Foiling: Wie man auch als „Normalo“ abhebt – Schulung über Funkhelm

Kein Hexenwerk

Foil, Stickl, erlernen

Anweisung über den Helm, dann geht es schnell auf die Foils © abratis

Mit Skeeta oder Waszp über den Gardasee fliegen. Bei Stickl gelingt das schon in der ersten Trainingseinheit – Vorsprung durch Technik.

Es ist die heißeste Art des Segelns – nicht erst seit dem America’s Cup 2013. Experimente und Prototypen gibt es seit Jahrzehnten, doch spätestens seit der Jahrtausendwende, als die Motten-Klasse auf die Unterwasserflügel gesetzt wurde, hebt Foiling den Segelsport in eine neue Dimension. Die Konstruktionsklassen der Moth und A-Cats haben die Entwicklungen befördert, die Kiter sind schnell auf den Zug aufgesprungen. Diverse Kat- und Einrumpf-Konstruktionen wurden in den vergangenen Jahren mit verschiedenen Formen der Unterwasserflügel ausgestattet. J- oder L-Foils prägen neben den AC-Kats die professionellen Regattaszenen der GC32 und Flying Phantom, T-Foils, die den Flugmodus selbst regulieren, sind vor allem in Einrumpfbooten und Kat-Klassen für jedermann vertreten, und die olympischen Nacra17-Kats kommen auf Z-Foils daher. Selbst Yachten und Kielboote fahren inzwischen die Flügel aus. In der IMOCA60-Klasse gibt es wohl nur noch mit dem DSS-Foil-System, das für ein höheres aufrichtendes Moment und durch Auftrieb für weniger Verdrängung sorgt, Siegchancen. Die Mini 6.50 können inzwischen komplett schweben – auch wenn der Flugmodus noch zu unruhig erscheint, um ihn erfolgreich auf Langstrecken-Regatten einsetzen zu können. Und mit der Quant23 ist ein Kielboot auf dem Markt verfügbar, das auch unbedarften Mitseglern die Möglichkeit gibt, über statt im Wasser dabei zu sein.

Generell noch eine Nische

Bei Stickls Sportcamp in Malcesine an Gardasee hat man den Trend zum Foilen mit einer niedrigen Einstiegsschwelle vor drei Jahren aufgegriffen. Zunächst wurden Versuche mit der Bladerider-Motte gemacht, um zu sehen, ob es machbar ist, Segelschülern das Foilen zu vermitteln. Schnell zeigte sich, dass es gutes Interesse für das fliegende Segeln gibt. „Foilen interessiert bei uns vor allem die Kat-Segler, die auf ein gewisses Level gekommen sind und fit sind. Die wollen eine neue Herausforderung. Aber auch gute Jollensegler. Die orientieren sich dann mehr an Center-Foilern, an Waszp und ähnlichen Booten. Generell ist Foiling zwar noch eine Nische, obwohl es ziemlich stark wächst“, berichtet Heinz Stickl.

Die Quant23 wurde daraufhin fest in das Programm aufgenommen, da es mit dem Skipper an Bord ein leichter Einstieg ist. Es folgten Katamarane. Vor allem der iFly15 hat sich bei Stickl bewährt. „Es ist eine super stabile Plattform. Kat-Segler, die als Einstiegsvoraussetzung Steuermann-Trapez fahren, können sehr schnell foilen“, so Stickl. Ein geübter F18-Regattasegler könne schon nach einer kurzen Einweisung direkt losfliegen. Bei Freizeitsegler klappe es auch – nach einem kleinen Kurs.

Foil, Stickl, erlernen

Praxi ist der Foil-Lehrer bei Stickl © abratis

Das Wand-System des iFly, das die Flughöhe reguliert, sorgt für eine einfache Bedienung. Die Segler müssen lediglich mit Schot und Pinne umgehen können, und schon hebt der auf T-Foils schwebende iFly15 ab. „Einmal richtig eingestellt, fliegt der wie ein fliegender Teppich. Es kommt easy raus und ist super safe und stabil“, sagt Stickl. Inzwischen ist die Technik der Foils so weit gelungen, dass sichere Trapez-Segler, die keine Angst vor dem Speed haben, auch problemlos foilen können.

Foil, Stickl, erlernen

Er führt kurz vor was Sache ist… © abratis

Mit der als Volksmotte bekannt gewordenen Waszp und der neuen Scow-Entwicklung aus Australien, der Skeeta, wird das Foilen zudem preislich immer interessanter, und ist bereits ab einem Neukauf-Einstieg von unter 13.000 Euro (Waszp) möglich. Die mottengroßen Einheitsklassen sind vor allem für Dinghi-Segler interessant, die nah an ihrem gewohnten Segelstil bleiben wollen.

Praxi korrigiert

Die Waszp und ab Juli auch die Skeeta können auch bei Stickl gesegelt werden. Michael Praxmarer, Skiffsegler und Kiter, hat sich hierfür auf die Foil-Schulung bei Stickl spezialisiert. Der Österreicher gibt an Land eine Einweisung in die Technik der Dinghis, bringt das Boot auch auf das Wasser und übergibt die Pinne dann nach einer kurzen Vorführung schnell an den Schüler. Denn bei Stickl wird mittels Funkhelm geschult. So ist eine schnelle Eingewöhnung auf den Foil-Stil möglich. Vom Begleitmotorboot korrigiert „Praxi“ ständig den Längs- und Quertrimm des Seglers, sagt Schotzug und -fieren an, und ermahnt zur sparsamen Handhabung der Pinne.

Foil, Stickl, erlernen

… dann sind die Schüler dran © abratis

Denn auf den kleinen Fluggeräten werden Böen und Dreher vor allem durch die Schot ausgesteuert und nicht über das Ruder. Mit den ständigen Funkansagen gelingt es tatsächlich bereits in der ersten Einheit, Skeeta oder Waszp auf die Flügel zu bringen und über den Gardasee zu fliegen. Für einen stabilen Flug ist zwar noch etwas mehr Eingewöhnung nötig, doch die Erkenntnis ist schnell da: Foilen ist kein Hexenwerk mehr.

Und auch die Windvoraussetzungen für das fliegende Segeln haben sich mit den neuen Konstruktionen nach unten entwickelt. Ab acht Knoten, mit besonders großen Segeln bereits ab sechs Knoten, heben die jüngsten Foiler ab. Mit dem auf das Revier abgestimmten Segelmaterial ist Foilen aber auch bis fünf Windstärken möglich.

Als reinen Volkssport will Heinz Stickl das Foilen indes nicht sehen, denn es bedürfe immer noch einer gewissen Erfahrung, um ins Schweben zu kommen. Damit ist es nichts für pure Einsteiger, aber geübte Segler, die eine neue Herausforderung suchen, sind beim Foilen bestens aufgehoben.

Stickl Sportcamp

avatar

Ralf Abratis

... ist unser Mann aus der "Segelhauptstadt" Kiel. Mehr zu ihm findest Du hier.
Spenden

6 Kommentare zu „Foiling: Wie man auch als „Normalo“ abhebt – Schulung über Funkhelm“

  1. avatar uws sagt:

    Das Stick Schulungssystem mit dem Funk ist super! Es spart einfach mega Zeit, wenn man während des segelns direkt Input bekommt und die neuen Dinge sofort umsetzten kann. Da kann man in wirklich kurzer Zeit auch auf einem Einhandboot foilen lernen! Und die Instruktoren habe ein super Know How, sowie auch die passende Leidenschaft für den Sport, das spürt man und das Begeistert!
    Ich kann jedem nur Empfehlen: geht mal foilen bei Stickl !
    Yo

    Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

  2. avatar Müller sagt:

    Das liest sich alles auch im zweien Artikel noch wie eine Pressemitteilung…
    Und, was ist eigentlich so schlimm daran, dass die Motte etwas anspruchsvoller zu segeln ist? Man bekommt von Artikeln über foilende Boote immer wieder den Eindruck, dass das für den hiesigen Segler eine absolute Zumutung ist. Muss wirklich jeder immer alles machen können? Und wenn’s zu schwierig wird, muss eben planiert werden, bis es passt?
    Von mir aus kanns ja jeder machen wollen, nur das genöle, dass es anstrengt, ist mir so Wiener Schnitzel im Urlaubsressort…

    Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

  3. avatar Firstler sagt:

    Einmal bei Stickl nen Surfkurs gemacht und das war der letzte Mist. Habe mich nur gelangweilt, weil völlig unterfordert. Leider war ich noch zu jung, um selbst die Initiative zu ergreifen. Der Lehrer hätte mich sofort in nen anderen Kurs stecken müssen. Nie wieder Stickl

    Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

  4. avatar Waterman sagt:

    Sehe den Artikel auch eher als Service für seine Dauerwerbung hier. Stickel war schon immer bekannt dafür lieber einen auf dicke Hose zu machen anstatt z.B. in wirklich gutes Lehrpersonal zu investieren.

    Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

  5. avatar uws sagt:

    @firstler: das kann sicher passieren, ist schade wenn der Lehrer es nicht sieht, aber es ‘menschelt’ halt an allen ecken und da kann auch so etwas vorkommen, natürlich schade. Meinem Eindruck nach waren dieses Jahr im Frühjahr wirklich fitte Instruktoren dort!

    @waterman: ist das hörensagen oder hast du es selbst erlebt? Ich habe es bisher nur positiv erlebt. und ich bin einfach begeisterter Foiler 🙂 Und aktuell hat es mindestens 2 Lehrer dort die das Foilen sehr gut vermitteln können und echt Ahnung haben!

    Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

  6. avatar Waterman sagt:

    Nix hörensagen, sondern sowohl beim Windsurfen als auch Katsegeln erlebt. War einfach nur Massenabfertigung. Freunde von mir die vor. 2 Jahren noch einmal dort waren haben es genauso erlebt, zumal das zugesicherte Boot nicht verfügbar war.

    Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *