Kino: Noch ein Film über Donald Crowhurst – Segeln als Albtraum

Naiver Ehrgeiz, schreckliche Angst

Näher an der Realität, näher am Wahnsinn des Golden-Globe-Lügenseglers von 1968: „Crowhurst“ zeigt genau das, was Segler schon längst vermutet haben. 

Weniger als einen Monat nach dem Start des vielgepriesenen Kinofilms „The Mercy“ in Europa (Deutscher Titel „Vor uns das Meer“, SR-Artikel) über die tragische Irrfahrt des Donald Crowhurst während der Golden Globe Regatta 1968, kommt nun in Großbritannien ein weiterer Film zum Thema in die Kinos. Und dieser geht den Irr- und Wahnsinn des Mannes, der monatelang unter Angabe falscher Positionsmeldungen im Südatlantik auf seine weltumsegelnden Konkurrenten wartete, völlig anders an. 

Crowhurst

Justin Salinger als Donald Crowhurst – offenbar deutlich authentischer als Colin Firth © studiocanal

Nachdem der Streifen „Vor uns das Meer“ mit den Oscar-Stars Colin Firth und Rachel Weisz in den Hauptrollen eher hollywoodesk aufgebaut ist (obwohl es sich um eine französische Produktion handelt), werden bei „Crowhurst“ ganz andere Register gezogen. Denn der Film zeigt genau das, was wir alle schon immer in dem tragischen Segler vermutet haben: Einen psychisch gestörten Menschen, der auf See langsam aber sicher dem Wahnsinn verfällt. 

Horror versus Schmonzette?

Schon der Trailer macht deutlich, dass bei „Crowhurst“ mit ganz anderen Stilmitteln gearbeitet wurde. Der Indie-Horror-Regisseur Simon Rumley setzt den (brillant spielenden) Hauptdarsteller Justin Salinger so knallhart und gnadenlos in Szene, dass man hinterher nicht mehr an die traurige, meist weinerlich wirkende Crowhurst-Verkörperung durch Colin Firth glauben mag. 

So feierte die britische Feuilleton-Presse den Film „Crowhurst“ auch als deutlich gelungenere Version. Der „Guardian“ zeigte sich besonders begeistert: „Dieser Film ist offen gesagt in jeder Hinsicht überlegen. Indem er in Crowhursts Kopf eindringt und einen alptraumhaften, impressionistischen Bericht über das gibt, was er dort findet, nagelt Rumley Crowhursts naiven Ehrgeiz und seine schreckliche Angst regelrecht fest. Mit langen, detaillierten, wortlosen Sequenzen löst er das Problem, wie man Crowhursts einsame Existenz auf dem Boot darstellen kann – und das alles auf eine Weise, die „The Mercy“ nie annähernd erreicht hat.“

Zwei Filme, gleiches Thema, gleicher Zeitraum

Beide Filme haben  bereits Jahre vor ihrer Premiere in Kino-Insider-Kreisen für Diskussionsstoff gesorgt. Denn James Marsh (Regie bei „The Mercy“) und Simon Rumley (Regie „Crowhurst“) haben über die Produktionszeiten hinweg nur wenige Informationen über ihre Filme an die Öffentlichkeit gelassen. Beide waren offenbar davon überrascht, dass sich auch noch andere Regisseure für ein Nischenthema wie Segeln interessieren. 

Crowhurst

Naiv, ehrgeizig, psychisch bereits angeknackst: Salinger/Crowhurst nach dem Start zur Golden Globe © studiocanal

Letztendlich machte die Produktionsfirma “Studiocanal” kurzen Prozess: Sie kauften auch die Rechte an dem Film “Crowhurst”, so dass nun zwei Filme zum gleichen Thema im gleichen Zeitraum vom selben Medienunternehmen in die Kinos gebracht wurden. Wenn schon, denn schon… 

„Crowhurst“ wurde übrigens erstmals der Öffentlichkeit beim Oldenburger Filmfestival 2015 vorgestellt, wo der Film begeisterte Kritiken erntete. 

Wann der Film in deutsche (Programm)Kinos kommen wird, ist noch nicht bekannt. 

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Michael Kunst

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2 Kommentare zu „Kino: Noch ein Film über Donald Crowhurst – Segeln als Albtraum“

  1. avatar Breizh sagt:

    Da fehlt dann ja nur noch die Verfilmung von Moitessier.
    Aber eigentlich ist das Buch viel zu schön, um es zu verfilmen.

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  2. avatar Carl sagt:

    Der Film “Crowhurst” ist jetzt als DVD bei Amazon erhältlich.

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