GPS-Spoofing: Yacht unbemerkt vom Kurs abgebracht

Neue Geißel der Seefahrt?

Im Praxistest: Korrektes GPS-Signal wird auf hoher See von Angreifer-Signal überlagert. Neuer Kurs wurde von Besatzung nicht bemerkt.

Spätestens seit dem James-Bond-Thriller „Der Morgen stirbt nie“ ist die Methode als solche einem breiten Publikum bekannt: Ein britisches Kriegsschiff (die Guten!) wurde mittels gefälschter GPS-Signale in chinesische Hoheitsgewässer gelockt (die Bösen!) und dort versenkt. Schöne Action, aber letztendlich doch alles Science Fiction?

Keineswegs, denn Spoofing (= Manipulation, Vortäuschung, Verschleierung) wird im IT-Bereich etwa beim IP-Anschluss-Klau oder bei militärischen Aktionen bereits seit Längerem angewendet, galt aber als sehr aufwändig und entsprechend teuer in der korrekten Ausführung.

Kleine Täuschung, große Auswirkung

Im Prinzip wird beim GPS-Spoofing nichts anderes als ein überlagerndes Störsignal ausgesendet, das das korrekte NAVSTAR-GPS-Signal vollständig imitiert.

Durch diese „Täuschung“ können etwa Schiffe und Flugzeuge, die zum größten Teil halbautomatisch unterwegs sind, auf hoher See oder im Luftraum zu Kursabweichungen gebracht werden, die sich auf Dauer bzw. Strecke fatal auswirken und von der Besatzung schlicht nicht bemerkt werden können.

Hört sich nach typischem Geheimdienst-Hightech-Abhörgedöns an, von dem wir ja derzeit sowieso schon alle genug haben?

Stimmt auch, zumindest bis gestern. Da veröffentlichten nämlich Studenten einer Forschungsgruppe der Uni Texas, dass sie im Juni eine Luxusyacht im Mittelmeerraum mittels GPS-Spoofing tatsächlich unbemerkt vom Kurs abgebracht und somit zumindest im Ansatz entführt haben. Mit geringstem technischen und finanziellen Aufwand.

GPS, Spoofing

“Auf neuen Kurs gebracht” © uni texas

Unbemerkt auf neuem Kurs

Die Yacht war auf der Fahrt von Monaco nach Rhodos, als das automatische Steuerungssystem „überlistet“ und leichte Kursänderungen vorgenommen wurden. Da diese Abweichungen bald wieder zu einem nahezu parallel verlaufenden „neuen“ Kurs führten, wäre die Besatzung wohl noch nicht einmal durch den Blick auf einen herkömmlichen Kompass misstrauisch geworden…

Die Überlagerung der GPS-Daten gelang mit einem kleinen Sender, der problemlos an Bord versteckt werden kann (etwa im Gepäck von Mitreisenden); ein offenbar auf der Yacht installiertes Alarmsystem für Kursabweichungen wurde durch „sanftes“, schrittweise Überlagern der GPS-Signale überlistet (Simulieren von Korrekturen einer vom System registrierten Kursabweichung)

Dem gleichen Forschungsteam der Uni Texas ist es übrigens vor einem Jahr gelungen, eine militärische Drohne von ihrem Kurs abzubringen, ohne dass dies in der Marines-Leitzentrale bemerkt wurde.

Neue Geisel auf See?

Die Texas-Forschungsgruppe möchte mit diesen Aktionen darauf aufmerksam machen, dass Spoofing heutzutage technisch problemlos möglich ist und somit eine echte Gefahr darstellt. Die BBC strahlte im vergangenen Jahr eine Sendung zu diesem Thema aus, in der sie die Kosten für technisch hochwertiges Spoofing auf ca. 1.000 US-Dollar bezifferte.

Womit wir bei den Einsatzmöglichkeiten von GPS-Spoofing wären. Nicht auszudenken was passieren würde, wenn etwa einer unter den Hunderten von Tankern, die täglich durch die Meerengen unserer Ozeane schippern, an einem Schlechtwettertag mit miserabler Sicht auf eine falsche Route geschickt würde. Oder eben teure Superyachten nicht mehr von Piraten in schnellen Zodiacs verfolgt werden müssten, sondern ganz simpel, bis zuletzt unbemerkt, in ihre „Arme“ gesteuert werden…

Doch es gibt bereits Lösungsansätze für diese Problematik: GPS-Antennen, die ausschließlich Signale von oben, also von den Satelliten, empfangen. Alle Signale, die „quer“ oder von „unten“ eintreffen, könnten dann als „feindlich“ geortet werden.  Dennoch: ein Thema, das ein ziemlich ungutes Gefühl hinterlässt.

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Michael Kunst

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Ein Kommentar „GPS-Spoofing: Yacht unbemerkt vom Kurs abgebracht“

  1. avatar hurgahmann sagt:

    Meintest du eine Geißel der Seefahrt? Oder die Seefahrt als Geisel?
    Wie dem auch sei, ist es nur eine Frage der Zeit bis jemand mal ein Frachtschiff auf Grund lenkt.
    Mann kann nur hoffen das dieses nicht im Englischen Kanal passiert, da dürfte der Flurschaden erheblich sein.
    Das sich an Bord blind auf die System verlassen wird, ist ja kein Geheimniss, auch dass mehr auf Computerschirme als aus dem Fenster geschaut wird ist eher die Norm als die Aussnahme.
    Gerade am 15.7. lief die EMPIRE auf das Österev auf, obwohl sie 15 Minuten vorher von der entgegenkommenden COLOR FANTASY über UKW gewarnt wurden, dass sie in 15 Minuten auflaufen werden, auch ein Dänscher Lotse wollte über Kanal 16 noch eingreifen aber beiden wurde von Bord beschieden, dass alles ok sei.
    Später gab die Besatzung an, ihr GPS sei ausgefallen……………………….

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 9 Daumen runter 1

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