Langstrecke: Afrikanischer Meistersegler kämpft sich im Laser von Tunesien nach Europa

Afrikaner segelt nach Sizilien

Laser, Straße von Sizilien, Überquerung

Youssef Akrout auf seinem Laser in der Straße von Sizilien © fed. tunisienne de la voile

Youssef Akrout segelte die 92 Seemeilen von Tunesien nach Sizilien in 17 Stunden und 34 Minuten. Mit der Langfahrt sammelte er Geld für ein Kinderhilfswerk.

Einhand-Langstrecken in offenen Kleinstjollen finden ganz offensichtlich auch in unseren Breitengraden immer mehr Anhänger. So segelte etwa Christian Kargl in diesem Sommer sechs Tage ohne Unterbrechung 431 Seemeilen entlang der kroatischen Küste und brach damit einen in den USA aufgestellten Langstreckenrekord im Laser. Und die 15-jährige Violette Dorange überquerte im Optimisten den Ärmelkanal. Ganz zu schweigen von den enormen Leistungen der Nacra-Segler bei ihren Mittelmeer-Rekordfahrten von Marseille nach Karthago – auch wenn die zu Zweit unterwegs sind.

Segeln für Kinder in Not

In Zeiten wie diesen ist es eher schwierig, von sportlichen Mittelmeer-Überquerungen in Jollen zu berichten, während sich zeitgleich Zehntausende Flüchtlinge auf hoffnungslos überfüllten Schlauchbooten und Nachen bei ihrer Flucht gen Europa in Lebensgefahr begeben, und Tausende dabei bereits umgekommen sind.

Laser, Straße von Sizilien, Überquerung

Der 24-Jährige ist in Afrika einer der bekanntesten Segler © fed. tunisienne de la voile

Dessen scheint sich Youssef Akrout vor seiner Rekordfahrt durch die „Straße von Sizilien“ durchaus bewusst gewesen zu sein. Denn in zahlreichen Interviews vor seinem Start wies er immer wieder auf das Schicksal der Flüchtlinge hin und unterstrich, dass er mit seiner Tour zudem Geld für das tunesische Kinderhilfswerk „Wallah – We Can“ sammle, in dem u.a. auch Flüchtlingswaisen betreut werden. (Wallah = “Na los, wir schaffen das!”)

Youssef Akrout ist in der afrikanischen und arabischen Segelszene so etwas wie ein junger Star. Der 24-jährige Tunesier hat in London und in Rio de Janeiro auf dem Laser an den Olympischen Spielen teilgenommen (Rio Rang 34).

Er war bereits afrikanischer, arabischer und sowieso tunesischer Meister auf dem Laser und will in den kommenden Jahren in den Hochseeregattasport einsteigen. Mit seiner 170 Kilometer langen Fahrt durch die Straße von Sizilien dürfte ihm die Aufmerksamkeit der Hochsee-Segelszene gewiss sein.

Laser, Straße von Sizilien, Überquerung

Schon 2012 segelte der Jungspund vor Weymouth bei den Olympischen Spielen © fed. tunisienne de la voile

“Lockere Überfahrt”

Akrout segelte im Morgengrauen von der tunesischen Hafenstadt Haouaria los und erreichte in der darauf folgenden Nacht das ca. 150 Kilometer entfernte italienische Städtchen Mazara de Vallo. Für die (gesegelten) 170 Kilometer brauchte Youssef Akrout bei hervorragenden Wetter- und Windbedingungen (3-4 Beaufort) 17 Stunden und 34 Minuten. Der Tunesier wurde während der gesamten Überfahrt von einer Yacht begleitet. Zudem eskortierte ihn bis zu den italienischen Hoheitsgewässern ein Kriegsschiff der tunesischen Marine.

Nach seiner Ankunft in Italien zeigte sich der frisch gebackene Hochsee-Jollensegler sehr zufrieden mit seinen Leistungen und forderte andere Lasersegler auf, seinen neuen Rekord „anzugreifen“. Was der schönste Moment des Törns gewesen sei, wurde Akrout von den italienischen Medien gefragt. „Als ich in Italien ankam!“ lautete seine Antwort. Ein Satz, den die italienischen Medien so wohl schon tausendfach wiedergegeben haben…

Tipp: André Mayer

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Michael Kunst

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