Fit fürs Frühjahr: Infos und Tipps rund um die Segelpflege – das sollte beachtet werden

Wellness für die Segel

Während die Yacht noch im Winterlager bleibt, kann sich die Mannschaft in aller Ruhe um die Segel kümmern und ihnen falls erforderlich eine Wellnesskur verpassen.

Segel sind der Motor unserer Boote. Etwas Pflege und Wartung benötigen sie allerdings auch © Silke Springer

Um zu entscheiden, welcher Art diese Kur sein und in welchem Umfang sie ausfallen soll, ist guter Rat gefragt, und der kommt idealer­weise von dem Segelmacher, dem man sein Vertrauen schenkt. Mit ihm sollte man einen Termin zur gemeinsamen Durchsicht der Segel vereinbaren und ihn bitten, einen Kostenvoranschlag für die besprochenen Maßnahmen zu erstellen. Danach kann in Ruhe entschieden werden, ob die kleine Wellness-Lösung oder besser das große Rundum-Paket infrage kommt.

Zur kleinen Lösung gehören das Entfernen kleinerer, leicht zu säubernder Flecken, Reparatur von Schäden und das Auswechseln von Verschleißteilen, sofern erforderlich. Das alles erledigt die Segelmacherei. Zur großen kommt eine Komplett-Reinigung samt anschließender Imprägnierung hinzu. Diese wird in der Regel nicht vom Segelmacher, sondern von einer externen Firma vorgenommen, die sich auf die Reinigung und Imprägnierung von Segeln spezialisiert hat.

Im optimalen Fall geht sie dabei sehr schonend zu Werk. Das bedeutet: Die Segel werden nicht in einer Trommel gesäubert, da das die Struktur des Tuches bzw. Laminates angreifen würde, sondern in Tauchbädern oder mithilfe von horizontalen Waschanlagen und weichen Bürsten.

Bei der Entscheidung, welcher Reinigungsfirma man seine Segel anvertraut, verlässt man sich am besten auf die Expertise des Segelmachers. Er kann auf Erfahrungen zurückgreifen, die Privatpersonen nicht sammeln können, weil sie ihre Segel nur selten zur Komplettwäsche geben und wenig bis gar keine Vergleiche ziehen können. Außerdem weiß der Experte genau, worauf er achten muss, um herauszufinden, ob die Reinigungsfirma tatsächlich schonend arbeitet und ob sie die Versiegelung sorgfältig vornimmt.

Was gar nicht geht

Wer daran denkt, seine Segel in eine ganz normale Reinigung zu geben, ist gut beraten, diese Idee gleich wieder zu verwerfen. Diese Unternehmen haben weder die für schonende Segelsäuberung notwendigen Vorrichtungen noch ausreichend Erfahrung mit Segeltuchen und -laminaten.

Auf keinen Fall sollte man seine Segel, sofern sie überhaupt hineinpassen würden, in der eigenen Waschmaschine waschen. Die Enge der Maschine und die Reibung durch die Trommel schädigen das Tuch, vor allem dessen Veredlung bzw. Beschichtung. Unbedingt verzichten sollte man auch aufs Bügeln.

Sichtkontrolle und die Ausbesserung kleiner Schäden gehören zum Frühjahrscheck dazu © Silke Springer

Do it yourself

Selbstverständlich kann jeder seine Segel auch eigenhändig säubern, sichten und sogar kleinere Schäden beheben. Doch in aller Regel sind die Segel viel zu groß, um sie zu Hause auszubreiten, zu reinigen und zu trocknen. Wer aber ausreichend Platz zum Auslegen und Aufhängen findet, legt einfach los.

Am Anfang steht das Abspülen mit kaltem Süßwasser. Dafür wird das Segel am besten auf einer Leine oder einer Teppichstange aufgehängt oder auf einem planen, sauberen Untergrund ausgelegt und dann mit dem Wasserschlauch abgespritzt. Dieser Spülvorgang befreit die Segel vom Oberflächen-Schmutz, der aus Sand, Staub und Salz besteht. Die Spülung tut dem Segel gut, denn bei Sand und Staub handelt es sich letztlich um kleine Steinchen, die für Abrieb sorgen. Ähnliches gilt für Salz, das bekanntermaßen in getrocknetem Zustand Kristalle ausbildet.

Mit mechanischer Unterstützung

Flecken im Tuch lassen sich mit Abspülen allein nicht entfernen. Hierfür benötigt man mechanische Unterstützung. Am besten nimmt man einen weichen Schwamm oder eine weiche Bürste und führt diese ohne großen Kraftaufwand in kreisenden Bewegungen über die Schmutzstelle. Wenn das nicht funktioniert, kommt warmes Wasser zum Einsatz, eventuell in Zusammenarbeit mit einer sanften Seife. Bei Fett- und Blutflecken kann man es mit wirkungsvolleren Reinigungsmitteln versuchen, von denen bekannt ist, dass sie selbst empfindliche Kleiderstoffe nicht angreifen.

Alles okay?

Auf das Säubern folgt ein gründliches Trocknen, denn feucht zusammengelegte Segel neigen zum Verspaken beziehungsweise zur Bildung von Stockflecken. Die mit Bürste oder Schwamm bearbeiteten Schmutzstellen dürfen zuvor gern noch versiegelt werden. Hierfür eignet sich Imprägnier-Spray, das auch zum Abdichten von Persenningen genutzt und von diversen Herstellern angeboten wird.

Sofern man nicht schon während der Säuberung nach offenen Nähten, zerschlissenen Verstärkungen und kleinen Löchern Ausschau gehalten hat, ist jetzt das Sichten an der Reihe. Um zu überprüfen, ob das Garn noch nicht allzu sehr unter Reibung und UV-Strahlung gelitten hat, hilft die Nagelprobe. Wenn sich eine Naht, eine Verstärkung oder gar das Tuch selbst mit dem Nagel aufdröseln lässt, ist es höchste Zeit, nachzunähen beziehungsweise zu ersetzen. Bei der Durchsicht von Spinnakern und Gennakern hilft ein Trick: Man hält den dünnen Stoff vor eine helle Lichtquelle, zieht Bahn für Bahn daran vorbei und entdeckt vorhandene Löcher garantiert viel eher, als wenn man den Stoff auf dem Boden auslegen würde.

Stagreiter – sofern vorhanden – sollten einen Tropfen Öl erhalten © Silke Springer

Erste Hilfe

Kleinere Schadstellen, die nicht genäht werden müssen, lassen sich mit Segel-Patches beheben. Sie sind Bestandteil von Reparatur-Sets, die über den Fachhandel oder beim Segelmacher gekauft werden können. Größere Schadstellen, die eigentlich genäht werden müssten, bleiben zu Hause leider häufig unbearbeitet oder werden unfachmännisch repariert, selbst wenn die erforderlichen Schneider-Kenntnisse vorhanden sind. Das liegt daran, dass handelsübliche Haushaltsnähmaschinen streiken, wenn es um die Bearbeitung von mehrlagigem Segeltuch oder -laminat geht. Ausnahmen bilden hier nur sehr dünne Spituche.

Was sich wirklich lohnt

Wer lange Freude an seinen Segeln haben möchte, lässt solche Schäden noch vor dem Saison­start vom Profi beheben, anstatt so lange zu warten, bis die nicht oder unfachmännisch reparierte Scheuerstelle zum großen Riss geworden ist.

Auch ein genauerer Blick auf Ihre Ausrüstung lohnt sich, denn manche Schäden liegen im Verborgenen und bleiben unerkannt, wenn man nicht explizit nach ihnen sucht. Das betrifft zum Beispiel die Latten. Sind sie noch glatt oder schon spröde geworden und haben Splitter gebildet? Ist das Gummi, das sie auf Spannung hält, noch elastisch oder schon ausgeleiert? Sitzt das Kopfbrett noch fest, oder muss es neu arretiert werden?

Mit handwerklichem Geschick können kleinere Wartungsarbeiten, die sich mit normalem Werkzeug erledigen lassen, selber vorgenommen werden. Dazu gehört die Glättung von ausgefransten Liek-Enden mittels Schere und Feuerzeug genau wie die jährliche Pflege der Stagreiter. Wenn man einen Tropfen Öl aufträgt, lassen sie sich wieder leicht öffnen und schließen. Damit sollte man allerdings warten, bis das Segel nach der Winterpause erstmals wieder gesetzt wird, weil man sich durchs Öl wieder Flecken einfangen kann, die man gerade mühsam entfernt hat.

Zuvor verschwindet die Garderobe noch einmal im Winterlager, wo sie möglichst trocken und luftig gestaut wird. Beim Zusammenlegen ist darauf zu achten, dass die Bahnen nicht zu eng gelegt werden und dass die Segel nicht allzu stark zusammenpresst werden. Dadurch verhindert man die Ausbildung scharfer Knicke. Im Umkehrschluss bedeutet das: Der Sack sollte geräumig sein, genau wie die Kammer, in der er lagert. Zirkuliert genug Luft im Raum, fühlen sich die Segel wohl und können heil und sauber in die neue Saison starten.

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