Kielverlust: Yacht-Designer Jason Ker weist Schuld zurück und liefert Erklärung

"Das muss man verbieten"

Meldungen über Kielverluste erzeugen unter Seglern großes Unbehagen. Zuletzt hat sich SegelReporter im Dezember ausführlich mit dem Fall der Comet 45S beschäftigt und weitere Fälle unter die Lupe genommen. Wie ist  nun der aktuelle Fall der Ker 40 vor Sydney zu bewerten? Konstrukteur Jason Ker wehrt sich gegen Vorwürfe.

Die Umstände der Seenotfälle im Sturm vor der australischen Küste waren vor dem Hintergrund der Buschbrände für viele ein Schock. Aber besonders das Kielversagen der Ker 40 “Showtime” ist ein alarmierendes Zeichen. Wie kann so etwas bei einer modernen Rennyacht passieren?

Die “Showtime”-Crew in der Rettungsinsel.

Im Fokus der Kritik steht naturgemäß der Konstrukteur Jason Kerr. Er erklärt die Ursache des Kielversagens und weiß Details zu dem Unglück, das für die sieben Besatzungsmitglieder schließlich doch noch einigermaßen glimpflich ausgegangen ist

“Ich möchte klarstellen, dass der von der Ker 40 ‘Showtime’ verlorene Kiel nicht von Ker Yacht Design entworfen wurde. Die Yacht hatte einen Kiel nachgerüstet, der von dem lokalen Designbüro des Eigners in der Nähe von Sydney entworfen und von einem lokalen Hersteller gebaut wurde.

Die Ker 40 “Showtime” beim Sydney Hobart. © Rolex

Ker Design hat in den vergangen 23 Jahren sehr viele Kiele entworfen. Sie wurden von vielen verschiedenen Konstrukteuren auf der ganzen Welt gebaut, und keiner ist jemals abgerissen. Nach unserem Wissen ist ‘Showtime’ die einzige Yacht, die zwar von uns entworfen aber nachträglich mit einem anderen Kiel ausgerüstet wurde.

Der Showtime-Kiel wurde mit einer vertikalen Struktur konfiguriert, die man an eine horizontale Montageplatte schweißte. Diese wiederum saß in einer flachen Aussparung im Bootsrumpf und war mit der Bootsstruktur verschraubt. Dies ist kein Designansatz, den wir jemals unterstützen würden, da an der Verbindungsstelle mit der horizontalen Schweißverbindung maximale Kräfte auftreten .

Bei dieser Überführung überlebten Rob Buchanan und seine Crew nur durch sehr überlegtes Handeln und eine mutige Tat unter extremen Bedingungen. Rob erwachte in seiner Koje von einem metallischen “Ping”-Ton. Dann wurde er durch das Boot geschleudert als das Schiff kenterte.

Offensichtlich blieb die Luftblase im umgedrehten Boot intakt. Die Kielplatte muss also noch vollständig mit der Yacht verschraubt gewesen sein. Als die Besatzung aus dem Boot tauchte, fehlte die gesamte Kielfinne. Offenbar ist sie an der Schweißnaht abgebrochen.

Ker Design würde jeden Schritt von World Sailing unterstützen, um diese kostengünstige, aber risikoreiche Art der “geschweißten T”-Kielkonstruktion zu verbieten.”

Bei der Ker 40 handelt es sich um einen speziell auf die Handicap-Regel IRC zugeschnittenen Racer. 2018 soll “Showtime” insbesondere für das aktuelle Sydney-Hobart ein spezielles Optimierungsprogramm durchlaufen haben. Das beinhaltete unter anderem einen tiefer reichenden, leichteren Kiel, einen längeren Bugspriet und verbesserte Segelgarderobe.

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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