Fracht über Bord: 220 von 281 “MSC Zoe”-Containern geortet – 10.000 jährlich gehen verloren

Dauerhaftes Problem

Die Suche nach den am Neujahrstag verlorenen 281 Containern der “MSC Zoe” ist weiterhin in vollem Gange. Zwei Gift-Säcke wurden in Holland angespült. Das Problem ist längst nicht behoben.

Nach der Container-Verlust auf dem 395 Meter langen und 59 Meter breiten Ozean-Riesen “MSC Zoe”, der 19.224 Stahl-Behälter tragen kann, ist das Problem der jährlich auf See verloren gehenden Stahlbehälter mehr in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Akut steht aber noch die Bergung der Ladung im Vordergrund, die auf dem Weg von Antwerpen nach Bremerhaven im Sturm Zeetje über Bord ging.

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Es muss nicht immer – wie hier – ein Totalverlust des Schiffes sein, wenn größere Mengen Container über Bord gehen © US Coast guard

Die MSC-Reederei mit Sitz in Genf hat per Pressemitteilung der Welt die frohe Botschaft verkündet, dass sie für die Suche und Bergung der Ladung bezahlen wolle. “Die Suche geht weiter, bis der letzte Container gefunden ist”, heißt es bei MSC.

Und auch die Ortung von 220 Containern wird nun als Erfolg verkauft. Dabei ist es unfassbar, dass mindestens 40 Stahlkisten noch irgendwo in der Nordsee herumschwimmen. Für die Bevölkerung ist besonders besorgniserregend, dass zwei Container mit gefährlicher Ladung noch nicht gefunden wurden.

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Die MOL Comfort 2013 im Indischen Ozean © Gcaptain

Dafür sollen aber zwei von 280 vermissten 25 Kilo schweren Gefahrgut-Säcken in den Niederlanden angeschwemmt worden sein. Sie enthalten die gefährliche Chemikalie Dibenzoylperoxid, die zur Kunststoffherstellung verwendet wird. Offenbar hat sich der Behälter geöffnet. Im zweiten vermissten Container befinden 1.500 Kilogramm Lithium-Ionen-Batterien.

NDR Video

Für die Schiffahrt stellen aber besonders die Container selbst eine große Bedrohung dar. Wenige Vorfälle werden offiziell behandelt, da sie meist weit draußen auf dem Ozean passieren. Im März 2018 gingen es nach einer Kollision in Karachi bis zu 60 Container sehr sichtbar über Bord. Und Anfang März hatte der Frachter “Maersk Shanghai” 72 Container verloren. 2015 wurde auch ein Vorfall im englischen Kanal sehr offen behandelt. Bei 12 Meter hohen Wellen verlor der Transporter 12 Stahlkisten.

Es ändert sich nichts

Ob sie wirklich alle geborgen wurden? Vorsichtige Schätzungen sprachen damals von 10.000 Container-Verlusten pro Jahr. Diese Zahl hat nun auch Hans-Werner Monsees, Leiter des Havariekommandos in Cuxhaven, dem NDR offiziell bestätigt.

Offenbar ändert sich überhaupt nichts. Auch das Auffinden der Container im Wasser ohne Kennzeichnung ist wohl nur in der vergleichsweise flachen und engen Nordsee einigermaßen erfolgversprechend. Das ist besonders für die kleinere Schiffe ein Desaster. Kein Wunder, dass sich die Kollisionen von Yachten mit “nicht identifizierbaren schwimmenden Objekten” (UFO) häufen.

Vielleicht hilft ein solcher Unfall wie an der Nordseeküste dabei, dieses Problem mehr in Griff zu bekommen. Der Druck auf die Reedereien ist jedenfalls erhöht. Sie haben selber ein Interesse daran, dass die Ursachen des Unfalls aufgeklärt werden. Bisher ist nicht bekannt, wie es zu der Havarie kommen konnte. Die “MSC Zoe” soll noch wochenlang in Bremerhaven liegen, weil die umgestürzten an Bord verbliebenen Container nur mit großem Aufwand von Bord gebracht werden können. Die Wasserschutzpolizei Bremerhaven untersucht die Ursachen des Unfalls.

Aber es geht eben nicht nur um das Verhindern des Verlustes, sondern besonders um die Gefahr, die von den überall auf den Weltmeeren knapp unter der Oberfläche treibenden Container ausgeht. Dieses Problem scheint nicht gerade im Vordergrund zu stehen.

 

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Carsten Kemmling

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Ein Kommentar „Fracht über Bord: 220 von 281 “MSC Zoe”-Containern geortet – 10.000 jährlich gehen verloren“

  1. avatar Olaf sagt:

    Moin, ich kann verstehen das jedes UFO im Wasser eines zu viel ist – aber 10.000 Container / Jahr gehen nicht auf See verloren. Offizielle Zahlen des World Shipping Council sehen in den letzten 10 Jahren ca. 580/Jahr als auf See verloren an (ohne schwere Unfälle). Sollte hier die Dunkelziffer den Faktor 10 haben, wären es auch nur 5.000. Der im Artikel verlinkte Vorfall in Karachi ereignete sich 10m vom Kai entfernt. Dort bestand nie Gefahr für die Schifffahrt.
    Bei der Menge an transportieren Containern ist diese Zahl verschwindend gering, sodass man nicht von einem Systemversagen sprechen kann. Das verlieren von Containern auf See bleibt damit ein ein Einzelfall, den man untersuchen und in Zukunft verhindern muss – mehr nicht.

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 4 Daumen runter 5

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