Gesunken: Figaro 3 kollidiert mit unbeleuchter Kardinaltonne – Blieb er mit dem Foil hängen?

Auf Tiefe

Die Figaro-Segler gehören zu den erfahrensten Offshore-Profis der Welt. Aber das schützt offenbar nicht vor haarsträubenden Navigationsfehlern. Der Zuammenstoß mit einer Gefahrentonne führte zum Yacht-Verlust.

Corentin Douguet (45) hat vor wenigen Wochen mit Platz vier bei der wichtigsten französischen Hochsee-Einhand-Regatta Solitaire Urgo Le Figaro einen der größten Erfolge seiner Segel-Laufbahn gefeiert. Er zeigte damit, dass er die neuen Figaro 3 Yachten von Bénéteau auf Anhieb beherrscht und gegen die besten Einhand-Skipper der Welt besteht.

Aber nun steht er vor einem Scherbenhaufen. Denn anstatt weitere Erfolge mit dem neuen, einheitlichen Bootstyp zu feiern, ruht das Schiff auf dem Meeresgrund. Sein Co-Skipper Christian Ponthieu informierte ihn darüber, dass “NF Habitat” verlustig gegangen ist.

Figaro 3 sinkt

Der Moment des Absackens von “NF Habitat”. Das Großsegel ist noch gesetzt© SNSM Aber Wrac’h

Douguet konnte sich auch selber im Netz davon überzeugen. Die Rettungskäfte veröffentlichten ein Video von der sinkenden Yacht. Es ging vor Aber-Wrac’h bei Brest auf Grund.

Figaro 3 sinkt

Die Figaro 3 geht auf Tiefe. © SNSM Aber Wrac’h

 

Das Schiff war auf dem Weg nach Saint-Quay-Portrieux, dem Starthafen für die nächste wichtige Zweihandregatta in der Bretagne. Der Prolog beginnt am Freitag, der Start zur ersten Etappe erfolgt am Samstag.

Ort des Unfalls an der Kardinaltonne, die westlich einer Untiefe plaziert ist.

Kardinaltonne

Die Kardinaltonne Basse Paupian

Aber am Montagmorgen knallte “NF Habitat” gegen die unbeleuchtete Kardinalboje “Basse Paupian”. Sofort erfolgte ein Wassereinbruch. Die beiden an Bord befindlichen Segler, Ponthieu und der Préparateur des Bootes, schlugen Alarm und setzten die SNSM-Seenotrettung über ihr Lage in Kenntnis. Aber die Klassenkollegen Tom Laperche und Ronan Treussart, die gleichzeitig ihr Schiff überführten, waren zuerst am Unglücksort.

Sie versuchten, die leckgeschlagene Yacht in seichtere Gewässer zu schleppen, aber schließlich sank der 175.000 Euro teure Racer um 11:20 Uhr am Eingang zum Aber-Wrac’h-Kanal.

Christian Ponthieu erzählt, wie es zu dem Unglück gekommen ist: “Um etwa 6 Uhr morgens, als es noch dunkel war, kollidierten wir mit der unbeleuchteten Kardinaltonne. Wir überprüften das Boot sofort auf größere Schäden, konnten aber kein großes Leck erkennen.  Dennoch füllte sich das Schiff sehr mit Wasser gefüllt. Wir hatten keine Zeit, die Pumpen in Betrieb zu nehmen da die Batterien bereits geflutet waren. Wir konnten gerade noch unsere Kollegen von der “CMB Espoir” darüber berichten, dass wir Wasser aufnehmen.

Sie drehten sofort um, wie auch eine zweite Figaro des Teams CMB. Als das Boot so schnell absackte, beschlossen wir, in die Rettungsinsel zu steigen. Wir blieben in der Nähe unserer Yacht, die sich noch mit dem Deck über Wasser hielt. Dann kam das Rettungsboot der SNSM und wir versuchten mehrmals, das Boot abschleppen. Schließlich sank es aber kurz vor dem Hafen von Aber Wrac’h.” Die Retter markiert die Stelle mit einer Boje.”  “NF Habitat” liegt nun auf 15 Metern Tiefe.

Wie genau es zu der Kollision gekommen ist, haben die Beteiligten bisher nicht erklärt. Dabei steht auch die Frage im Raum, wie der  Zusammenstoß zu einem Leck einer Größe geführt hat, die ein solch schnelles Absinken verursachen konnt. Hat es mit der neuartigen Foil-Konstruktion zu tun? Bei der Figaro 3 ragen die Tragflächen oben aus dem Rumpf und biegen sich dann nach unten.

Figaro 3, Foils

So sind die Tragflächen bei der Figaro 3 angebracht. © Figaro class

Ist eine Tragfläche an der Tonne hängengeblieben und hat dann den Rumpf aufgerissen? Der Skipper Corentin Douguet glaubt das nicht. Dann wäre ein Loch relativ weit oben am Rumpf auf Höhe des Foil-Austritts entstanden und es hätte dort kaum einen Wassereinbruch gegeben. Vermutlich hat eher der Sockel der Boje ein Leck unter der Wasserlinie verursacht.

Genaue Untersuchungen werden aber erst erfolgen, wenn das Schiff genauer inspiziert werden kann. Die Bergung ist allerdings nicht einfach. Starke Strömungen behindern das Unternehmen. Taucher müssen das Schiff erst einmal wiederfinden.

 

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Carsten Kemmling

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4 Kommentare zu „Gesunken: Figaro 3 kollidiert mit unbeleuchter Kardinaltonne – Blieb er mit dem Foil hängen?“

  1. avatar Sven 14Footer sagt:

    Das zeigt mir: Eine Bilgepumpe mit automatischen Schwimmerschalter in der Bilge / nahe den Batterien ist absolut sinnvoll.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 9 Daumen runter 3

  2. avatar Waterman sagt:

    … und und an was für eine Hochleistungsfeuerwehrpumpe denkst Du da ? Nee, eine normale Bilgpumpe ist da gnadenlos überfordert. Letztendlich gewinnt das Senkblei fast immer. Das ist eben der Unterschied gegenüber einem Multi den man zwar auf den Kopf drehen kann (s.o.), der aber nicht absäuft.

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  3. avatar waterman 2000 sagt:

    … und und an was für eine Hochleistungsfeuerwehrpumpe denkst Du da ? Nee, eine normale Bilgpumpe ist da gnadenlos überfordert. Letztendlich gewinnt das Senkblei fast immer. Das ist eben der Unterschied gegenüber einem Multi den man zwar auf den Kopf drehen kann (s.o.), der aber nicht absäuft.

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