Kieler Bucht: Delfin tötete wahrscheinlich Schweinswale – Raubtier bleibt Raubtier

Killer Freddy

Delfin

Flipper in Holtenau. © privat

Als Schmuse-Delfin begeisterte er im letzten Jahr zahlreiche Besucher der Kieler Förde. Jetzt wird „Freddy“ für den Tod von sechs Schweinswalen verantwortlich gemacht. Doch der größte Feind der Wale ist immer noch die Menschheit. 

Es ging fast schon wie ein Aufschrei durch die deutschen Medien: „Freddy“, Deutschlands Vorzeige-Delfin, der in der Kieler Bucht bis an die Strände schwamm und dort mit Kindern und Erwachsenen „spielte“, ist ein Killer! 

Freddy und/oder noch nicht identifizierten Artgenossen, die zudem in der KielerFörde vermutet wurden, sollen für den Tod von sechs Schweinswalen verantwortlich sein. Sechs Kadaver der in der Ostsee seit jeher heimischen Wale wurden in relativ kurzer Zeit in der Kieler Bucht gefunden. Das mit der Obduktion der Tiere beauftragte Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung gab bekannt, dass die gefundenen Schweinswale an einem stumpfen Trauma, an Knochenbrüchen und inneren Verletzungen gestorben seien. 

Der will doch nur spielen?

Typische Verletzungen, wie sie von Delfinen etwa Haien, Kleinwalen oder mitunter auch menschlichen „Trainern“ in Aquarien zugefügt werden – der Delfin rammt seine harten Schnabel und seinen Kopf in die weicheren Körperteile seines Opfers. Zudem katapultiert er nahezu spielerisch die angegriffenen und verletzten Tiere mit seiner Schwanzflosse in die Luft. Nicht nur deshalb wird oftmals angenommen, die (schon häufig beobachteten) Angriffe gegen Schweinswale wären eigentlich nur eine grobe Spielerei.  

Schweinswal

Der Schweinswal wird von Delfinen und von Kegelrobben angegriffen © Wiki-Commons

Das sieht Fabian Ritter, Meereschutzexperte beim WDC (Whale and Dolphin Conversation), jedoch anders. Er meint, dass spielerisches Verhalten zwar nicht ganz ausgeschlossen werden könne, tippt aber auf angestaute Aggressionen bei Männchen, die in Ermangelung von Artgenossen an den wehrlosen Schweinswalen ausgelassen werden. Zudem könnten die Angriffe dazu dienen, Nahrungskonkurrenten auszuschalten.  

Auch Forscher, die Delphine intensiv in freier Wildbahn oder in Aquarien beobachten, sind sich meist darin einig, dass Delfine ganz genau wissen, wen sie wie anzugreifen haben. Dass sie ihre Körperkräfte gut im Griff haben und sich durchaus „beherrschen“ können, zeigt sich bei den zahllosen Begegnungen, auch therapeutischer Art, die überall auf der Welt zwischen Mensch und Delfin stattfinden.

Schmusedelfin soll ein Killer sein

Auch in ausgelassenen Situation wird nur äußerst selten von Verletzungen berichtet – der Delfin weiß durchaus, wie fragil diese menschlichen Körper doch sind. Und wenn der Delfin dann doch mal bestraft, wie das wohl die meisten sogenannten Trainer in den großen Aquarien-Shows bezeugen können, dann geschieht dies gezielt und dosiert. Wenn auch sehr schmerzhaft…

Dass Freddy, der Schmusedelfin, der sogar bei der Segel-Bundesliga mal vorbei schaute und SegelReporter Kemmling auf der J70 über die Startlinie schob, nun zum Killer abgestempelt wird, dürfte so manchen mutigen Schwimmer in der Ostsee im Nachhinein schockieren. 

 

Unser Plastik tötete diesen Wal

Doch eigentlich gilt auch für den Delfin das Gleiche wie für manche Hunderassen, für Schmuse-Geparden oder sonstige Tiere, denen sich der Mensch zu sehr nähert: Sie sind und bleiben Raubtiere, nichts anderes. 

Man weiß schon seit Längerem, dass Delfine Artgenossen angreifen, überfallen und töten. Auch von Orcas ist bekannt, dass sie Blau- oder Finnwale mit ihrem Nachwuchs gezielt im Rudel angreifen, um sich das leckere Kälbchen zu schnappen… 

Größter Feind der Wale

Der größte Feind der Wale ist und bleibt jedoch der Mensch. Nicht zuletzt aufgrund der unablässigen Verschmutzung der Weltmeere haben wir mehr Wale auf dem Gewissen, als jede andere Spezie, die diesen Planeten bevölkert. Nur so zur Erinnerung ein Video, das kürzlich in Norwegen aufgenommen wurde. Dort fand man einen noch lebenden, aber ganz offensichtlich leidenden Wal in Ufernähe, der sich immer wieder in seichte Gewässer schob.  Bei der Obduktion des schließlich getöteten Tieres fand man große Mengen Plastiktüten im Magen des Säugetiers. Ohne Worte…

Website WDC 

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Michael Kunst

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