GPS: Ältere Geräte können durch Rollover-Effekt ausfallen – Stichtag 6. April!

Zurück in die Zukunft

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GPS-Satellit der dritten Generation © NASA

Es könnte kritisch werden, muss aber nicht: Wie einst beim Millenium-Bug bringt der Rollover-Effekt Unsicherheit für Nutzer älterer GPS-Geräte. 

Viele werden sich noch an den Millenium-Bug (gerne auch Y2K genannt) oder schlicht das Jahr 2000-Problem erinnern. Zur Jahrtausendwende wurde selbst von gestandenen Wissenschaftlern und Informatikern ein düsteres Szenario gezeichnet. Nein, die Rede ist nicht vom Weltuntergang (der wurde damals von diversen Sekten prognostiziert), sondern von einem digitalen Problem, das im Jahreswechsel von 1999 auf das Jahr 2000 vermutet wurde. 

Aufgrund von Speicherplatzmangel hatte man in den Anfängen des digitalen Zeitalters sehr häufig nur die letzten zwei Ziffern für Jahresangaben verwendet. Es wurde befürchtet, dass vor allem ältere Geräte mit dem Jahres-Sprung von 99 auf 00 sozusagen die Orientierung in ihrem Zeitgefüge verlieren und alle Berechnungen erneut ganz von vorne beginnen könnten. Oder die Systeme sich desorientiert gleich abschalten würden. 

Ein Szenario, von dem wir heute wissen, dass es so nicht mal im Ansatz eingetreten ist – das allerdings rein theoretisch durchaus im Bereich des Möglichen lag. 

Ende der Woche 1.023

Ähnliches erwartet nun die Nutzer älterer GPS-Geräte am 6. April 2019. Jedoch geht man mit den Super-GAU-Befürchtungen mittlerweile etwas zurückhaltender um. 

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Konstellation der GPS-Satelliten © wikipedia

Wie die offizielle GPS- Informationsseite der US-Regierung und das US-amerikanische „Homeland Security Department“ warnen, KÖNNTE es bei älteren GPS-Geräten ab dem 6. April zu einem Totalausfall der Ortsbestimmung kommen. Unangenehm, wenn man dann gerade durch den Ärmelkanal kreuzt oder bei Nebel die Hafeneinfahrt per GPS anpeilt. 

Hintergrund ist der sogenannte „Rollover-Effekt“. GPS-Signale enthalten eine Art „Zeitstempel“, mit dem die aktuelle Woche in eine Variable übertragen wird. Diese Variable wiederum umfasst 10 Bit oder 1.024 Wochen: Nach 20 Jahren, am Ende der 1.023igsten Woche, beginnt die Zählerei also wieder von vorne oder wird neudeutsch „genullt“.

Da die US-amerikanische Woche bereits Sonntag beginnt, wird dieser Wechsel in der Nacht von Samstag, 6.4. auf Sonntag 7.4. 2019 stattfinden. 

Die erste GPS-Woche startete am 6.1. 1980, der erste Roll-Over-Effekt trat demnach am 21.8. 1999 ein. Übrigens ohne nennenswerte Folgen. 

Dennoch sollten Nutzer älterer GPS-Geräte (Herstellungsjahr vor 2010) sich beim Hersteller erkundigen, ob es zu Problemen mit dem anstehenden Rollover-Effekt kommen könnte. Firmware-Updates können hier Abhilfe schaffen oder sind diesbezüglich bereits aktiv geworden – vorausgesetzt, das GPS-Gerät kam in der Vergangenheit in den Genuss eines Updates. 

Reise in die Neunziger

Ratsam ist ein entsprechendes Firmware-Update bzw. eine Überprüfung in Bezug auf etwaige Probleme mit dem alten GPS-Gerät vor allem dann, wenn man zum genannten Zeitpunkt auf See in kritische Situationen geraten könnte. Zudem wird empfohlen, ältere GPS-Geräte nach dem Wochenwechsel auf ihre Genauigkeit zu überprüfen (Vergleich mit neuen Geräten). Es wird vermutet, dass manche Geräte aufgrund einer „Reise in die 1990-Jahre“ das Datum nicht mehr korrekt berechnen können. Und da ältere GPS-Produkte häufig das Datum in ihre GPS-Positionsbestimmung mit einbeziehen (was nach heutigen Standards unnötig ist), drohen rein theoretisch sogar Totalausfälle. 

Oder doch lieber gleich auf die gute alte Weise navigieren? Peyron übt mit seinem Sextant. © RdR

Übrigens wird das GPS-Signal in naher Zukunft bereits eine neue Struktur erhalten. Dann umfassen die neuen Message-Typen MNAV und CNAV 13 Bit. Was den nächsten Rollover-Effekt in ferne Zukunft rückt: erst nach 8.192 Wochen, also nach über 150 Jahren, wäre es wieder soweit.

Tipp: André Mayer

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Michael Kunst

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