich beim Einhand-Segeln auf das Wesentliche konzentriert. Besser gesagt: Konzentrieren muss, denn jeder Moment allein an Bord, jede Stunde ohne fremde Hilfe, jeder Monat ohne Gesprächspartner trägt etwas Elementares in sich. Erst recht, wenn man auf buchstäblich allen Ozeanen unseres Planeten unterwegs sein will.

SR hat Randall Reeves bereits zu Beginn seiner epischen Reise vorgestellt (SR-Bericht). Der Kalifornier startete auf „Moli“ am 20. September 2018 zu einem Segeltörn rund um die Antarktis und durch die die Nordwestpassage. Auf dem Globus eingezeichnet bildet die Route so etwas wie eine „Acht“.

Seine 45-Fuß-Aluminium-Yacht, auf der er den wahnwitzigen Törn anging, hat übrigens deutsche Wurzeln: „Moli“wurde 1989 von Dübbel und Jesse auf Norderney gebaut. Unter dem Namen „Asma“  segelte auf ihr der deutsche Abenteurer, Fotograf und Blauwassersegler Clark Stede gemeinsam mit seiner Partnerin Michelle Poncini in den Neunzigerjahren rund Nord- und Südamerika. 

384 Tage, 40.000 Seemeilen

Nun kommt es nicht alle Tage vor, dass extreme Törns, so vollmundig manche von ihnen auch angekündigt wurden, tatsächlich erfolgreich beendet werden. Zu lange ist die Liste der Gescheiterten, zu hoch der Anspruch an die Extreme, die sich der moderne Segler aufbürdet. 

Doch im Fall des Randall Reeves kann behauptet werden: Mission erfüllt, die Acht vollendet. Der 56-Jährige Reeves segelte alleine von Kalifornien runter zum Kap Hoorn, rüber zum Kap der Guten Hoffnung, mal eben schnell vorbei an Australien, wieder zurück zum Kap Hoorn (und somit rund Antarktis), rauf durch den Atlantik zur Nordwest-Passage, die im eisfreien Moment erwischt wurde und entlang der Küsten von Alaska, Kanada durch den Pazifik wieder zurück nach Kalifornien. Mehr als 40.000 Seemeilen ließ der Kalifornier dabei im Kielwasser und verbrachte für seinen großen Törn 384 Tage auf See. Nur ein Mal stoppte Reeves, um zusätzlichen Proviant vor Nova Scotia für seinen Trip durch die Nordwestpassage zu übernehmen. Was angesichts der Gesamtleistung durchaus zu akzeptieren ist.

Sextant ist cooler

Dass er wahrscheinlich der erste Mensch ist, der diese Route allein und fast nonstop auf einem Segelboot schaffte, will Rendall nur als Randnotiz verstanden wissen. „Wenn man so lange alleine auf See ist, werden solche Rekordmarken zur Nebensache,“ sagte er bei seiner Ankunft in San Francisco am 19. Oktober 2019.

Im Vergleich zu seinem ersten Versuch 2017, den er nach einer Havarie und Kenterung abbrechen musste, verlief sein Acht-Törn relativ ruhig. Randall Reeves gab zwar an, dass er im Prinzip alle zwei Tage irgendwelche kleineren Reparaturen an Bord zu erledigen hatte, gab aber auch zu, dass es sich dabei oft genug um Beschäftigungsmaßnahmen handelte.

Seine Yacht war weder mit einem Kühlschrank noch mit Heißwasser ausgerüstet. Alle Arbeiten an Bord wurden manuell ausgeführt, Energie gab es lediglich über Solar Panels. Was zu einigen Problemen in den arktischen und antarktischen Zonen führte. Die meist Zeit navigierte Reeves mit dem Sextanten, um „Strom zu sparen und weil es cooler ist“ wie er sich ausdrückte. Irgendwann stellte er fest, dass er über 200 Tage lang immer die selbe Segelhose trug. 

Außergewöhnlich weitersegeln

Randall Reeves versteht sich ausdrücklich als „moderner Langfahrtsegler“, der zwar auf einem relativ alten Schiff und mit eher veralteten Navigationsmethoden unterwegs sei, letztendlich aber „moderne Kommunikationsmöglichkeiten faszinierend“ finde. Er sendete über Satellit so oft wie nur möglich „Berichte von Bord“ , inklusive kleine Videos – ganz egal, auf welchem Ozean er sich gerade herumtrieb. 

So entstanden eine Website und Einträge auf Facebook, die einen faszinierenden Törn beschreiben. Nicht nur wegen seiner epischen Länge und abenteuerlichen Route, sondern auch wegen eines echten Ausnahmeseglers. Der schon kurz nach seiner Ankunft in San Francisco vom nächsten Törn träumte. Es müsse nicht unbedingt eine Steigerung sein, sagte er gegenüber lokalen Medien. Aber doch irgendwie außergewöhnlich. Ob ihm noch eine Steigerung zur  “großen Acht” einfallen wird?

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Michael Kunst

Näheres zu miku findest Du hier

2 Kommentare zu „Extrem-Törn: Kalifornier Reeves schafft Unmögliches – rund Nord- und Südpol (fast) nonstop“

  1. avatar Keine Name sagt:

    “Fast nonstop”? Auf Twitter hat er etliche Stopps in der Arktis dokumentiert. https://twitter.com/randallreeves8

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    • avatar Michael Kunst sagt:

      Ja, ich hab’ auch in der Zwischenzeit nochmals nachgehakt: Einigen wir uns auf Nonstop mit ein paar Stops, ok? 😇😎😜

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