Havarie: Mastbruch im Southern Ocean – Einhandsegler vom Kohlefrachter gerettet

Von Freak Wave getroffen

Super-GAU im Southern Ocean: zukünftiger Golden Globe-Teilnehmer verliert Mast und muss abgeborgen werden. Das erledigt ein japanischer Kohle- und Stahlfrachter bravourös.

Shane Freeman (58) ist Australier, seit er denken kann passionierter Segler, erfolgreich im Beruf, Familienvater und – wie die meisten auf dem wilden Kontinent „down under“ – ein echter Outdoor-Freak. Kurz: Shane Freeman nimmt seinen Nachnamen gerne wörtlich. Freiheit, in welcher Form auch immer, ist für ihn Prämisse und „möglichst viel auf diesem Planeten erkunden“ sein Lebensmotto. Je öfter sich diese Erkundungstouren auf den Ozeanen abspielten, desto besser…

Seit einigen Jahren hatte Freeman, neben seinen vielen „kleinen Fluchten“ auf dem Mountain Bike oder per pedes, einen ganz besonderen Traum: Er wollte am Golden Globe Race 2018 teilnehmen, der Neuauflage des legendären Einhand-Rennens um die Welt mit Low Tech Yachten.

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“Die Welle” © freeman

Dafür begann er bereits vor zwei Jahren mit akribischen Vorbereitungen. Er machte seine  „Muska“, eine „Tradewind 35“ aus den Siebzigerjahren, fit für das große Rundum-Abenteuer: Vier Tage in der Woche bastelte Shane Freeman an seinem Boot, die restliche Zeit segelte der angehende GGR-Skipper auf seinem Cruiser, machte lange Schläge vor Australien und Neuseeland, trainierte in der berüchtigten Tasmanischen See. Freeman wollte sich möglichst auf alles vorbereiten, was ihn während des Golden Globe Race erwarten könnte. Und dafür hatte er mit dem Southern Ocean „vor seiner Nase“ einen durchaus geeigneten Bolzplatz. 

Mal eben schnell durch den Southern Ocean

Ende vergangenen Jahres legte Freeman mit seiner „Mushka“ vom Heimatsteg in Melbourne ab, um den Southern Ocean nonstop zu durchqueren und Kap Hoorn zu runden. Bis etwa 600 Seemeilen Nordwestlich von Kap Hoorn verlief der Törn zwar kernig und ruppig – „wie es nicht anders zu erwarten war“, schreibt er in seinem Blog – aber auch sicher. Es gab keine Situation, in der seine „Tradewind“ ernsthaft in Gefahr war. 

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Im Southern Ocean kalt von Freakwave erwischt © freeman

Doch in der Nacht des 18. Februar 2017 wurde „Mushka“ bei Windstärken um die 50 Knoten von einer „Freak Wave“ erwischt, die der Skipper auf zehn Meter schätzt. Freeman wollte sich gerade schlafen legen, als er eine ungewöhnlich laut brechende Welle heranrollen hörte. Im nächsten Moment wurde das Boot zur Seite geworfen, ins Weißwasser gedrückt und anschließend wieder im Sog des Brechers zurückgezogen. Danach richtete es sich wieder auf. 

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Shane Freeman kurz vor dem Unglück © freeman

Freeman überstand die Kenterung unverletzt, kletterte nach draußen und blickte in den Super-GAU eines jeden Hochseeseglers: Gebrochener Mast, Chaos aus Wanten, Salingen, Stagen, Bruchstücken, Großbaum und den Resten des Sturmsegels. Im Heckbereich schwang die Box mit der Rettungsinsel nur noch an einer Befestigung im Wellengang hin und her, im Inneren des Schiffes stieg das Wasser aus der Bilge nach oben. 

Notrigg bauen, ein paar Fetzen setzen…

Ohne Mast und Vortrieb war das Boot ein Spielball der nicht gerade niedrigen Wellen. Freeman stand unter Schock, war aber in der Lage, die wichtigsten Sicherheitsvorkehrungen vorzunehmen. Er fixierte die Rettungsinsel erneut, pumpte Wasser aus der Bilge, informierte über die weiterhin funktionierende Satelliten-Anlage die chilenische Küstenwache über seine Lage. 

Die versicherte, man stünde auf „Stand By“ zur Organisation seiner Rettung, sobald er sein Schiff verlassen wolle. Doch Freeman hoffte, seine „Mushka“ irgendwie retten zu können: Notrigg bauen, ein paar Fetzen setzen und ruhig Richtung südamerikanisches Festland treiben.

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Über solch einen Anblick freuen sich Segler nur selten © freeman

Auf seinem Blog hat der Skipper zwei fast schon epische Berichte veröffentlicht, in denen er minutiös beschreibt, wie die folgenden Stunden für ihn verliefen. Mit einem  verbitterten Blick zurück schreibt Freeman von den aufreibenden Momenten, die der Kenterung und dem Mastbruch folgten. Wie er mit dem Bolzenschneider Want für Want kappte, wie ihm der Schneider schließlich in die Fluten fiel und er mit einer Metallsäge verzweifelt weiter arbeitete.

Er wirft einen Fallschirm-Treibanker aus, um die Lage des Bootes zu stabilisieren. Als schließlich Stunden später das Deck besenrein ist, muss Freeman feststellen, dass der Motor nicht anspringt. Energieversorgung oder vielleicht sogar 150 Seemeilen unter Maschine (soviel Sprit hatte er an Bord) konnte er also getrost vergessen. 

Ein Stahl- und Kohlefrachter eilt zur Hilfe

Freeman telefoniert mehrfach mit seiner Familie, berät sich erneut mit der Küstenwache und beschließt, erstmal eine Mütze Schlaf zu nehmen. Als er einige Stunden später wieder aufwacht, ist sein Knie stark angeschwollen. Ausgerechnet eine Verletzung, die er sich einige Zeit vor der Kenterung zugezogen hatte, meldete sich sehr schmerzhaft zurück. 

So klein und fragil © freeman

Als Freeman schließlich auch beim Versuch scheiterte, den Großbaums zum Notrigg aufzurichten, gab er auf. Er kontaktierte die Küstenwache, und die leitete seine Rettung ein. 

Man schickte ihm den Stahl- und Kohlefrachter „MV Frontier Ambition“ – ein 289 Meter langes und 45 Meter breites Ungetüm zur See, das unter Panama-Flagge fährt und von Japanern betrieben wird. 

Kapitän Bag Jong-Wan versteht „sein Geschäft“ und manövrierte seinen Frachter an das weiterhin führerlos treibende Segelboot heran. Die Besatzung ließ nach mehreren fehlgeschlagenen Versuchen, nahe genug an den Segler heran zu kommen, schließlich eine Strickleiter zu Freeman herunter. Der australische Segler hangelte sich daran unter starken Schmerzen im Knie schließlich alleine nach oben. An Deck des Frachters angekommen, wird er von der Besatzung mit „dem freundlichsten Lächeln der Welt“ empfangen, wie Freeman später schreibt. 

Sein Schiff muss der Segler den Elementen überlassen. Das „nackte Leben“ sei ihm dann doch lieber gewesen, stellt er klar. 

Die Geschichte seiner Havarie und anschließenden Rettung beschreibt Shane Freeman akribisch auf seinem Blog (in Englisch, sehr lesenswert!). 

Seine Bergung von der „Mushka“ wurde von der Besatzung per Handy gefilmt (siehe Video oben). 

Der Blog „Freeman Sailing“ ist auch wegen seiner anderen, vor der Havarie notierten Berichte und einiger Videos durchaus einen Besuch wert. 

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Die “Mushka” unter Segeln © freeman

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Michael Kunst

Näheres zu miku findest Du hier
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3 Kommentare zu „Havarie: Mastbruch im Southern Ocean – Einhandsegler vom Kohlefrachter gerettet“

  1. avatar Michael kaufmann sagt:

    Hallo zusammen,

    ich möchte auch auf meinem Firmenrechner manchmal zur Zerstreuung ein Beitrag lesen.

    Kann mich aber nicht anmelden mit meinem Account !?

    Was muss ich tun

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  2. avatar Zoo sagt:

    Hallo Michael,

    erste Frage:

    Ist der Computer angeschaltet?

    zweite Frage:

    Hast du die richtigen Zugangsdaten?

    dritte Frage:

    Kannst du uns allen hier mal einen Screenshot von der Fehlermeldung schicken?

    vierte Frage:

    Weiss dein Chef, dass du während deiner Arbeitszeit private Sachen machst?

    Tip:

    Sprich mit deinem Admin, ob er dir weiterhelfen kann.

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    • avatar tyske Amatør sagt:

      Viele Fragen auf einmal….meinst Du die kann sich der Michael alle merken?
      Ach – ich Dussel, er kann sie natürlich hier nochmal nachlesen wenn er sie sich nicht alle auf einmal, zum beantworten, merken kann.

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