Fliegender T-Foiler eTrimaran: 160 Knoten schnelles vollelektrisches Wassertaxi

Auf Masthöhe über dem Wasser

Es wird enger auf dem Wasser. Bald müssen Segler wohl immer öfter auf Bodeneffekt-Fahrzeuge achten. Der Seaglider hat erste Tests bravourös gemeistert. Er nutzt eine von Seglern entwickelte Technik.

Das US-Unternehmen Regent hat auf der Narragansett Bay vor Rhode Island einen ersten erfolgreichen Test absolviert. Das Modell Seaglider hob sich im Foil-Modus über das Wasser und dann in die Luft. Dabei nutzt es den sogenannten Bodeneffekt, bei dem sich in Bodennähe unter einer Tragfläche ein Luftpolster bildet, das sich mit dem schwebenden Luftfahrzeug vorwärtsbewegt. Es kann also eine bestimmte Höhe über dem Boden nicht überschreiten. SR hat schon mehrfach über Fahrzeuge berichtet, die dieses physikalische Phänomen nutzen.

Der Seaglider hebt ab. Gut zu sehen: Die T-Foils. © Regent

Bei dem getesteten Prototypen handelt es sich um eine ferngesteuerte 1:4-Version des geplanten Fahrzeugs mit einer Flügelspannweite von 5,5 Metern. In der finalen Ausführung soll die Spannweite 20 Meter betragen. Erste Tests mit Menschen an Bord sind für 2024 geplant. Ein Jahr später ist die Marktreife geplant. Dann soll das Flugzeug in der Lage sein, sich mit 160 Knoten Speed knapp über der Wasseroberfläche fortzubewegen.

Der Seaglider hebt sich aus dem Wasser. © Regent

Der Antrieb vollelektrische Propeller-Antrieb soll das Wasserflugzeug schließlich auf etwa 160 Knoten beschleunigen. Im Wasser bewegt sich die aus einem Hauptrumpf und zwei Schwimmern bestehende Konstruktion mit etwa 13 Knoten in Verdrängerfahrt bevor sie sich auf die beiden T-Foils hebt und die Geschwindigkeit zunimmt. Bei knapp 40 Knoten Speed soll dann das Abheben erfolgen.

Der Trimaran im Foiler-Flug kurz vor dem Abheben. © Regent

Die Tragflächen-Technik ist in den vergangenen Jahren insbesondere von der Segelindustrie vorangetrieben worden. Die Konstrukteure von Hochleistungssegelbooten wie der Moth loten die Grenzen immer weiter aus. Die für den America’s Cup ausgegebenen Ressourcen sorgen für weitere Fortschritte in der Welt des Foilens.

Orca H-15, XXL Moth

Moth Tragflächen. Wie aus einem Star-Wars-Film. © TrisDesign

Das Gefährt ist von zwei Luft- und Raumfahrtingenieuren entworfen worden. Billy Thalheimer, CEO und Mitbegründer des in Boston ansässigen Start-up-Unternehmens, hält die Entwicklung für nicht weniger als “den nächsten große Moment in der Geschichte der menschlichen Fortbewegung”. Seit der Entwicklung des Hubschraubers habe es kein wirklich neues Transportmittel mehr gegeben.

Die beiden Startup-Gründer von Regent. Aufträge im Wert von 7 Milliarden Dollar. © Regent

Der Seaglider soll in Zukunft als schnelles Pendlerboot oder Wassertaxi zwischen Stadtzentren und Küstengebieten eingesetzt werden. Die Konstruktion soll an normalen Docks anlegen können. Sie soll nur die Hälfte der Betriebskosten herkömmlicher Flugzeuge oder Schiffe in Anspruch nehmen und nur einen Bruchteil des Lärms und der Emissionen verursachen. Regent plant den Einsatz auf Küstenstrecken zwischen Großstädten der ganzen Welt. Das Unternehmen verweist darauf, bereits Aufträge im Wert von 7 Milliarden Dollar erhalten zu haben.

Auf Mastenhöhe über dem Wasser. © Regent

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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