Geisterschiff: Aufgegebene Swan 48 “Wolfhound” driftet weiter vor Bermuda

Treib(t)gut

Die Crew der “Wolfhound” wurde in einem Sturm vor den Bermudas abgeborgen, nachdem die Elektrik an Bord ausgefallen war. Neun Wochen nach der Rettungsaktion ist das Schiff gesichtet worden. Kann ein Bergungsversuch Erfolg haben?

Ein Seemann auf einem nahe vorbei fahrenden Handelsschiff fotografierte die unbemannte Swan 48 „Wolfhound“. Die Yacht trieb südlich der Bermuda Inseln in Richtung Sargassosee. Es befindet sich offenbar  in einem für die Umstände erstaunlich guten Zustand.

Die Wasserlinie des Rumpfes ist deutlich sichtbar, es kann also noch nicht viel Wasser ins Schiff eingedrungen sein. Das vom Baum herab hängende Groß scheint für einen gewissen Vortrieb zu sorgen und dreht die Yacht wohl bei stärkerem Wind verlässlich in den Wind. Interessant: Der als anfällig geltende Karbonmast der Swan 48 steht noch, obwohl das Schiff mittlerweile mindestens drei Stürme abwettern musste. Sogar der Vorstag ist gebrochen und hängt gut sichtbar zwischen den beiden Salingen. Aber offensichtlich kommt die „Wolfhound“ alleine damit immer noch besser zurecht, als mit lästiger Crew.

Seenot, Abbergen, führerlose Yacht

So sah die Swan 48 aus, bevor sie alleine weitermachte © swan

Nur auf GPS verlassen

Im Februar sollte die Yacht von Connecticut/US-Ostküste zu den 640 sm entfernten Bermudas überführt werden. Die vierköpfige Crew inkl. des irischen Eigners Alan MacGettigan segelte bei Minus 8 ° C. und Treibeis los, wollte ein vermeintlich günstiges Wetterfenster für die ca. achttägige Überfahrt nutzen.

Doch nachdem die „Wolfhound“ mehr als ein Jahr an Land gelegen hatte und offensichtlich nicht fachmännisch für den als äußerst diffizil geltenden Törn fit gemacht worden war, häuften sich alarmierende Vorzeichen für eine nahende Katastrophe. Am dritten Tag gab die Elektrik ihren Geist auf, am vierten Tag der (bis dahin wegen der Kälte oft mitlaufende) Motor. Ein mobiles GPS-Gerät verabschiedete sich mit leerem Akku am nächsten Tag und zuletzt navigierte die Crew mit Hilfe eine IPads, der noch 20% Akkuladung aufwies.

Als zudem ein schwerer Sturm seine Bahn änderte und (nach „Murphys Logik“)  auf die „Wolfhound“ zuhielt, löste der Skipper sein EPIRB aus. Die anstehende Anfahrt durch den riffverseuchten „St. Georges Channel“ wollte MacGettigan nicht riskieren – neben elektronischen waren offenbar keine anderen Navigationshilfen an Bord oder es konnte sie keiner nutzen.

Seenot, Abbergen, führerlose Yacht

Die Crew der Wolfshound, rechts der Skipper © privat

Riskante Rettung

Für die Rettung traf zuerst ein unbeladener Frachter bei der „Wolfhound“ ein. Der stampfte allerdings mangels Tiefgang in der See und wollte die Übernahme der in Seenot geratenen Männer nicht riskieren. Stunden später erreichte ein griechisches, voll beladenes Handelsschiff die Swan 48 und übernahm in einer riskanten Aktion die Crew: Jeder Mann wurde mittels eines um den Leib geschlungenen Tampens an Bord gehievt. Die „Wolfhound“ wurde als treibendes Hindernis auf das Meer entlassen.

Die Moral von der G’schicht? Eigentlich gibt es zwei:

  1. Wer sich nur auf elektronische Navigation verlässt, darf sich über die Tücken der Technik nicht wundern.
  2. Yachten haben nicht nur eine Seele, sondern auch einen ausgeprägten Überlebenswillen!

Bleibt nur die Feststellung: Irgendwo da draußen treibt nun eine ziemlich teure Swan. Wer sie findet und zur Küste bringt, kann zumindest mit einem gewissen Bergelohn rechnen. Doch wie findet man die Nadel im Heuhaufen? Das Foto wurde 800 sm südöstlich der Bermudas aufgenommen. Es gibt viele Strömungen in alle möglichen Richtungen dort. Aber vielleicht funktioniert ja “Murphys Law” auch mal umgekehrt: Wenn sich zwei Punkte auf hoher See treffen sollen, dann treffen sie sich auch.

Tipp: SR-Leser Manfred Schreiber

 

 

 

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Michael Kunst

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5 Kommentare zu „Geisterschiff: Aufgegebene Swan 48 “Wolfhound” driftet weiter vor Bermuda“

  1. avatar Immanuel sagt:

    Ein Bergungsversuch wird Erfolg haben!

    Ist das Boot einmal geortet, sollte eine vorbereitete Crew keine Probleme haben den Kahn in den nächsten Hafen, wo immer dieser sein sollte zu segeln. Mit entsprechendem Material sollte das Vorstag benutzbar gemacht werden können, das Groß wird wohl nicht mehr viel hergeben aber man kann ja eine alternative mitbringen.

    Ich selber habe mal eine Knierim ohne Ruder vom Atlantik abgeborgen, gut vorbereitet mit selbstentwickeltem Bausatz. Wenn die Amis noch jemanden suchen, bitte melden!

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 9 Daumen runter 9

  2. avatar Wilfried sagt:

    da fragt man sich sofort warum nicht einfach ein paar Satz Batterien und ein GPS übergeben wurden? !.
    So schnell würde ich ein Schiff nicht aufgeben,

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 12 Daumen runter 0

  3. avatar SR-Fan sagt:

    Ja mei, die Amis. Auf der einen Seite wollen sie die Welt beherrschen und auf der anderen Seite müssen es aber ausgetretene Pfade sein 😉

    Hat was von. “Mist Reifen kaputt. Ich bestell nen Taxi und lass das Auto vom ADAC heimfahren”

    VG

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  4. avatar Marcus Mattis sagt:

    Segler zu bashen, die im Sturm Probleme bekommen haben, zeugt fast immer von mangelnder Phantasie und / oder seemannschaftlicher Sachkenntnis des Autors, siehe allerlei journalistische Verbalattacken auf die ach so unseemännisch agierenden Volvo- / Vendée-Globe-Segler.

    Dennoch kann ich mich einigen Kopfschüttelns nicht erwehren…
    – 640sm / Swan 48 / ca. achttägige Überfahrt. Finde nur ich das komisch?
    – Ein (!) mobiles GPS ohne Ersatz-Batterien?
    – Entweder, die Elektrik ist ausgefallen, oder ich merke, dass ein schwerer Sturm seine Bahn ändert!

    Fazit: Lasst uns daraus lernen. Solche Rettungsaktionen gehen, siehe Segelreporter, ja auch schnell mal tödlich aus.

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