Holland Törn: Vater mit Säugling und Tochter auf erster großer Fahrt

Einhand mit Kind und Kegel

Mittagessen im Cockpit der Waarship 725 "Tütje". © K. Kemmling

Mittagessen im Cockpit der Waarship 725 “Tuetje”. © K. Kemmling

Es gibt nicht viel, was eingefleischte Segler vom schönsten Hobby der Welt fernhalten könnte. Der naheliegendste Grund ist frischer Nachwuchs. Die Kurzen sind gemeinhin etwas unhandlich auf einem Boot. Viele Eltern sparen sich den Stress und nehmen erst einmal eine Segel-Auszeit, bis sich die Kids etwas sicherer auf dem Boot bewegen.

Für Peter Stein, Berufschullehrer vom Duisburger Segel Club, kam das nicht in Frage. Im Mai bekam Emma (5) einen Bruder, in den Herbstferien gingen sie auf den ersten Törn zu dritt ohne die Mutter. Sie konnte kein Uraub nehmen.

Mit einem sieben Monate alten Säugling auf unterwegs auf dem IJsselmeer? Manche mögen die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Zu gefährlich. Unverantwortlich. Aber Stein weiß, was er tut. Dreimal war er jeweils Deutscher Match Race Meister und Meister der Meister. Es ist langweilig zuhause rumzuhängen, wenn die eigene Waarship 750 im niederländischen Stavoren wartet.

Das Schiff kann er ohne Probleme einhand bewegen, und Tochter Emma hat schon einige Meilen mit den Eltern gesegelt.  Sie kann  schwimmen und bewegt sich sicher an Bord. Zwei wichtige Voraussetzungen, wie der Skipper betont.

Gefüttert wird per Flasche, gesegelt überwiegend in den holländischen Kanälen und die kurzen Etappen führen zu Häfen mit Spielplätzen oder Streichelzoo. Der Junge wird beim Segel im Maxi Cosi festgeschnallt. Alles sehr entspannt betont Stein, auch wenn es hilft, dass zufällig Vereinskumpel Kai parallel seinen Einhand-Törn mit der Varianta absolviert. Der kann auch schon mal die Flasche geben.

Stressig wird es aber schon mal beim Anlegemanöver. Wenn sich die Tochter den Finger klemmt und gleichzeitig der Bruder in seinem Maxi Cosi aus Leibeskräften nach einer neuen Windel brüllt, wird es schon mal laut. “Aber dann muss man ruhig bleiben und den Jungen eben mal ein paar Minuten schreien lassen.”

Der Herbst-Törn war schon etwas kalt. Unter zehn Grad in der Nacht. Aber der Heizlüfter verrichtet seine Arbeit und der Junge bekommt eine Mütze auf. Das Abenteuer funktioniert.

avatar

Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
Spenden
https://northsails.com/sailing/de/

12 Kommentare zu „Holland Törn: Vater mit Säugling und Tochter auf erster großer Fahrt“

  1. avatar Baasner sagt:

    Die “Mutter” dazu müsste man haben……, Neid.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 19 Daumen runter 0

  2. avatar Magnus sagt:

    Schöne Sache! Unser Sohn war bereits kurz nach der seiner Geburt mit uns auf meiner X79 unterwegs. Für seinen ersten Geburtstag nächstes Jahr ist rund Rügen geplant. So lange der Bengel noch so klein ist, reicht die lütte X ja noch. Das muss man ausnutzen!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 6 Daumen runter 0

    • avatar Wilfried sagt:

      Genau richtig. Ich bin auch mit der x 79 und 4 Monate altem Sohn damals im Sommer von Ückermünde nach Aarhus und zurückgesegelt. Ginr Prima. Allerdings musste die Mutter mit weil der Kleine voll gestillt wurde. Die x79 geht für die Kleinen auch noch länger. die Eltern haben dann geschwächelt und sind auf ne x 99 umgestiegen.

      Like or Dislike: Daumen hoch 1 Daumen runter 0

  3. avatar Jollenfutzi sagt:

    der Peter ist ja kaum zu erkennen…
    war doch mal ein langhaariger Bombenleger früher

    Like or Dislike: Daumen hoch 1 Daumen runter 0

  4. avatar Schlaufuxx sagt:

    Daumen Hoch !
    Hab auf Tunö (keine Ahnung wo das dänische ö ist) eine dänische Famile gesehen,
    die im vollbelegten Hafen, völlig stressfrei unter Segeln mit ner X-79 angelegt hat.
    Der kleinste hatte nen MaxiCosi, den man ins Steckschott stecken konnte.
    So konnte der Lütte ins Cockpit gucken und war völlig ausm Gefahrenbereich.
    Dazu der souveräne Anleger…
    Hut ab !

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 8 Daumen runter 1

  5. avatar bredi sagt:

    Hey Steini,

    altes Lasertier! Ich kann nur sagen: RESPEKT!!! Hab auch gerade so nen Lütten (4 Monate) am Start. Wenn ich
    dem die Flasche gebe, bin ich aber froh auf dem Sofa zu sitzen! So auf dem Boot – und dann noch die 5-jährige dabei, würde ich mir im Moment erstmal nicht zutrauen – aber wahrscheinlich ist das alles Übungssache, oder?

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 0

  6. avatar Dietmar Hund sagt:

    Bezüglich Säuglingssegelei treibe ich mich seid einiger Zeit mir der Frage rum: soll ich oder soll ich nicht? Auch nach Lektüre des Artikels bin ich deutlich eher der Meinung: Nein!

    Wenn man diese Entscheidung trifft, ist vor allem die Frage, was die Risiken sind, was ist der worst-case. Fakt ist, dass man Säuglingen keine Schwimmweste anlegen kann. Blenden wir einmal aus, dass die meisten Segler erfrieren und nicht ertrinken, wäre die Sache mit der fehlenden Schwimmweste spätestens dann brenzlig, wenn man das Schiff verlassen muss. Egal ob auf dem Baldeneysee oder einem holländischem Binnentümpel. Was dann? Welche Chance hätte der Säugling in dem Fall? Vor allem: wenn man das Schiff verlassen muss, ist meistens ziemlich “Baustelle” – da wird man sich kaum drauf verlassen können, selber noch uneingeschränkt einsatzfähig zu sein und den Säugling schwimmend auf Händen zu tragen…

    Ich behaupte daher: wenn man raus aus dem Schiff muss, kann man sich mühen wie man will, aber es besteht eine hohe Gefahr, dass der Säugling auf der Strecke bleibt.

    Die nächste Frage lautet dann: wie wahrscheinlich ist es, dass man das Schiff verlassen muss, etwa weil Kielbolzen gebrochen sind (s. Bavaria…), ein Mobo-Fahrer im 90-Grad-Winkel das Schiff rammt oder, oder, oder…

    Ich gebe zu, ich selber habe all diese Situationen noch nie erlebt, kenne sie nur aus der Zeitung. Ich denke, man kann mit Fug und Recht behaupten “sehr, sehr unwahrscheinlich”. Das ist das Risiko was man in Kauf nimmt. Ist es höher als im Straßenverkehr? Keine Ahnung…

    Jedenfalls bin ich daher noch skeptisch ob ich mit dem Nachwuchs auf Fahrt gehen, bevor wenigsten eine Schwimmweste hält und der Nachwuchs, komme was da wolle, wenigstens immer oben schwimmt und aufgefischt werden kann. Das Kind im Maxi-Cosi festgeschnallt ist jedenfalls danach hin…

    Das verstehe hier bitte niemand als Kritik, wir alle fahren Auto, gehen über Ampeln und können von Linksabbiegern überfahren werden, ein selbstverständlich akzeptiertes Risiko, auch mit Kinderwagen. Keine Ahnung ob es nun gefährlicher ist per Maxi-Cosi zur See zu fahren. Ich persönlich jedenfalls habe ein ungutes Gefühl, weil ich nicht in jeder Situation für das Überleben des Säuglings garantieren kann, Erfolg und Mißerfolg nicht in meiner Hand liegen…

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 4 Daumen runter 9

    • avatar Schärenkreuzer sagt:

      Man kann auch den Kleinsten sehr wohl eine ohnmachtssichere Schwimmweste anziehen (was wir bei ansonsten genau gleicher “Technik” mit Babysafe etc. wir auch im Sommer auf dem Bodensee gemacht haben…

      Like or Dislike: Daumen hoch 2 Daumen runter 1

      • avatar Luke sagt:

        Also ich bin zwar nicht mit Säugling aber doch mit sehr kleinen Kindern unterwegs gewesen. Die wäre wahrscheinlich beim Verlassen des sinkenden Schiffs auch nicht gut dran gewesen.
        Aber: das reale Risiko das Schiff verlassen zu müssen und dadurch zu Schaden zu kommen ist nunmal wesentlich geringer als auf der Fahrt zum Hafen einen Autounfall zu haben…
        Des weiteren kann man den Törn ja an die Gegebenheit anpassen – kurze Schläge, generell defensives Verhalten, zweites Boot als “Beistand” in der Not usw…
        Solltest du allerdings zu der Sorte Skipper gehören, die weder Wetterbericht lesen noch Ausguck halten und einfach drauf los fahren, dann solltest du sowieso zu Hause bleiben. Auch ohne Kinder 😉

        Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 3

    • avatar Alex sagt:

      Mein Kollege und ich, wir hatten unsere Töchter mit ca. 7 und 9 Monaten und Sponk Schwimmwesten auf meinem Sportboot. Meine Tochter fand die Weste doof, die vom Kollege hat sie klaglos getragen.

      Dein Problem wird auch nicht die Wassertemperatur sein. Ein Kleinkind wird nach dem Überbordfallen ohne Weste untergehen wie ein Stein. Es wird daher sicher ersaufen, bevor es erfriert.

      80% der tödlichen Unfälle beim Wassersport ereignen sich übrigens von 0m bis 2m Abstand zu einem Steg und wie Luke schon schreibt, bei so viel Angst, bleib zuhause weil die AN- und Abfahrt das gefährliche an unserem Sport ist.

      Nächste Saison kommen bei uns auch die Automatikweste und die ersten Familienregatten.

      Tip vom DLRG zur Automatikweste, man sollte sie vorher einmal im Planschbereich am Kind ausgelöst haben. Kleinkinder bekommen ansonsten beim Notauslösen gerne Panikattacken, sagt der DLRG.
      Ob was dran ist, keine Ahnung, ich werde gleich ein Austauschset dazu bestellen und einfach machen.

      Und so oft fällt kein Kiel ab. Vorher geht man beim Pinkeln über Bord.

      Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 1

  7. avatar Kurzhaar-Peter sagt:

    Hallo Steini, sehr schön. Bin mit meinen drei Jungs ebensso in Finnland gesegelt. Hatte diese aber soweit, dass ich nicht ihnen die Flasche geben musste sonder umgekehrt …. . Und die Mutti hat uns dann abgeholt! In diesem Sinne frohes Fest und guten Rutsch, Peter

    Like or Dislike: Daumen hoch 3 Daumen runter 0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *