Lastensegeln: Zweimaster setzt Zeichen für Klimafreundlichkeit – Vorbild für weitere Reeder?

"CO2-Abdruck eines Gänseblümchens"

Im April 2019 berichteten wir über den Aufbau einer segelnden Handelsflotte in Frankreich. Jetzt ist der erste Lastensegler “Votaan” in Saint-Malo zu seiner Jungfernfahrt aufgebrochen. Nächster Stopp: New York.

Klimafreundlichen Import und hochwertige Verarbeitung von Gütern. Das verspricht das Konzept des Unternehmens “Grain de Sail”. Mit der Vision, kulinarische Produkte klimaneutral zu verkaufen, kam 2010 bei den Gründern von “Grain de Sail” die Idee auf, Kaffee und Schokolade aus Bio-Rohstoffen selber herzustellen und die Grundstoffe auch selber zu importieren. Dieser Grundsatz war die Basis des Unternehmens das 2013 als Kaffeerösterei startete, 2016 mit einer Schokoladenfabrik ausgebaut und 2018 mit dem Bau eines transatlantischen Frachtsegelschiffs erweitert wurde. Anfang 2020 lief der Zweimaster “Votaan” nach zweijährigem Bau vom Stapel.

Das segelnde Frachtschiff “Votaan”. © Grain de Sail

Jetzt ist “Votaan” zu seiner ersten großen Fahrt aufgebrochen, um Kakao und Kaffeebohnen aus Lateinamerika zu holen. Mit französischem Biowein im Gepäck wird allerdings erst einmal Kurs auf New York genommen.

Der weitere Weg führt in die Karibik (derzeit die Dominikanische Republik), wo das segelnde Handelsschiff die Biorohstoffe für seine Schokoladenfabrik und Kaffeerösterei an Bord nimmt.

Zweimal im Jahr soll “Votaan” Bio-Weine nach New York transportieren und Kakao und Kaffeebohnen aus Lateinamerika zurückbringen. Dabei versucht “Grain de sail” seine drei Grundpfeiler Ökologie, Ökonomie und soziale Entwicklung miteinander zu vereinen. Besonders ökologisch hat das Unternehmen einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz. Mit dem segelnden Lastenschiff jedenfalls schaffe man bereits den “CO2-Abdruck eines Gänseblümchens”.

Ausgewiesenes Ziel ist der Ausbau des Handels und das Errichten einer kleinen Handelsflotte.

Segeln könnte die Handelsmarine revolutionieren

Ist das Projekt nun eine Ausnahme oder kommt das Lastensegeln wieder zurück? Werden die Meere der Zukunft wieder mit segelnden Handelsschiffen befahren, wie es die längste Zeit der Menschheitsgeschichte üblich war?

“Oceanbird” als Fünfmaster mit ausfahrbaren Profilsegeln. © Wallenius Marine

Die Idee, Frachtschiffe mit Segeln auszustatten ist nichts Neues. Kites zum Reduzieren von Treibstoffverbrauch oder neue, ausschließlich segelnde, Frachter gelten als vielversprechend Innovationen. Das Oceanbird-Projekt sticht dabei besonders hervor. Der Kohlendioxidausstoß soll sich dabei um bis zu 90 Prozent verringern lassen.

Die Dringlichkeit, Kohlenstoff einzusparen, ruft nach Veränderungen im Seehandel und könnte ein neues Zeitalter des kommerziellen Segelns einläuten. Immer mehr Reeder scheinen das Potenzial der Windkraft zu entdecken. Die Antriebskraft des Segels erreicht eine größere ökologische und ökonomische Bedeutung. Problematisch bleibt jedoch der niedrige Ölpreis.

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