Fracht über Bord: Wie konnten die Container der “MSC Zoe” ins Wasser fallen?

Was ist passiert?

Nach dem Container-Verlust der “MSC Zoe” ist die Suche nach der Ursache in vollem Gange. Holländische Fischer glauben an eine unerlaubte Abkürzung, Spezialisten sehen eine andere Gefahr.

Container, Zoe

Die Container-Ladung der “MS Zoe nach dem Unfall. “© Kustenwacht

Was ist auf der “MSC Zoe” schief gelaufen? Diese Frage beschäftigt seit dem Neujahrstag viele Menschen, die von dem Unglück betroffen sind. Denn das Ausmaß der Havarie auf dem 395 Meter Frachter ist längst an der deutschen und besonders der niederländischen Nordsee-Küste zu sehen.

220 von den bisher mit 281 bezifferten verlorenen Containern sollen auf dem Meeresgrund geortet worden sein, aber besonders die wenigen geborstenen Stahlkisten sind ein Problem. Ihre Ladung hat sich im Wasser verteilt. Und bei dem jüngsten Sturm sind die Aufräumarbeiten ins Stocken geraten. Ebenso gibt es noch keine positiven Nachrichten zu den beiden Containern mit giftigem Inhalt.

Abkürzung genommen?

Aber was ist passiert? Gibt es ein generelles Problem, das auch andere Frachter betreffen kann?

Einem Bericht der Tageszeitung Leeuwarder Courant zufolge, der vom Ankerherz-Blog angeführt wird, erheben niederländische Fischer den Vorwurf, dass der Kapitän der “MSC Zoe” eine verbotene Abkürzung genommen haben soll. Die regierende VVD-Partei habe daraufhin im Repräsentatenhaus eine Aufklärung gefordert.

Der Riesen-Frachter soll auf dem Weg von Portugal nach Bremerhaven einen Seefahrtsweg knapp dreißig Kilometer vor den friesischen Inseln gewählt haben, der maximal 20 Meter tief ist. Ein gefährlicher Plan, da die “MSC Zoe” vollbeladen einen Tiefgang von 16 Metern aufweist. So könnte es im Sturm am Neujahrstag es zu einer Grundberührung gekommen sein, die zu Lastspitzen bei der Fracht-Befestigung führte. Dann wäre der Kapitän mit seinem Gefahrgut an Bord ein offenbar verbotenes Risiko eingegangen.

In Schwingung geraten

Eine andere Theorie wird bei RTV Noord vertreten, einem öffentlich-rechtlichen Rundfunksender der niederländischen Provinz Groningen. Er zitiert Arjen Mintjes, einen Direktor der Maritimen Akademie in Harlingen. Die Hypothese seiner Spezialisten besagt, dass das Schiff aufgrund des nordöstlichen Verlaufs der Wellen und der speziellen Wellenlänge stark zu schwingen begonnen hat. Das Schiff habe diese Kräfte möglicherweise nicht richtig ableiten können und sich aufgeschaukelt.

Container, Zoe

Die mälträtierte Container-Ladung auf der “MSC Zoe”. © Havariekommando


Die Krängung mag zu beiden Seiten bis zu vierzig Grad betragen haben. Bei solch massiven Kräften kann einer der unteren Behälter eingedrückt worden sein. Die Stahlkonstruktion, auf der die Container lagern, könnte nachgegeben haben oder es lösten sich die Befestigungen. Daraufhin wurde eine Kettenreaktion ausgelöst.

Die Container sind mit sogenannten Twistlocks gesichert, massive Stahlstifte, die in Löcher an den Ecken jedes Behälters gesteckt werden. Darüber hinaus werden die Container mit Zurrstangen an Deck und untereinander verbunden.

Das Be- und Entladen erfolge voll automatisch mit Computerhilfe. Danach gebe es noch einmal eine Überprüfung der Befestigungen durch Kapitän und Crew, aber das könne bei einer Ladung von 19.000 Containern nur stichprobenartig erfolgen.

Alarm erst vier Stunden nach dem Unglück

Für die Experten nicht verwunderlich, dass die Crew der “MSC Zoe” erst vier Stunden nach dem Verlust des ersten Containers Alarm geschlagen hat. Das Unglück sei bei Nacht und im Sturm passiert. Es gibt keine Deckbeleuchtung und die harten Bedingungen haben viel Lärm verursacht. Sensoren, mit denen sich die Bewegung der Fracht überprüfen ließe, sind nicht vorhanden.

Auch das ist wohl ein Grund dafür, warum offenbar immer mehr Container weltweit über Bord gehen. Akademie-Spezialist Mintjes erhöht die vielfach genannte Zahl der jährlich verlorenen Container von 10.000 auf 15.000. Seines Wissens sei es aber noch nie passiert, dass so viele Container gleichzeitig im Meer gelandet sind.

Der Containerverkehr per Schiff werde auch durch diesen Unfall nicht in Frage gestellt. Er sei einfach die effizienteste Art des Transports. Und die großen Frachter machen Sinn, weil sich durch sie der Transportpreis pro Container reduziert.

Technisch können die Schiffe inzwischen sogar noch größer gebaut werden. Die MSC-Reederei baue zurzeit einen Frachter, der 23.000 Stalhkisten aufnehmen kann. Aber die Grenzen sind erreicht, da es in der Welt kaum noch Häfen gibt, die diese Monster abfertigen können.

 

 

 

 

 

 

 

avatar

Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
Spenden

Ein Kommentar „Fracht über Bord: Wie konnten die Container der “MSC Zoe” ins Wasser fallen?“

  1. avatar nik sagt:

    Sind mit Schwingungen Schwingungen in der Schiffsstruktur oder ist damit das rollen des Schiffes gemeint?

    Kurze Info zur Kontrolle: Die Laschstangen kann man schon kontrollieren. Nur die Twistblocks nicht… (Kann man drüber streiten) die müssen korrekt sitzen und auch geschlossen sein

    Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *