JP-54. Design-Entwurf vom Barcelona World Race Sieger Jean Pierre Dick

Erfrischend anders

Open 60 Look. Die JP-54 beim ersten Einsatz während der Tour de Belle Ile. © C. Launay

Egal wo man im Yachtbau hinschaut, überall derselbe, öde Kram. Nicht mal auf die einst vermeintlich schnellen Dänen scheint noch Verlass. Der Siegeszug der Rumpffenster schreitet unaufhaltsam voran, Tiefgang wird zumeist über die Reviertauglichkeit bemessen und in Giebelstadt lässt sich Stehhöhe inzwischen auf einem 30- Füßer realisieren. Mit Segeln und vor allem Segelsport hat das alles jedoch leider nur noch wenig zu tun.

Wenn allerdings Offshore und IMOCA 60 Legende Jean- Pierre Dick Hand an das Designbrett legt, scheint für einen Augenblick nicht alles verloren. Der Sieger des jüngsten Barcelona World Race sagt: „Ich habe mir eine schnelle, leichte Yacht vorgestellt, die komfortabler als meine Vendée- Yacht ausgestattet ist, ohne dabei Gleitfähigkeit einzubüßen.“

Dieses Statement des geistigen Vaters der JP 54 bringt es auf den Punkt. So handelt es sich bei der in Auckland in Kleinserie hergestellten Yacht auf den ersten Blick nur scheinbar um eine IMOCA 60 für den Heimgebrauch.

Zwar lässt das Konzept einer abgespeckten Version eines Offshore-Racers schnell Parallelen zur beeindruckend langsamen „Pogo 40“ durch den Kopf schießen, bei genauerem Hinsehen wird jedoch klar, dass dieser Vergleich auf den Holzweg führt. Die Finesse der Konstruktion steckt im Detail.

„Man muss im Prinzip alle anspruchsvollen Elemente aus der vor Kraft strotzenden IMOCA 60 Klasse nehmen“, sagt Dick. „Steckschwerter, Bootstrimm und die physische Belastung sind entfernt. Und dennoch haben wir am Ende den puren, sensationellen Segelgenuss isoliert.“

Das Ergebnis dieses Ansatzes gibt sich nach außen überraschend unspektakulär. Der Rumpf nimmt zwar eindeutige Anleihen bei aktuellen IMOCA- Konstruktionen, Designer Guillaume Verdier hat sich in Sachen Chines, der aktuell modernen Kanten im Rumpf, jedoch entsprechend des Verwendungszwecks ein wenig zurückgehalten.

So kommt die JP 54 mit einem konventionellen drei-Saling-Rigg daher. Alle Systeme an Bord können hydraulisch bedient werden. Den länglichen Aufbau zieren zwei Fenster. Das ist nicht wirklich spektakulär oder besonders.

Ganz anders sieht dies jedoch unter Deck aus: Innendesignerin Stéphanie Marin bricht „down below“ mit sämtlichen „Standards“ im Yachtbau und interpretiert die Anforderungen an eine langfahrt- und hochseetaugliche, sehr schnelle Yacht, gänzlich neu. Der Spaß ist für rund eine Millionen Euro zu haben.

In Szene gesetzt von Profifotograf Christophe Launay lässt sich das Ergebnis Marins’ Arbeit in unserer SegelReporter Bilderstory bewundern oder verteufeln.

Mehr Infos zur JP-54

avatar
Spenden
http://blueocean.berlin/magicmarine-team-werden/

8 Kommentare zu „JP-54. Design-Entwurf vom Barcelona World Race Sieger Jean Pierre Dick“

  1. avatar stefan sagt:

    …ist nur die Frage, wer auf Langfahrten in einer Koje, die sich so weit vorn im Bug befindet, schlafen möchte. Auch ob sich eine Nasszelle an der Stelle im Schiff auf See nutzen lässt, sehe ich als äusserst fraglich an. Ich kann nur aus eigener Erfahrung sagen, das sich eine Toilette im Vorschiff eines Open50 auf dem Atlantik nicht wirklich benutzen lässt.

    Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

  2. avatar T.K. sagt:

    Den Dampfer gibt es ja schon etwas länger. Nach wie vor eines der geilsten Designs die ich kenne. Nur eben ein bisl gross für mich

    Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

  3. avatar Ketzer sagt:

    Geil, sich bei ordentlich Krängung oder Bootsbwegung durch diese unendlichen Weiten unter Deck zu hangeln… Gibt’s dann da auch Schienen um sich mit der Lifeline einzupicken?

    Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

    • avatar T.K. sagt:

      Das Ding krängt nicht, das hat nen kanting kiel! 😉

      Like or Dislike: Daumen hoch 2 Daumen runter 2

      • avatar stefan sagt:

        …soso, Yachten mit “kanting kiel” krängen nicht! LOL

        Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 1

  4. Ihr Hochseesegler Heinis habts nicht kapiert. Das Boot besticht vor Allem durch die Möglichkeit im Hafen oder vor Anker liegend, hinten lässig am Heck PingPong zu spielen. Währen alle anderen Segler auf ihren Pötten noch nicht mal eine Partie Halma hinbekommen ohne sich blaue Flecke zu holen… Auch ein SMART oder ein TATA Nano hätten hinten quer locker Platz… Eine Ähnlichkeit sehe ich eher zur POGO 12.50. Spaß beiseite, das Konzept hat Vorteile. Zumindest die Pogo 12.50 hat klasse Segeleigenschaften und ist im Hafen für die Familie ein wahrer Genuss. Ich habe sie gesegelt und kann der SR gerne einen ausführlichen Testbericht inkl. Foto/Video footage anbieten. L.G. Andreas L.

    Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

    • avatar Egon sagt:

      naja, mit 16.45 ist sie ja schon ein bisserl größer als die 12.50

      Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 0