Gestorben: Christoph Rassy – Legendärer Hallberg-Rassy-Gründer

Ein Bayer in Schweden

Christoph Rassy ist heute im Alter von 87 Jahren nach kurzer Krankheit verstorben. Der am Starnberger See aufgewachsene Gründer der schwedischen Hallberg-Rassy-Werft ist eine Legende.

Christoph Rassy. © Hallberg Rassy

Die Segelgemeinde tauert um Christoph Rassy, den deutschen Bootsbauer, der nach seiner Werftgründung in Schweden den modernen Yachtbau wie kaum ein anderer geprägt hat. Er war einer der Pioniere im Kunststoffserienbau und revolutionierte damit die Branche.

Sein Weg nach Schweden war weit. Denn er wuchs am Starnberger See auf lernte zunächst den Beruf des Glasers. Aber die Nähe zum Wasser nährte den Wunsch, Boote bauen zu wollen und so ging er bei einer Werft am Bodensee in die Lehre. Die Leidenschaft, größere Yachten bauen zu wollen, ließ ihn Bewerbungen nach Skandinavien senden und so kam er 1960 kam er mit seinem Fahrrad im schwedischen Nötesund an.

Tagsüber baute er Boote auf der Werft, in seiner Freizeit schraubte er an einem eigenen Boot. Er segelte damit erfolgreich Regatten und verkaufte es mit Gewinn. Es war die Basis für seine Selbständigkeit 1964. Die ersten zwei Yachten entstanden komplett aus Mahagoni und erforderten je ein Jahr Bauzeit.

Pionier im Kunstsstoff-Yachtbau

Der Durchbruch gelang Rassy aber mit der Fahrtenyacht Rasmus 35, die für damalige Zeiten als revolutionär galt, auch weil sie aus Kuststoff gefertigt wurde. Es war ein Blauwassersegler mit kräftigem Motor und schützender Windschutzscheibe. Von 1967 bis 1978 wurden insgesamt 760 Einheiten gebaut. Damit wurde der Werftgründer zu einem der Pioniere im Kunststoffserienbau.

Die Rasmus 35 © HR

Einer der großen Konkurrenten in Schweden war Harry Hallberg, der sich einen Namen damit machte GFK-Rümpfe mit Holzaufbau zu fertigen. 1972 wollte er aus Altersgründen aufhören und suchte einen Käufer. Rassy schlug zu, weil er nach einer Möglichkeit zur Expansion suchte. Er beließ den Namen Hallberg im Namen weiterleben, weil die Werft international bekannter war als seine eigene Rassy-Werft.

Das erste neue Design unter dem Namen Hallberg-Rassy war die Monsun 31. Sie wurde 1973 gezeichnet und bis 1982 wurden 904 Mal gebaut. Die Erfolgsgeschichte schrieb sich weiter. Hallberg-Rassy entwickelte sich als Synonym für solide, hochwertige Bauweise, Seetüchtigkeit, Komfort, Sicherheit und Wertbeständigkeit aber auch gute Segeleigenschaften. Markenzeichen ist auch das Mittelcockpit.

Rassy übergibt an Sohn Magnus

Christoph Rassy führte seine Werft bis 2003. Dann übernahm sein Sohn Magnus. Kurz nach seinem 70 Geburtstag ging der der Werftgründer auf Segeltörn. Er startete eine zweijährige Weltreise im Rahmen der Blue Water Rally.

Es sah aus wie eine Therapie, um endgültig Abstand von seinem Lebenswerk zu gewinnen. Aber das wies Rassy damals als Motivation für den Blauwassertörn entschieden zurück. Vielmehr sagt er: „Ich wollte nie der Alte sein, der seinem Jungen ständig im Nacken sitzt.“ Es sei auch nie die Erfüllung eines Lebenstraumes gewesen. Er habe das relativ spontan entschieden. „Ich hatte das Boot und die Zeit. Warum also nicht?“

Kaum ein Jahr ist es her, dass Christoph Rassy von dem Branchenverband International Boat Industry IBI und der Metstrade mit dem “Lifetime Achievement Award” für sein Lebenswerk geehrt wurde.

Die Werft Hallberg-Rassy befindet sich immer noch in Familienbesitz und Familienführung. Seit fast 19 Jahren ist Magnus Rassy Geschäftsführer und Eigner der Hallberg-Rassy-Gruppe.

Die Familie und viele zufriedene Hallberg-Rassy-Kunden trauent um einen der großen Visionäre der Branche.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

Ein Kommentar „Gestorben: Christoph Rassy – Legendärer Hallberg-Rassy-Gründer“

  1. avatar Gerhard Stolzewski sagt:

    Er hat Träume verwirklicht. Ich habe nie eins seiner Boote besessen, aber für mich zählen sie zu den besten und schönsten Serienyachten Europas.
    Wünschen wir seinem Sohn Magnus eine ebenso glückliche Hand.

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