Frühjahrscheck an Deck: Rundgang vor dem ersten Törn – an alles gedacht?

Alles klar an Deck!

Das Schiff schwimmt, der Mast steht. Eigentlich könnte die Saison jetzt losgehen, doch bevor man nach der langen Winterpause erstmals wieder Segel setzt, empfiehlt sich ein umfassender Check der Decksausrüstung, verbunden mit einer gründlichen Reinigung versteckter Ecken. Die Kontrolle verhindert, dass sich vermeintlich kleine Schäden zu großen Problemen auswachsen, die Aufräumaktion sorgt für Wohlfühlatmosphäre
und reibungslose Manöverabläufe.

© Silke Springer

Weil es so viel zu bedenken gibt und so viele versteckte Ecken und Ausrüstungsgegenstände mit unliebsamen Überraschungen aufwarten können, haben wir eine Liste erstellt, die als unverbindlicher Leitfaden für einen gründlichen Deck-Check dienen kann.

Püttinge, Wantenspanner und Co.

Den Anfang macht der Mast. In der Regel wird er direkt nach dem Slippen oder Kranen gesetzt. Häufig geschieht das in Eile, denn die nächste Crew wartet schon auf den freiwerdenden Kran. Angekommen auf dem eigenen Liegeplatz kümmert man sich darum, das Schiff sicher festzumachen und die eingelagerten Utensilien, die im Kofferraum oder in der Stegkarre warten, an Bord zu tragen.

Viel später erinnert man sich daran, dass die Splinte nicht kontrolliert wurden, weder an den Umlenkblöcken für die Fallen noch an den Wantenspannern. Auch deren Kontermuttern sind bislang nur handwarm angezogen, weil es – wie gesagt – schnell gehen musste. Auf das Abtapen der scharfen Kanten oder Splinte wurde zunächst einmal ganz verzichtet. Dabei macht das wirklich Sinn, denn Ringsplinte können aufbiegen, was im schlimmsten Fall dazu führt, dass sie sich aus dem Bolzen herausdrehen. Gerade die Splintringe an den Wantenspannern sollten gesichert sein, sonst kann eine verhedderte Schot zum Mastbruch führen. Ein kleiner Streifen Tape um den Ring gewickelt, verhindert das Aufbiegen. Alternativ kann man transparente Dichtungsmasse auftragen. Ein paar Tropfen genügen.

Tape eignet sich außerdem gut, um Ecken und Kanten von Wantenspannern, Püttingen etc. abzudecken. Derart abgerundet rutschen die Schoten leichter und werden die Vorsegel geschont. Noch besseren Scheuerschutz bieten Wantenspanner-Schoner, die in diversen Ausführungen und Materialien (darunter Neopren oder PVC) erhältlich sind.

Laufen die Umlenkblöcke noch sauber, weisen die Fallen Beschädigungen auf? Lieber nicht warten, bis es zu spät ist! © Silke Springer

Schoten, Strecker und sonstige Bändsel

Abgesehen von den Schoten und Fallen, die auf jeden Fall einen jährlichen Check durchlaufen sollten, gibt es eine Vielzahl von Streckern, Beiholern und sonstigen Leinen, die ebenfalls einer Durchsicht bedürfen. Am besten geschieht das, bevor die Segel angeschlagen werden. Sind die Tampen erst einmal eingezogen, bleiben sie erfahrungsgemäß bis zum Ende der Saison im Einsatz oder so lange, bis sie im schlimmsten Falle brechen.

Was sich bei der Durchsicht als fadenscheinig oder beschädigt herausstellt, wird ausgetauscht. Wo Markierungen, die beim optimalen, schnellen Trimm helfen, verblasst sind, trägt man neue Farbe auf. Dafür empfehlen sich wasserfeste Filzstifte oder Tape.

Schwalbennester sollten jetzt komplett entrümpelt werden © Silke Springer

Sicherheit an Deck

Um sicher vom Cockpit aufs Vorschiff zu kommen, hilft der Griff an den Seezaun. Der ist noch immer meist aus Draht, zunehmend werden aber auch Dyneema-Tampen oder Gurtbänder eingesetzt. Egal, aus welchem Material, die Kontrolle auf Schadstellen lohnt sich. Aus den Drähten können sich Litzen lösen, was für unangenehme Handverletzungen sorgt, das Tauwerk kann sich an scharfen Kanten aufreiben und verliert einen Großteil seiner Bruchlast, die Knoten des Gurtband-Bändsel lockern sich und geben den Gurt frei.

In die Überprüfung der Deck-Sicherheit fällt auch die Safety-Line, sofern eine ausgelegt ist. Dasselbe gilt für Ausreitgurte. Auf kleineren Schiffen, die für Binnenreviere oder Küstensegelei gedacht sind, gibt es häufig keine Seereling, dafür aber Ausreitgurte. Wie bei einer Reling aus Gurtband liegt das Bruch-Risiko hierbei weniger bei den Gurten selbst als bei den Bändseln und Knoten. Manch Segler ist schon ins Wasser gefallen, weil ein Knoten vom Befestigungsbändsel nicht richtig dichtgezogen war.

Markierungen (Reffstufen etc.) sollten jetzt nachgebessert werden © Silke Springer

Durchsicht und Wartung der Beschläge

Kleine Beschläge wie Schäkel, Splinte, Karabinerhaken & Co. gehören zu den normalen Verschleißteilen. Falls nötig werden sie kurzerhand ausgetauscht. Schwieriger wird es mit fest montierten Beschlägen wie Winschen und Fallenklemmen oder größeren wie Rollanlagen. Aber auch hier schützt die Kontrolle beziehungsweise rechtzeitige Wartung vor späteren Totalausfällen. Nicht ganz einfach, aber machbar, ist die Wartung von Winschen. Wer sich daran wagt, kann sich die Arbeit erleichtern, indem er beim Auseinanderbauen jeden Schritt fotografiert. Das hilft, die Winde nach dem Reinigen und Fetten wieder richtig zusammenzusetzen.

Die Wartung von Rollanlagen und deren Trommeln ist so kompliziert, dass man sie besser einem Rigger überlässt. Logischerweise muss sie auch schon erfolgen, bevor der Mast gestellt wird. Was der Eigner selbst übernehmen kann, ist das Klarieren der Aufrollleinen, sollte das erforderlich sein. Die Kugellager können in der Regel selber mit etwas Fett gepflegt werden.

Die Beschläge sollten genau unter die Lupe genommen werden © Silke Springer

Auch das Reparieren von Fallenstoppern lässt sich selbst erledigen, zumindest, wenn es ums Austauschen der Hebel geht. Nicht alle, aber viele Hersteller bieten einzelne Hebel als Ersatzteile an.

Auf die Beschlags-Kontroll- und Reparaturliste gehören außerdem: Curryklemmen, deren Backen nicht richtig fassen und Patent- bzw. Schnappschäkel, die sich schwer öffnen lassen, weil ihnen ein paar Hübe Spray fehlen. Dieselbe Spray-Behandlung tut übrigens auch bei Spibaum-Beschlägen gut.

Die Abdeckungungen der Instrumente können im Lauf der Jahre nicht mehr richtig schließen. Mit einem dünnen Stück Moosgummi wackelt nichts mehr © Silke Springer

Instrumentenkunde

Zum Deck klar machen gehört auch die Inspektion der Cockpit-Instrumente. Ob das Navigerät und seine Displays noch funktionieren, ob Logge und Kompass noch die gewünschten Infos liefern, ist in erster Linie eine Frage von reibungsloser Stromversorgung, die hier nicht thematisiert werden soll.

In die Liste gehört aber die Kontrolle auf äußere Schäden: Von Solarpaneelen, Antennen, Instrumentengehäusen und Bedienelementen.

Ob die Abdeckhutzen der Instrumente noch intakt sind, ist ein weiterer Punkt. Da die Schutzhauben permanenter UV-Strahlung ausgesetzt sind (häufig verbunden mit Salzwasser) werden sie im Laufe weniger Jahre rissig und spröde, was wiederum dazu führt, dass sie nicht mehr stramm auf den Displays sitzen und dadurch keinen hundertprozentigen Schutz bieten.

Vor dem ersten Törn steht das große Reinemachen an. Je aufgeräumter das Cockpit, desto besser © Silke Springer

Säuberungsaktion

Das Reinigen der planen Deck- und Cockpitflächen sollte eigentlich erledigt sein, bevor das Schiff ins Wasser kommt, denn es zählt zu den selbstverständlichen Winterüberholungsarbeiten. Mit der Säuberung schwierig erreichbarer Stauräume verhält es sich oftmals anders. Man schiebt das Auf- und Ausräumen gern vor sich her, obwohl klar ist, dass man sich später in der Saison ärgern wird, wenn immer wieder dieselbe herrenlose Schraube oder derselbe leere Kuli auf den Cockpitboden purzelt, sobald man ein Fall aus der Fallen-Tasche zieht oder die Sonnenbrille aus dem Schwalbennest holt.

Klar ist: Eine Fallentasche lässt sich mit wenigen Handgriffen leeren und reinigen, man muss nur daran denken und sich einen kleinen Ruck geben. Dasselbe gilt für Winschkurbeltaschen, wobei deren Säuberung etwas schwieriger ist, denn sie sind lang, eng und meistens festmontiert. Doch wer einen Handstaubsauger besitzt, nimmt ihn kurzerhand mit zum Schiff. Der Staubsauger kann gleich auch noch zum Saubermachen von Backskisten, Ankerkästen, Schwalbennestern etc. benutzt werden. Wo er nicht hinkommt, wird gewischt.

Die Rollanlage kann bei vielen Modellen recht einfach gefettet werden © Silke Springer

Fehlt was?

Durchschauen der Decksausrüstung und Reinigen versteckter Ecken sorgen zwangsläufig dafür, dass man feststellt, was fehlt, was ersetzt, was neu angeschafft oder als Reserve mitgenommen werden muss.

Es beginnt mit Ausrüstungsteilen, die unbedingt an Bord sein sollten, darunter fallen Ersatzschäkel, Tape, Schwamm und Ersatzwinschkurbel, und endet mit Dingen, die das Bordleben erleichtern, aber nicht zwingend notwendig sind – wie Poliermittel und Polierpads, mit denen sich auf die Schnelle Streifen von z. B. schwarzen Schuhen oder kleine Macken beseitigen lassen.

Abhängig von der Größe der Yacht und dem Perfektionsgrad seiner Eigner ist die Liste der nützlichen Reserveteile kurz oder sehr, sehr lang.

Die weißen Kunststoffkappen schützen die Wantenspanner. Ein Abkleben der Splinte ist nicht nötig © Silke Springer

DECK-CHECK-LISTE

Wanten und Stagen

  • Sind die Kontermuttern aller Wantenspanner angezogen?
  • Ist das Vorstag gesichert (mit oder ohne Rollanlage)?
  • Ist das Achterstag (sofern vorhanden) gesichert?
  • Wurden die Kanten der Wantenspanner abgetaped oder Wantenspanner-Schoner darüber gezogen?
  • Sind alle Splinte (von u. a. von Fallen-Umlenkblöcken, Großschot-Fußblöcken, Schnapp-Blöcken für die Gennakerschoten) kontrolliert und gegebenenfalls abgetaped?

Tauwerks-Kontrolle

  • Travellerleine für die Großschot
  • Travellerleine für stufenlos verstellbare Fockholepunkte
  • Baumniederholer
  • Beiholer / Barberholer
  • Cunningham
  • Achterstag, falls mit Tauwerk kombiniert
  • Aufholleine für die klappbare Badeplattform

Reling und Ausreitgurte

  • Durchsicht des Reling-Drahts auf Kinken und austretenden Litzen;
  • alternativ: Durchsicht des Dyneema-Reling-Tampens;
  • alternativ: Check des Gurtbandes und seiner Befestigungs-Bändsel
  • Kontrolle der Sicherungsleine zum Einpicken des Lifebelts
  • Bei Ausreitgurten: Bändsel und Knoten überprüfen

Beschlags-Durchsicht

  • Schäkel (krumm, Gewinde vergniedelt?)
  • Karabiner, Patentschäkel, Pelikanhaken (schließen sie exakt?)
  • Curryklemmen (schnappen die Backen gleichmäßig zu?)
  • Schotklemmen (sind sie noch „bissig“?)
  • Fallenstopper (alle Hebel intakt?)
  • Blöcke (voll funktionstüchtig?)
  • Stopper für Fockschottraveller (leichtgängig?)
  • Spibaum-Beschläge (leichtgängig?)
  • Winschen (leichtgängiger Lauf?)
  • Rolltrommeln /-anlagen (Aufrollleine klariert?)

Instrumente und Zubehör

  • Navi-, Kartenplotter, Antennen (äußere Schäden?)
  • Bedienpaneel (intakt?)
  • Alle Abdeckhauben (ohne Risse und Bruchkanten?)

Reinigung der Stauräume

  • Fallen- und Schotentaschen
  • Winschkurbeltaschen
  • Backskisten
  • Ankerkasten
  • Schwalbennester

Reserve-Decksausrüstung

  • Schäkel
  • Bolzen
  • Splinte
  • Winschkurbel
  • Tape
  • Bändsel unterschiedlicher Länge und Dicke

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