Gestorben: Mit Lowell North geht einer der Großen – Ein Name

"Er war etwas Besonderes"

Lowell North, Gründer der gleichnamigen Segelmacher-Firma, ist in Kalifornien verstorben. Sein Name hat mehrere Segel-Generationen geprägt. Er steht für Erfolg.

North bei einem seiner WM Triumphe als Steuermann. © North Sails

North Sails ist eine Marke, die im Segelmacher-Business einen Ruf wie Donnerhall genießt. Man könnte denken, es handelt sich um einen Kunstbegriff, entstanden in den Köpfen einer klugen Marketing-Abteilung, die einen Hauch von Fernweh entwickeln wollte. Mit uns segeln sie, weit weit weg bis in den hohen Norden.

Dabei handelt es sich nur um einen ganz normalen Nachnamen. Dem von Lowell North, einem extrem guten Segler aus dem kalifornischen Point Loma, der seiner Zeit ziemlich weit voraus war. North war quasi das US-Gegenstück von Paul Elvström, ein Mann der sich für seine außerordentlichen Segelerfolge Wissen im Selgemacher-Handwerk erwarb, und es in Sieg ummünzte.

Lowell North

Lowell North in jüngeren Jahren. © North Sails

North gewann im Starboot eine olympische Goldmedaille (1968) und fünf Weltmeisterschaften (einmal als Vorschoter) und dazu einmal Olympia-Bronze an der Drachen-Vorschot (1964). Zweimal musste er sich bei der WM dem ein Jahr jüngeren Elvström geschlagen geben.

Im Alter von 89 Jahren

Mit North ist drei Jahre nach dem Dänen (Nachruf) nun ein weiterer der ganz großen Segler abgetreten. Nach einem Schlaganfall starb er am Sonntag Abend in seinem Haus in Point Loma im Alter von 89 Jahren.

Lowell North

Szenen eines Segel-Lebens. © North Sails

Malin Burnham, der als 17-Jähriger den 15-Jährigen an seine Starboot-Vorschot holte und 1945 mit ihm WM-Gold gewann, sagt bei AP über den Freund: “Er hat das Leben vieler Menschen beeinflusst, wenn man bedenkt, was er im Segeln erreicht hat. Daneben war er der Inbegriff für Höflichkeit. Ich habe ihn nie verärgert oder beim Streiten gesehen. Er blieb immer ruhig, locker und entspannt. Er war ein großartiger Zuhörer. Wir müssen uns in dieser Welt nicht immer einig sein, aber vielleicht können wir etwas lernen, wenn wir nur zuhören. Lowell war diese Art von Mensch. Er war etwas Besonderes.”

North, der von seinen jüngeren Freunden “Der Papst” genannt wurde, begann schon mit 14 Jahren seine Segelmacher-Karriere, als sein Vater ein Starboot mit Baumwollsegeln kaufte. Das Vater-Sohn-Team kam in jedem Rennen als letzter ins Ziel und das war für den jungen Lowell der Antrieb, hinter das Geheimnis eins schnellen Großsegels zu kommen. Er modifizierte mehrfach den Schnitt und war schließlich erfolgreich.

Mit Ingenieur-Wissen zum Erfolg

Im Scherz führt er auch sein Engagement an Bord von Burnhams Star auf diese Kunstfertigkeit zurück. Der habe nicht wirklich ihn als Mitsegler haben wollen, sondern sein Großsegel.

Lowell North hielt sich lange fit und segelt bis ins hohe Alter. © North Sails

1957 eröffnete North nach dem Abschluss eines Studiums der Ingenieurwissenschaften seine erste eigene Segelmacherei in San Diego. Er ließ sein Ingenieur-Wissen in den Bau der Segel einfließen, und sein methodischer und wissenschaftlicher Ansatz bei der Herstellung veränderte die Branche nachhaltig.

Die ersten Stoffproben Tests scheinen auf den ersten Blick zwar noch nicht ganz so wissenschaftlich, aber sie zeigen die Denke des großen Meisters, mit der er erfolgreich war. North befestigte Tücher an der Antenne seines Autos und dokumentierte, wie lange sie im Wind flattern konnten bis sich die Qualität verschlechterte. Später baute der Ingenieur eine Maschine, die den Flattertest simulieren konnte.

Kreativität und Wettbewerbsgeist

Seine Produkte waren gut und erfolgreich. Aber besonders die Idee, gute Segler einzustellen, und sie selber mit North Segeln Spitzenresultate erreichen zu lassen und sie in den Verkauf einzubinden, funktionierte so gut, dass sie noch heute als wichtiges Prinzip von North Sails fortgeführt wird.

Als North 1984 in den Ruhestand ging und seine Segelmacherei verkaufte, war die Firma die größte ihrer Art in der Welt. Tom Whidden (71) heute Präsident und CEO der North Technology Group sagt über den Gründer: “Seine Kreativität und sein Wettbewerbsgeist treiben North Sails auch heute noch voran – auch wenn das Unternehmen Gebiete erkundet, die er sich nie hätte vorstellen können.”

Eine besondere Verbindung hatte North zum America’s Cup. Dennis Conner war der Erste, der die Segel für den Cup-Gewinn 1980 einsetzte. Im Jahr 2007, dem 50-jährigen Jubiläum von North Sails, benutzten 11 der 12 im America’s Cup vertretenen Syndikate Segel von North.

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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