Kroatien: Ärger für Segler beim Überfahren der Seegrenzen

Harte Bandagen

In Kroatien geraten Segler in den Fokus der Behörden. SR-Leser Edmund E. Lindau vom Österreichischer Hochsee Yachtclub macht auf einen Vorfall in Šibenik aufmerksam.

Wasserpolizei Kroatien

Die Polizei in Kroatien nimmt immer häufiger Segler ins Visier. © Lindau

Lindau schreibt:  Das ist eine Geschichte, die sich vor wenigen Tagen in “meinem” Heimatrevier Adria/Kroatien ereignet hat. Sie könnte vielleicht für die Leser von Interesse sein. Betroffen war eine befreundete Yacht im Rahmen eines Ausbildungstörns für den österreichischen Befähigungsausweis FB3.

Die Segelyacht “xxxxxxx” *) Name bekannt)) legte mit 6+1 Besatzung am 24.5. etwa 10:00 von Zadar ab, um eine insgesamt 50stündige Fahrt teilweise außerhalb der Hoheitsgewässer durchzuführen. Als Ziel der Fahrt war Šibenik bzw. Skradin geplant. Die 12nm-Zone (Grenze der Hoheitsgewässer nach Internationalem Seerechtsübereinkommen) wurde um etwa 18:00 Lokalzeit verlassen und ein Kurs entlang der Küste in einem Abstand von etwa 20nm geführt.

Am 25.5. um etwa 18:00 wurde im Bereich der Insel Viš wiederum in die Hoheitsgewässer eingefahren und Kurs Richtung Šibenik genommen. Die Besatzung hatte es unterlassen, in Zadar auszuklarieren und wurde von der Polizei am 26.5. um etwa 09:00 im Bereich der Insel Tijat angehalten.

Eskorte zur Zoll-Mole

Nach längeren Amtshandlungen wurde die Yacht schließlich nach Šibenik an die Zoll-Mole eskortiert. Die Polizeibeamten erklärten dem Skipper folgenden Sachverhalt:
Er hätte durch die Unterlassung des Ausklarierens, als auch des Einklarierens zwei Ordnungswidrigkeiten begangen, welche mit jeweils 2.000.- HRK Strafe + 500.-HRK Steuer zu belegen sind.

Die Strafe sei seit 25.5.2015(!) pro Besatzungsmitglied zu erheben, anstatt nur einmalig für den verantwortlichen Schiffsführer. Damit ergibt sich eine Gesamtstrafe von 35.000.-HRK, umgerechnet etwa € 4.700.- Bei Bezahlung binnen 8 Tagen könne der Strafbetrag auf 25.662.-HRK, umgerechnet etwa € 3,400.- reduziert werden.

Das Gesetz (nach Schengen Regeln) besagt, dass eine Überschreitung der Grenzen ohne Polizeikontrolle mit Strafen für alle physischen Personen zu ahnden ist. Dieses Gesetz gibt es schon länger, ist also nicht neu! Die verhängten Strafen sind die Mindeststrafe. Für den Skipper geht der Strafrahmen bis 50.000,00.- HRK

“Verhör” in Šibenik

Dies war nicht der erste Vorfall dieser Art. So ist beispielsweise eine ähnliche Amtshandlung dokumentiert, die sich 2013 ebenfalls in Šibenik ereignete. Beim “Verhör” hatte damals ein weibliches Crewmitglied einen Nervenzusammenbruch erlitten, weil sie vor lauter Nervosität den Namen ihres Vaters nicht wusste und daraufhin erst recht in die Mangel genommen wurde.

Im Mai 2014 wurde ein deutscher Katamaran wegen des gleichen “Vergehens” – ebenfalls in Šibenik “beamtshandelt”. Der Skipper hatte wegen einer aufziehenden Gewitterfront auf Höhe Molat einen weiten Schlag seewärts gemacht und dabei die kroatischen Hoheitsgewässer verlassen. Aufgebracht wurde er ebenfalls von der Polizei aus Šibenik.

In fast allen anderen EU-Ländern werden Grenzverletzungen in ihrem Zuständigkeitsbereich wegen schlechten Wetters nicht geahndet, da höhere Gewalt und die Sicherheit der Crew Vorrang habe. NICHT so in KROATIEN!!.

Auch sonst – speziell wenn es dabei um Gäste aus dem Ausland geht – nimmt die kroatische See-Polizei die nationalen Gesetze mittlerweile besonders ernst. So kann eine etwas “ausgeblichene” kroatische Nationale, egal ob am Heck oder als Gastlandflagge schnell einmal 100.- HRK kosten. Auch das Ablaufdatum von Seenotmitteln kann ihre gestrenge Aufmerksamkeit erregen.

Freunde schütteln den Kopf

Lindau schreibt weiter:

Diesen, und eine Reihe weiterer, ähnlich gelagerter Vorfälle werden u.a. auch Thema der nächsten Sitzung der EBA (European Boating Association) werden. Unter anderem wurde dazu der Österreichische Hochseeverband in der letzten EBA Sitzung im Frühjahr in Venedig konkret eingeladen, Probleme in Gebieten von gemeinsamen Interesse (vor allem die Adria und  Mittelmeer) aufzuzeigen.

Auch eine Reihe von Yachtfreunden rund um die Balearen, in Südfrankreich und Italien schütteln mittlerweile – ob der kroatischen Praktiken – den Kopf. Zwar gibt es auch dort EU-Außengrenzen und 12-Meilenzonen (Festland zu Mallorca, Menorca, Ibiza, Korsika, Sardinien etc.), aber niemand muss beim Überschreiten Aus- bzw. Einklarieren.

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9 Kommentare zu „Kroatien: Ärger für Segler beim Überfahren der Seegrenzen“

  1. avatar Wilfried sagt:

    Wer das abstrus findet sein an Vorkomnisse in der Flensburger Förde von Seiten der Deutschen erinnert.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 6 Daumen runter 1

  2. avatar blue sagt:

    Kroatien ist EUmitglied aber (noch)nicht Teil des Schengenabkommens, daher Grenzkontrollen auch am Wasser.

    Die Segelyacht xxxxxxx*) Name bekannt) ist Teil eines Ausbildungsunternehmens mit kroatischen Firmensitz?
    Wenn nicht, dann ist alles klar, “Schwarzarbeit” und die wird in ganz Europa geahndet.

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    • avatar Wilfried sagt:

      Alle Seegrenzen zwischen EU-Staaten sind Außengrenzen , also auch Dänemark / Deutschland. Wer von einem nicht Grenzübertrittshafen an der Flensburger Förde direkt nach Dänemark segelt verstößt gegen die Vorschriften. Man muss zumindestens vorher einen Grenzübergangshafen anlaufen, eine Ehrenrunde im Becken drehen und kann dann legal nach Dänemark segeln. Ein Mitarbeiter der Wasserwirtschaftspolizei erklärte mir die Sinnhaftigkeit dieser vorschrift damit, dass damit dem Menschenschmuggel auf Sportbooten vorgebeugt werden soll. Aha,- so finanzieren wir nämlich unser aller Hobby.

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    • Ist eine Ausbildungsyacht unter kroatischer Flagge im Eigentum einer kroatischen GmbH mit allen Lizenzen und Berechtigungen.
      Die Yacht ist auch nicht in die Hoheitsgewässer eines anderen Landes gefahren sondern von einer kroatischen Hafenstadt durch “internationale Gewässer” in eine andere kroatische Hafenstadt.
      Anders wäre es gewesen, wenn die Yacht von Kroatien nach Italien (von Nicht-Schengen in Schengen-Land gesegelt wäre. Da ist Ausklarieren/Einklarieren selbstverständlich.

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      • avatar Wilfried sagt:

        wie gesagt das Verlassen der Hoheitsgewässer stellt auch hier bei uns in der Nord- und Ostsee ein überqueren einer Schengen-Außengrenze dar. Ob es einem gefällt oder nicht.

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  3. avatar Franz Berghold sagt:

    Zum Verhalten der kroatischen Behörden: So unangenehm, bedauerlich und zu guter letzt auch kostspielig diese Angelegenheit für die Betroffenen zweifellos war, ist die ganze Aufregung unnötig: Die Kroaten waren schon immer relativ stur und manchmal auch rüde, aber in der Regel korrekt und immer(!) im Recht (letzteres hört man als betroffener Skipper natürlich nicht gern).

    Ein Kontakt mit italienischen oder gar mit den oft zutiefst korrupten griechischen Beamten ist wesentlich unangenehmer. Ich könnte ein Buch darüber schreiben.

    Jedenfalls: ob sie uns passen oder nicht, auch die kroatischen Gesetze sind von uns einzuhalten. Punktum. Im übrigen würde mir als vernehmendem Polizeibeamten die Galle hochsteigen, wenn mir zur Rechtfertigung solche durchsichtigen Gschichterln wie ich musste einer Wetterfront ausgewichen” usw,. aufgetischt würden. Die sind ja nicht blöd. bitte.

    Franz Berghjold, “Manha de Carnaval”, Kaprun

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 9 Daumen runter 0

    • avatar Willem sagt:

      >> Im übrigen würde mir als vernehmendem Polizeibeamten die Galle hochsteigen,
      >> wenn mir zur Rechtfertigung solche durchsichtigen Gschichterln wie ich musste
      >> einer Wetterfront ausgewichen” usw,. aufgetischt würden

      Ach ja? Warst Du dabei und hast genauere Infos über die Wettersituation als wir normalsterblichen?

      Schon mal von der Bora überfallen worden? Da kann es sehr wohl Sinn machen, auf die offene See zu flüchten und dann kann es doch wohl nicht sein, dass ich mir als Skipper Gedanken über die 12 Meilen machen muss – da geht die Sicherheit meiner Mitsegler vor!

      Und wir wollen doch mal die Kirche im Dorf lassen: Hier geht es nicht um die illegale Einreise aus einem anderen Land, sondern um kurzzeitiges überschreiten der Seegrenze, ohne dabei einen Hafen in einem anderen Land anzulaufen..

      Und wenn wir schon Korinthen kacken wollen: Die Einreise und damit das unterlassene Einklarieren war noch gar nicht vollzogen, als die Yacht auf See aufgebracht wurde. Somit wäre der 2. Teil der Buße ohnehin nicht fällig gewesen.

      M.E. soll hier die Staatskasse (sofern denn die kassierten Bußgelder überhaupt dort landen) aufgebessert werden, indem man vermeintlich zahlungskräftige Touristen abkassiert. Nun, die hier geschädigten dürften das Land künftig meiden wie die Pest und auch all ihren Freunden von Reisen dorthin abraten – ein Pyrrhussieg also

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