Küstensegeln: Familien-Segeln mit der Klassiker-Traumyacht – Kinder lernen fürs Leben

Segeln im Gelassenheits-Modus

Was spricht eigentlich dagegen, immer wieder mit den Kindern in vertrauten Gewässern zu segeln? Nichts – weil sich die schönsten Abenteuer sowieso im Kopf abspielen.

Zwischen all’ den Rekorden, enormen Streckenlängen, exotischen Zielen und faszinierenden Abenteuern zur See kann man schon mal aus den Augen verlieren, was eigentlich der größte Teil der Seesegler so treibt oder zumindest anstrebt: Nämlich Segeln im Gelassenheits-Modus, buchstäblich schöne Schläge entlang der Küste oder direkt vor der (Hafen)-Haustüre. Und das gerne mit Kind und Kegel, die schließlich beim Segeln was „fürs Leben“ mitnehmen sollen.

Paradoxerweise wird eher selten über dieses vermeintlich Banale berichtet. Obwohl viele Menschen genau das anstreben. Wenn dann doch einmal ein gut gemachtes Video zum Thema auftaucht, findet es meist auf Anhieb eine Menge Zuspruch. 

Fahrtensegeln, Küste, Familie

Die Breinerds im Glück © alison langley / CCA

So auch die kleine Geschichte einer US-amerikanischen Familie, die auf ihrer (zugegeben alles andere als „normalen“) Sparkman & Stephens Yawl „Nora“ (ein 42-Fuß-Holz-Langkiel-Klassiker von 1961)  vor der Penoscob Bay an der US-Ostküste unterwegs ist.

Papa arbeitet mit Booten

Skipper und Familienvater Alec Brainerd war schon früh mit Yachten aller Art vertraut. Er wuchs in Brooksville/Maine auf, seine Eltern hatten eine alte Yacht, mit der sie Alec und seinen Bruder auf zu so ziemlich allen Schulferien, die das Land zu bieten hatte, für mehr oder weniger lange Schläge entlang der Küste mitschleppten.

Als Teen begann Alec, auf den unterschiedlichsten Jollen zu segeln, die irgendwie zur Verfügung standen, und als junger Erwachsener stieg er dann beruflich ins Bootsbaubusiness ein. Er beteiligte sich am Refit einer 100. Fuß Camper Nicholson Yacht in Neuseeland, war maßgeblich am Bau mehrerer großer Custom-Fahrtenyachten beteiligt.

Er überführte Großes und Kleines über Atlantik und Pazifik, machte sich einen Namen als Bootsmann und eröffnete schließlich in Rockland, Maine seine eigene, kleine Bootsbauwerkstatt. Dort arbeitet er an Holzboot-Refits oder baut neuere, meist kleinere Holz-Yachten nach Kundenvorstellungen. 

Alec lernte seine spätere Frau Erin auf einer Yacht kennen. Sie arbeitete dort als Smutje, hatte aber keine Ahnung vom Segeln. Deshalb nahmen die beiden Besitzer der Yacht sie unter ihre Fittiche und brachten ihr alles vermeintlich Notwendige bei.

Als Erin später mit Alec liiert war und sie gemeinsam mit ihrem Mann erste Schläge segelte, nahm sie zudem an einem der in den USA sehr beliebten Kursen „Safety for Cruising Couples“ teil. Eine Methode, um den weniger erfahrenen Seglern oder Seglerinnen in einer Segel-Partnerschaft alles Notwendige für entspannte Törns auf See beizubringen – ohne dass dabei die Liebe leidet. 

Das Boot fand sie – nicht umgekehrt

Doch selbst als Jahre später die beiden  (heute 9 und 10-jährigen) Mädchen Adella und Georgia im „mitsegelfähigen“ Alter waren, sahen Alec und Erin noch keinen Bedarf, eine eigene Yacht zu besitzen.  Viel zu gut klappte es damals, bei Freunden, Bekannten oder per Charter mitzusegeln. 

Fahrtensegeln, Küste, Familie

Eine Stephen Sparkmans – auch nicht schlecht, als Familienkutter © alison langley // CCA

Und dann fand „Nora“ die Familie Brainerd (und nicht umgekehrt, wie Erin und Alex unisono betonen). Es war um alle Vier geschehen. Alle verliebten sich in ihr Boot. Jede freie Minute wurde auf dem stolzen Sparkman’s-Klassiker verbracht. 

Adella und Georgia lernten nebenbei die Grundlagen der Segelei in einer Segelschule für Kids und segelten wohl auch die eine oder andere Spaßregatta mit. Doch schnell war klar: Weder Kinder noch Eltern werden sich wohl jemals fürs Regattieren begeistern können. Vielmehr stand bald fest: Segeln ja, aber nur im entspannten Modus, ohne Langfahrt-Stress, dafür aber mit viel Abenteuer-Potential für die beiden Mädchen. 

Also werden Buchten angesteuert, deren Strände die beiden Jüngsten per Dinghy erkunden. Oder es wird vor einer der unzähligen Inseln festgemacht, um ein gesamtes Wochenende vor Anker zu dümpeln und um einfach mal alle Viere von sich zu strecken, während die Kinder an Land Robinson Crusoe spielen.

Mit nichts aufzuwiegen

Schon bald sei allen klar geworden, dass diese Form der Freizeitgestaltung einen unschätzbaren Wert für die Erziehung der Mädchen hatte, berichtet Erin. Es habe zudem unzählige Glücksmomente der ganz einfachen Art gegeben. „Wir beiden Alten draußen am Ruder und an der Großschot, die Girls angeleint vorne auf dem Bug oder unten in der Kajüte beim Lesen und spielen“.

Langsam, aber sicher trieb die Neugierde dann den Nachwuchs etwas „tiefer“ in die Segelei. Die Mädchen wollten mehr über Navigation wissen, interessierten sich für Manöver, begegneten der See immer angstfreier und bauten gleichzeitig mehr und mehr Respekt vor dem Meer auf. 

Fahrtensegeln, Küste, Familie

Schule fürs Leben © langley / CCA

Überhaupt, das Meer. Eric zieht es an diesen Wochenenden oder in den Schulferien mit seiner Familie nicht zwingend auf das große, weite Meer hinaus. Meist bevorzugen sie die Sicherheit der riesigen Penobscot Bay im nördlichen US Bundesstaat Maine vor. Herausforderungen gebe es schließlich genug, schon wenn man jeden Abend in einer anderen Bucht ankert. 

Und doch, irgendwann wollen sie dann mal einen größeren Törn machen, vielleicht sogar rüber zu den Bermudas segeln. Aber das habe noch Zeit, meint Eric. Es gebe noch zuviel Unerforschtes direkt vor der Haustüre.

Abenteuer im Dinghy

„Jedes Mal, wenn wir auf dem Boot sind, wachsen wir als Familie ein Stück weiter zusammen,“ ist sich Erin sicher. „Und für die Kinder sind die Abenteuer im Dinghy oder auf den Stränden die beste Abwechslung vom Schulalltag oder sonstigen Verpflichtungen. Außerdem lernen sie, selbständige Entscheidungen zu treffen, machen Bekanntschaft mit den Elementen und sind – allerdings an unserer „langen Aufsichts-Leine“ – häufig völlig selbständig aktiv.“ 

Ein weiterer wichtiger Faktor, der für viele, vielleicht sogar die meisten Kids unserer modernen Welt ganz und gar nicht selbstverständlich ist: Adella und Georgia lernen viel in und von der Natur.

Erin: „Wenn wir da draußen segeln und die Kinder sehen Fische springen oder Seehunde um unser Boot spielen, schauen dem Sonnenuntergang zu oder schlafen auch mal unter dem Sternenhimmel, dann werden sie sich immer daran erinnern. Das hier ist eine Schule fürs Leben – was schon mal mehr ist, als die meisten Eltern ihren Kindern bieten können.“ Mal ehrlich, kann es ein besseres Argument fürs Fahrtensegeln geben? 

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Michael Kunst

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Ein Kommentar „Küstensegeln: Familien-Segeln mit der Klassiker-Traumyacht – Kinder lernen fürs Leben“

  1. avatar Drachenfan sagt:

    Schoene Geschichte. Es müssen nicht immer Rekorde und schnell segeln sein. Segeln hat viele Seiten. Danke.

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