Größenwahn: 106-Meter-Megayacht unter Segeln – längste Segelyacht der Welt?

Perlen für die Russen

Nach „SY A“ ist nun die nächste Megayacht (höchstwahrscheinlich) an einen Russen ausgeliefert werden. Der ließ sein “dramatisch schönes” Schmuckstück auf den Namen „Black Pearl“ taufen. Deja vu?

Dass Geschmäcker verschieden sind, brauchen wir an dieser Stelle nicht extra erwähnen. So ist beispielsweise offensichtlich, dass die von Philippe Starck gezeichnete und kürzlich in Kiel fertiggestellte „Sailing Yacht A“ nicht jedermanns ästhetisches Empfinden positiv berührte. Anders ausgedrückt: Vor allem formenverliebte Segler bezeichneten das „Monstrum aus Kiel“ gerne mit potthässlich.

Die Superyacht “Black Pearl” bei den en ersten Meilen unter Segeln.

Das scheint bei der bisher unter dem Arbeitstitel „Project Solar“ laufenden 106 Meter langen Megasegelyacht deutlich anders zu sein (SR berichtete).

Fachmagazine loben unisono die ausgewogenen, typischen Yachtformen und ließen sich u.a. sogar zu den Adjektiv-Attributen „dramatisch schön“ hinreißen. Wozu u.a. der spektakuläre Wavepiercer-Bug beigetragen haben dürfte. 

Black Pearl, Megayacht

Erste Testfahrten vor der niederländischen Küste © dutch yachting

Und auch in den ansonsten in Sachen „Schönheit“ ja nicht gerade zimperlichen, sozialen Medien findet die bei der holländischen Werft Oceanco gebaute Segelyacht größtenteils wohlwollende Zustimmung.

Die Russen und ihre “Boote”

Gezeichnet wurde die Megayacht von dem venezianischen Grafikdesigner Nuvolari Lenard und vom Ken Freivokh Team, die beide in der Megayachten-Szene für besonders formvollendete, „machbare“ und dennoch anspruchsvolle Designs bekannt sind.

Black Pearl, Megayacht

Designstudie der Black Pearl © nuvolari

Kürzlich „sickerte“ durch, dass der (lange strikt geheim gehaltene) Eigner der Oceanco-Megayacht ebenfalls (wie bei SY A) ein russischer Oligarch sein soll. Was sich wiederum auch in einer gewissen, offenbar typischen Einfallslosigkeit bei der Namensgebung der Megayacht zeigte.

Denn das kurz vor der Fertigstellung stehende Schiff wurde  auf „Black Pearl“ getauft. Was für ein Zufall: Bevor die „Sailing Yacht A“ offiziell so genannt wurde, geisterte der Name „White Pearl“ für den vermeintlich hässlichen Megasegler durch die Medien. Böse Zungen behaupteten damals, dass man so ein Monstrum nun wirklich nicht mit einer Perle vergleichen dürfe. 

Vor der Übergabe

Nach intensiven Tests auf der teils ungemütlichen, winterlichen Nordsee und im Ärmelkanal steht die „Schwarze Perle“ nun kurz vor der Übergabe an den Eigner. Das erste Video der Segelyacht, die angeblich mit besonderem Bedacht auf ökologische Aspekte gebaut wurde, zeigt durchaus ansprechende seglerische Fähigkeiten.

Das Dyna-Rigg mit drei rotierenden Masten hat sich ja bereits auf der 88 Meter langen „Maltese Falcon“ bewährt, die mit erstaunlich guten seglerischen Leistungen für solch einen Riesenpott glänzt. 

Black Pearl, Megayacht

Vor der Werfthalle © dutch yachting

Noch in diesem Sommer will der Eigner offenbar mit der „Black Pearl“ über den Atlantik. Dabei möchte man angeblich nur 20 Liter Treibstoff verbrauchen – über welchen Zeitraum, ob pro Minute oder pro Tag, wurde nicht mitgeteilt. 

Überhaupt verhält man sich im „Management“ der Black Pearl“ ausgesprochen diskret, was Informationen anbelangt. Neben der Geheimniskrämerei um den Eigner der Megayacht, gibt man auch nur wenige konkrete Zahlen „unters Volk“. 

So sind über Segelfläche am Wind oder etwa über die (ökologisch interessante) Stromversorgung an Bord nur wenige Fakten bekannt. Über die Kosten für die Riesige Schwarze perle schweigt man sich ebenfalls aus – Kenner der Megayachten-Szene schätzen die Kosten mittlerweile auf 200- bis 250 Millionen Dollar.

Und auch die offenbar alle interessierende Frage, ob die „Black Pearl“ sich denn nun mit Fug und Recht als die längste Segelyacht der Welt bezeichnen dürfe, gab es bisher noch keine konkreten Antworten. 

Denn die 142 Meter lange „Sailing Yacht A“ ist deutlich länger, wurde 2015 aber als Motoryacht mit Hilfsbeseglung“ zur Klassifizierung angemeldet. Mittlerweile wird die Sailing Yacht A allerdings unter der IMO-Nr. 1012141 als „Segelyacht“ geführt und von aller Welt – fälschlicherweise? – als größte Segelyacht der Welt bezeichnet. 

Ob das Korinthenkackerei ist? Vielleicht – aber das „Black Pearl“-Management hält sich auffallend zurück mit Behauptungen in Bezug auf Größenwahnsinn. Vielleicht hat man dort ja schon Post vom Rechtsanwalt bekommen… 

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Michael Kunst

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