Jollenkreuzer-Törn Teil II: “Wattenkino” im Seegatt – Schleichfahrt vorbei an Wangerooge

Abenteuer Trockenfallen

Die Duisburger Stefan Mauer und Kai Cording haben ihren Jollenkreuzer vom Baggersee zur Nordsee gebracht und schon den Törn nach Helgoland gepackt. Im zweiten Teil berichten sie übers Trockenfallen auf dem Rückweg.

Im Seegatt Accumer Ee zwischen Baltrum und Langeoog läuft uns das ablaufende Wasser entgegen und die letzte Meile kreuzen wir gegen den Strom. Der Motor will nicht anspringen.

Im Langeooger Hafen wird es dann sehr eng – und flach. Das „Fahrwasser“ hat bei Niedrigwasser exakt die Breite der kleinen Fähre. Schließlich stecken wir mit dem Ruderblatt im Schlick. Aber das lässt sich ja hochholen. Der nette Stegnachbar zieht uns an der zugeworfenen Leine an Land.

Einraumwohnung mit Schwertkasten. © Stefan Mauer

Zum Abschluss wollen wir endlich mal wieder trockenfallen. Wangerooge Ost ist ein wunderschöner Fleck dafür. Allerdings sind unsere Vorräte erschöpft und wir wollen am letzten Abend nicht hungern und dursten.

Trockenfallen auf Wangerooge Ost. © Stefan Mauer

Also Pitstop auf Spiekeroog, wo man schnell zu Fuß im Ort ist. Die Wattfahrt dorthin ist ein Spigang bis in die Box. Wir planen nur einen halbstündigen Aufenthalt. Denn das auflaufende Wasser soll uns noch weiter schieben: wattwärts vorbei an Spiekeroog, dann seewärts entlang an Wangerooge bis zur Ostspitze der Insel.

Also flugs Eis für die Kühlbox, Bier und Grillgut aus dem nahen Örtchen geholt und weiter geht’s: über Schillbalje und das Wattenhoch Hohe Bank Richtung Wangerooge, durch das Harle-Seegatt auf die Nordseeseite der Insel und dann mit der Flut unter Spi am Wangerooger Strand entlang Richtung Osten.

Cockpit-Pantry. © Stefan Mauer

Die Tide kentert irgendwann und wir haben auf den letzten Metern mächtig Gegenstrom, bevor das Boot an der Ostspitze der Insel auf dem Strand liegt. Um uns herum vier weitere Boote – sonst nichts als Sand, Dünen und die Reste des alten Anlegers. Eine malerische Atmosphäre.

Dümpeln in der Flaute mit Wachhund im Wasser. © Stefan Mauer

Nach einem Spaziergang bauen wir die Kuchenbude auf, die die Besatzung des Kimmkielers neben uns neugierig macht. Nette Jungs – zwei Freunde aus Dangast, die zum ersten Mal trockenfallen. Bald stehen wir zu viert um den Cobb Grill, teilen Würstchen und Biervorräte und halten Klönschnack.

Dazu bestes Wattenkino: das Boot mit dem offensichtlich größten Tiefgang unserer kleinen Gesellschaft liegt Bauart-bedingt in tieferem Wasser vor Anker. Die Crew ist deshalb bei Niedrigwasser mit hochgekrempelten Hosen an Land gewatet. Mittlerweile hat die Flut eingesetzt, was die Truppe zu hektischem Treiben animiert. Sie beeilt sich zurück aufs Boot, die Maschine wird gestartet, der Anker geht hoch und das Boot setzt sich in Bewegung.

Festmachen auf Langeoog. © Stefan Mauer

Die Richtung raus ins Seegatt hätte angeboten. Danach dann ein Schlag unter Segeln mit der Tide im Rücken Nord-Ostwärts. Zu unserem Erstaunen setzten sich die Kollegen aber wattwärts in Bewegung – vor sich das Wangerooger Inselwatt.

Durch das führt ein Prickenweg namens „Telegraphenbalje“, der auf seinem Weg ein Wattenhoch quert, das bei Niedrigwasser locker 1,50m aus dem Wasser ragt. Bei normalem Hochwasser ist es hier um die 2m tief, je nach Tiefgang sollte man die Wasserscheide also plus/ minus eine Stunde um Hochwasser queren. Davon sind wir jetzt noch locker 4 Stunden entfernt.

Ungläubig schauten wir erst auf die Seekarte, dann auf die Uhr: mittlerweile geht es auf 23h zu und wird ziemlich duster. Auf die Idee, bei Dunkelheit durch einen unbeleuchteten Prickenweg zu fahren, wären wir selbst bei Hochwasser nicht gekommen. Wissen sie etwas, was wir nicht wissen? 

Zwangspause am Wattenhoch © Stefan Mauer

Scheinbar doch nicht. Es ist tatsächlich ein komplett hoffnungsloses Unterfangen. Durch Topplicht und Motorengeräusch gut auszumachen, können wir verfolgen, wie die Nachtwächter vergeblich versuchen, mit dem Kiel durch das Watt zu pflügen. Wenig überraschend hörten wir in der Koje liegend eine Stunde später erneut die Ankerkette rasseln.

Unser Plan für die Rückreise sieht vor, mit ablaufendem Wasser wieder seewärts an Wangerooge vorbei zu segeln und dann durch die Harle und das Harlesieler Wattfahrwasser zurück zum Ausgangspunkt zu gelangen. Das bedeutete Anker auf um 05:45h.

Die Jungs mit dem Kimmkieler sind da schon längst weg und mit auflaufenden Wasser zurück in den Jadebusen. Die Schlafwandler der letzten Nacht haben dagegen erst mal ausgeschlafen und damit zum zweiten Mal das Zeitfenster verpasst, um das Wattenhoch zu queren. Segeln im Watt ist keine Hexerei, aber man muss das grundsätzliche Zusammenspiel von Gezeiten, Fahrwasser und eigenem Tiefgang beherrschen, sonst kann das auch bei wenig Wind ins Auge gehen.

Das ablaufende Wasser zieht uns am Wangerooger Strand entlang und beschert Gegenstrom in der Harle. Da wir auch hier über ein Wattenhoch müssen, wird die „Seefahrt“ bald zu einer Robben-gesäumten Flußfahrt, bis wir bei Niedrigwasser auf der „Hohen Bank“ stranden.

Den planmäßigen Aufenthalt von 2,5 Stunden nutzten wir für ein ausgiebiges Frühstück und genießen das Schauspiel, wie sich der Priel langsam wieder füllt, winzige Nebenprile überflutet und das Watt unaufhaltsam wieder zum Meer wird. Wir bestimmen eine umgeknickte Pricke zum Peilstab und setzten uns wieder in Bewegung, als der Wasserstand den Knick erreicht.

Leider lässt uns der Wind jetzt erstmals im Stich: bei wenig Wind gegenan nehmen wir den Außenborder zur Hilfe. In der Flaute treffen wir einige Rückkehrer vom Spiekerooger Ansegeln und eine Horde Seekanuten, die vor der Kulisse der Ostfriesischen Küste und Inselkette ein schönes Bild abgeben. Viel zu schnell liegen wir wieder am Neuharlingersieler Steg – Auto und Hänger, Boot klarieren. Wenig später steht das Boot auf dem Parkplatz. Mastlegen, Umpacken, Einpacken, Abfahren.

Das war´s schon wieder mit uns und dem Watt. Alles, außer langweilig – und noch so viel zu erkunden. Die Karten für Nordfriesland haben wir ja schon.

Aufsslippen, auspacken, Sachen lüften. © Stefan Mauer

Fertig verpackt auf dem Trailer. Fazit: Großartiges Revier für kleines Boot. © Stefan Mauer

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Ein Kommentar „Jollenkreuzer-Törn Teil II: “Wattenkino” im Seegatt – Schleichfahrt vorbei an Wangerooge“

  1. avatar pu schröder sagt:

    Nachts segeln an einem Priggenweg wenn noch genug davon stehen ist mit einer guten Scheinwerfer einfach, da alle Reflektoren tragen. Wenn aber die Tiefe nicht reicht feht wohl die Erfahrung mit der Tide. Auch bei Nebel kann man gut von Horumersiel nach Wangerooge Ost segeln. Habe ich schon mehrfach gemacht nur mit Echolot und Kompaß.

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