Farewell: Segel-Cartoonist Mike Peyton ist im Alter von 96 Jahren gestorben

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Cartoon, Mike Peyton, Nachruf

Starb im Alter von 96 Jahren: Cartoonist Mike Peyton

Er schaffte es, mit ein paar Strichen die Segler schallend zum Lachen zu bringen. Der Cartoonist und Skipper nahm die Segelwelt und sich selbst pointiert auf die Schippe! Kein Nachruf, sondern ein Loblied.

Die internationale Segelwelt hat einen „ganz Großen“ verloren! Nein, keines dieser Jahrhunderttalente aus dem Regattazirkus oder einer dieser Langfahrtsegler, die jahrzehntelang um den Globus geschippert sind und jede Insel aller Sieben Meere kennen.

Sondern einer, der es als bescheidener Fahrtenskipper geschafft hat, ausnahmslos allen Seglern mit seiner sprichwörtlich spitzen Feder den Spiegel vorzuhalten. Und dies mit einem unvergleichlich trockenen, bissigen Humor tat, wie ihn nur Briten an den Tag legen können.

Der Segel-Cartoonist Mike Peyton ist tot. Er starb am 25. Januar 2017, fünf Tage nach seinem 96. Geburtstag.

Ein Kapitel geht zu Ende

Zugegeben, es könnte sein, dass dieser Name dem einen oder anderen U18-Segler nicht viel sagt, da Peytons Schaffensdrang in den letzten 10 bis 15 Jahren altersbedingt etwas nachgelassen hatte. Doch bei all denen, die ihre triste Kindheit und Jugend noch ohne Youtube-Filmchen, Facebook und Instagram durchleben mussten und irgendeine Nähe zum Segelsport verspürten (und sei es gezwungenermaßen beim alljährlichen, verregneten Sommertörn mit den Eltern auf der Ostsee), wird beim Namen Mike Peyton eine kleine Lach-Alarm-Lampe im Hinterkopf aufblinken.

Cartoon, Mike Peyton, Nachruf

© peyton

Peyton? Das war doch der mit diesen Cartoons, dessen Protagonisten sich immer auf ihren meist ziemlich kleinen Booten im strömenden Regen oder bei Schneeschauern vor der englischen Kanalküste verlustierten. Die oft mit sauertöpfischem Gesicht aus der ziemlich eng geratenen Plicht ihrer in die Jahre gekommenen Fahrtensegelboote hinter den Typen mit den dicken Motorbooten und kurvigen Begleiterinnen hergreinten.

Peyton zeichnete Skipper, deren Frauen nur wenig Spaß am Segeln hatten und die nach einem vielleicht etwas arg ruppigen Tag „draußen“ auf See schon vor der Hafeneinfahrt vom Bug aus nach einem Taxi brüllten.

Cartoon, Mike Peyton, Nachruf

© peyton

Er „dokumentierte“ Chartercrews, die zu Fünft in einem hoffnungslos überladenen Dinghy nach einer durchzechten Nacht ihr Boot draußen auf Reede nicht wiederfanden oder „berichtete“ von gnadenlos verkorksten Anlegemanövern.

Er zeichnete fiese Böen, die beim Auslaufen in strahlendem Sonnenschein hinter der Mole auf den arglosen Segler lauern und zeigte Vorschiffsmänner, die beim Anblick einer „Eieruhr“ im Spinnaker an die Kurven der Nachbarin denken. Ganz zu schweigen von den vermeintlich erfolgreichen Regattaseglern, die an der letzten Leetonne den Lauf „im Sack“ haben, wohlwollend zurückblicken, während sich vorne die Spischot um die Boje…

Spitze Feder, frecher Strich

Peyton zeichnete und skribbelte immer auf den Punkt genau und nahm mit ein paar Strichen häufig ganz simpel sich selbst „auf die Schippe“. Und traf damit ins Herz und auf die Lachmuskeln von Millionen Seglern auf der ganzen Welt.

Vielleicht geht es anderen auch so? Ich bin jedenfalls davon überzeugt, dass mit dem Tod von Peyton ein ganz besonderes Kapitel der Segelgeschichte zu Ende geht. Natürlich sind die Typen, die Peyton zeichnete, heute noch genau wie damals. Doch es gibt eben keinen mehr, der ihre Abenteuer, Malheurs, Faux-Pas, Träume und Schäume so humorvoll und treffsicher auf Papier bringen kann.

Als sich Mike Peyton im Alter von 90 Jahren wegen schwächelnder Augen von seinem 13. und letzten Segelboot trennte, kündigte er auch seinen endgültigen Rückzug vom Zeichnen an. Das ging damals schon durch die britische Segelpresse und wurde als schwerer Schlag für den Familienfrieden in unzähligen Seglerhaushalten bezeichnet. Warum? Vielleicht gibt ja die folgende Anekdote eine Idee davon, wie wichtig ein paar Zeichnungen tatsächlich sein können.

Cartoon, Mike Peyton, Nachruf

© peyton

Immer wenn ich mich als Pubertierender und als End-Teenie mit meinem alten Herrn stritt – der übrigens mit seiner Ostsee-Delanta mit Achterkajüte hervorragend in die Peyton-Riege passte – flogen so richtig die Fetzen. Aber ein paar Stunden später, wenn ich noch schmollend in meinem Zimmer „You can’t always get what you want“ von den Stones hörte, tauchte mit ziemlicher Gewissheit mein Vater in der Türe auf, mit einem seiner Peyton-Bücher in der Hand und zeigte auf einen Cartoon.

„Weißt Du noch? Das ist uns doch auch mal so ähnlich passiert!“ Und dann mussten wir beide schallend lachen und die ganze Streiterei war nach ein paar weiter geblätterten und abgelachten Seiten schon wieder vergessen.

So long, Mike Peyton. Du wirst fehlen…

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Michael Kunst

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2 Kommentare zu „Farewell: Segel-Cartoonist Mike Peyton ist im Alter von 96 Jahren gestorben“

  1. avatar Marina sagt:

    Gute Reise, Mike! Auch uns hast auf den Törns mit meinen Eltern (vor gefühlten 100 Jahren) sehr viel Spaß bereitet!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 10 Daumen runter 0

  2. avatar Tyske Amatør sagt:

    Vielen Dank für dieses Loblied, MiKu!
    Genau so ist unsere “triste” Kindheit & Jugend gewesen.
    Following seas, Mr. Peyton!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 10 Daumen runter 0

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