Liegeplatzoptimierung: Tipps und Tricks, um entspannter am eigenen Liegeplatz zu liegen

Viel hilft viel

Mit der richtigen Aufrüstung lässt sich der eigene Liegeplatz so komfortabel gestalten, dass An- und Ablegemanöver selbst unter schwierigen Bedingungen sicher und entspannt von der Hand gehen können. Auch mit kleiner Crew und sogar einhand.

Bei Schwimmstegen lassen sich keine Sorgleinen spannen, abgelängte Festmacher helfen aber bereits © Silke Springer

Abhängig von der Hafenanlage und den Revier-Gegebenheiten kann die Einfahrt in den Liegeplatz schnell zur Herausforderung werden. Weil der Wind dann von der Seite weht, die Box sehr schmal, der Fingersteg rutschig und oder besonders hoch ist, fürchtet man das Manöver, lange bevor es dazu kommt. Schlechte Erfahrungen haben Spuren hinterlassen, an Schiff und Seele.

Um zukünftig stressfreier an die An- und Ablegemanöver heranzugehen, lohnt es sich, den eigenen Platz so weit aufzurüsten, dass Ein- und Auslaufen künftig einfacher zu bewältigen sind und ein versehentlicher oder unvermeidbarer Kontakt mit Steg oder Dalben ohne größere Schäden abläuft. Gute Fender an den richtigen Stellen montiert, Sorg-Leinen zu beiden Seiten der Box, Antirutschbelag auf dem glitschigen Steg, ein Tritt, wenn der Rumpf zu hoch, eine Leiter, wenn das Schiff zu tief im Wasser liegt, wirken hier Wunder. Sofern seitens des Yachthafenbetreibers oder Segelclubs nichts gegen ein Aufrüsten spricht, ist jetzt die beste Zeit, mit der Optimierung zu beginnen.

Der Saisonbeginn bietet sich an, den eigenen Liegeplatz zu optimieren, um sicher an- und abzulegen © Silke Springer

Einen generellen Bauplan, mit dem man einen Dauer-Liegeplatz so komfortabel wie möglich gestaltet, gibt es allerdings nicht. Dafür sind Steganlagen und Reviere zu unterschiedlich. Wer auf einem See oder einem Küstenhafen mit nahezu gleichbleibendem Pegel segelt, wird höchstwahrscheinlich in einer Box liegen und sein Schiff zwischen Front-Steg und Dalben beziehungsweise Pfählen vertäuen. Bei Tiden­revieren und Talsperren muss der ständig wechselnde Wasserstand berücksichtigt werden. Hier sind in der Regel Schwimmstege ausgelegt, an denen man mit Bug oder Heck am Steg und mit einer Seite am Schlengel festmacht.

Auch die Schiffe unterscheiden sich zu stark voneinander, als dass man allgemeingültige Empfehlungen geben kann. Viele Yachten sind bestens motorisiert und sogar mit Bug- und/oder Heckstrahlruder ausgestattet. Sie trotzen fast jedem Seitenwind. Andere dagegen haben so schwache Antriebe, dass schon die leichteste Brise zur Herausforderung wird. Auf manchen Binnenrevieren muss auf Motorunterstützung sogar ganz verzichtet werden. Um trotzdem sicher in die Box kommen, sind dann seglerisches Können gefragt. Auch die Unterstützung durch sinnvolle Ausrüstung für den eigenen Liegeplatz kann hilfreich sein.

Sorgleine mit Querleine: Effektive Möglichkeit den Bug mittig in der Box zu halten © Jan Bindseil

Sorg-Leinen aller Art

Dalben-Leinen

Wer viel allein oder in kleiner Besetzung segelt und in einer Box liegt, profitiert von Sorg- oder Dalben-Leinen. Hierbei handelt es sich um Tampen, die zu beiden Seiten der Box zwischen Poller und Steg fest eingebunden sind. Sie begrenzen den Liegeplatz und geben Hilfestellung beim Ein- und Auslaufen. Auf ihnen kann man seine Achterleinen ablegen, wenn man lossegelt, um sie nach dem Törn trocken und sortiert wieder aufzunehmen. Das Festmachen kann ohne Hektik erfolgen, denn das Schiff liegt durch die Sorgleinen schon relativ sicher. An ihnen kann man sich entlanghangeln, um das letzte Stück bis zum Steg sicher zu überwinden. Außerdem fungieren sie als Sicherungs-Leinen, wenn das Schiff zu driften beginnt. Denn wer kennt das nicht? Beim Einlaufen hat man die deponierten Festmacher nicht zu fassen bekommen oder es nicht geschafft, die an Bord vorbereiteten rechtzeitig über die Poller zu stülpen. Dann greift man nach den Sorg-Leinen und zieht und schiebt das Schiff zurück in die gewünschte Position.

Sorgleine mit Quer-Leine

Noch komfortabler ausgestattet und besonders empfehlenswert für Einhandsegler ist ein Liegeplatz, dessen Sorgleinen durch eine Quer-Leine miteinander verbunden sind. An ihren Enden sitzen Ringe oder Rollen, die auf den Sorgleinen entlangzulaufen. In der Mitte ist ein weiterer Ring (alternativ eine Schlaufe oder eine Rolle) eingearbeitet, der beim Einlaufen mit dem Peekhaken aufgenommen und über die Mittelklampe gelegt wird. Bewährt haben sich auch Karabinerhaken, die anstelle der Klampe zum Einsatz kommen. Derart auf den Haken genommen, bleibt das Schiff mittig in der Spur und kann unter langsamer Fahrt voraus an den Steg manövriert werden – oder ausb der Box heraus. Die Sorg- und Querleinen geben dem Skipper Zeit, die Festmacher zu greifen und sie in Ruhe zu belegen. Dabei ist es egal, ob man mit dem Steven voraus oder verkehrt herum in die Box einfährt. Wer lieber rückwärts anlegt, montiert den Karabinerhaken oder die Klampe am Heck statt am Bug.

Das Ausbringen der Sorgleinen lässt sich ohne allzu großen Aufwand erledigen. Beachten sollte man allerdings, dass die Leinen auf der richtigen Höhe hängen. Sind sie zu hoch eingebunden, können Relingstützen leicht einmal verbiegen, wenn man mit dem Seezaun gegen die Leinen drückt, sind sie zu niedrig, lassen sie sich schwer greifen oder mit dem Bootshaken aufnehmen. Bei dieser Gelegenheit kann man gleich noch, wenn möglich und erlaubt, offene Haken an den Pollern anbringen. Sie sollten ein gutes Stück oberhalb der Sorgleinen sitzen, damit man von Bord aus gut erreicht, denn an ihnen sollen die Festmacherleinen aufgehängt werden, wenn man zum Segelausflug aufbricht. Diese Art der Festmacheraufbewahrung ist sicherer, als sie über die Sorgleinen zu legen, wo sie leichter runterrutschen.

Anstelle von Tampen können auch Spanngurte verwendet werden. Sie lassen sich dank ihrer Schnallen stufenlos verstellen und mit Hilfe der Ratschen sicher am Dalben befestigen. Entsprechende Sorgleinen-Sets gibt es im Fachhandel.

Fender an den Sorgleinen bieten einen extra Schutz gegen Kratzer im Gelcoat © Silke Springer

Fender aller Art

Fender in den Sorgleinen

Selbstverständlich brauchen alle Yachten an ihrem Liegeplatz Schutz durch Fender. Idealerweise werden sie rechtzeitig vor dem Einlaufen über die Bordwände gehängt, gegebenenfalls durch Bug- und/oder Heck-Fender komplettiert und bleiben dort, bis der nächste Törn beginnt. Bei Liegeplätzen, die mit Sorgleinen aufgerüstet wurden, bietet es sich an, in die Leinen ein paar Extra-Fender einzubinden. Sie ersetzen zwar nicht die fürs Manöver gebotene Sorgfalt und den Einsatz weiterer Fender, sind aber ein guter Erstschutz für die eigene Yacht und fürs Nachbarschiff.

Pfahl-Fender

Für Poller, Pfähle oder Dalben gibt es spezielle Pfahl-Fender, die mit Tampen oder Spanngurten verzurrt werden. Abgesehen davon, dass sie kleinere Rumpf-Berührungen absorbieren, können die Polsterungen auch mal als Puffer dienen, wenn es darum geht, die Yacht um einen Drehpunkt herum in die Box zu schwenken. Bei kleineren Schiffen und in privaten Yachthäfen, wie sie beispielsweise Segelclubs betreiben, reicht es häufig schon, die Poller mit Teppichresten auszurüsten. Hauptsache, die harten Pfähle sind gut abgepolstert. Alles weitere ist eher eine Frage der Optik als der Wirkung.

Ein kleiner Prallschutzfender an der Kopfseite der Box hilft, Macken am Vorsteven zu verhindern © Silke Springer

Prallschutz-Fender

Ähnliches gilt für Steg-Fender, die an die Frontseite der Box montiert werden. Sie dienen als Prallschutz und werden in unterschiedlichen Dicken und Härten angeboten. Das Anbringen ist so einfach wie bei Pfahl-Fendern, mit dem Unterschied, dass hier meist geklebt und geschraubt statt verzurrt wird, es sei denn, anstelle eines speziellen Stegfenders kommt ein normaler, quer vor die Stegfront gehängter Fender zum Einsatz. Oder ein alter Reifen. Beides sind probate Mittel, sich die eigene Box komfortabler zu gestalten, immer vorgesetzt, die Hafenordnung lässt das zu und niemand stört sich an der kreativen Zweckentfremdung. Attraktiver und auch wirkungsvoller sind allerdings richtige Steg-Fender. Sie haben die passende Form, lassen sie sich besser verankern und rutschen bei Berührung nicht weg.

Eck-Fender

Bei Schwimmsteg-Anlagen empfiehlt sich die Montage sogenannter Eck- oder Winkel-Fender, die die äußeren Kanten der Seitenschlengel umfassen. Da Boxengassen in vielen Marinas sehr eng angelegt sind, kann man häufig nicht weit genug ausholen, um im großen Bogen in den Liegeplatz einzulaufen. Bleibt scharfes Abbiegen, verbunden mit der Gefahr, an der Ecke des Schlengels hängenzubleiben oder mit der Rumpfmitte daran entlang zu schrammen. Die dabei entstehenden Macken fallen deutlich schwächer aus oder werden gänzlich vermieden, wenn Polster-Kappen auf den Stegenden sitzen. Auch Eck-Fender werden in der Regel geschraubt oder geklebt.

Ruck-Fender

Auf jeden Fall lohnt es sich, Festmacherleinen mit Ruckdämpfern zu versehen. Durch das Einbinden von Edelstahlspiralen oder Gummiknochen, um die die Leinen gewickelt werden, erhöht sich der Liegeplatzkomfort auf zweierlei Weise: Erstens wird das Einrucken in die Festmacherleinen spürbar abgemildert, zweitens lässt sich das Schiff zum Übersteigen dichter an den Steg heranziehen, weil durch die Wicklung etwas Spiel in die Festmacher hineinkommt.

Auch Ruckdämpfer in den Festmachern tragen zum Wohlbefinden im Hafen bei © Silke Springer

Extra-Tipp

In Revieren mit nahezu gleichbleibendem Wasserstand oder Schwimmstegen kann man sich weiteren Komfort verschaffen, indem man seine Festmacher passgenau ablängt und mit Augspleißen versieht. Lässt man die Leinen angeschlagen an Land, braucht man die Augen nach dem Segeln nur noch über die Klampen zu legen.

Steg-Aufrüstung aller Art

Schwimm-Schlengel

Stege, allen voran die schmalen, seitlich ausgelegten Schwimmschlengel, haben ihre Tücken. Sie haben wenig Auftrieb und geraten in Schwingungen, wenn man von Bord herunterspringt. Bei trockener Witterung lassen sich die Wippbewegungen noch gut ausgleichen. Schwieriger wird es bei Nässe, wenn die Trittfläche glatt und rutschig ist. Abhilfe (natürlich auch auf festen Stegen) schaffen Antirutschmatten, die man im Fachhandel oder im Baumarkt bekommt.

Front-Stege

Auch Front-Stege sind nicht immer hundertprozentig auf Schiff und Crew abgestimmt. Sind sie zu hoch oder ist das Freibord der Yacht so niedrig, dass man den Steg kaum erklimmen kann, sollte man über die Montage einer Steg-Leiter nachdenken.

Liegt der Steg zu tief, hilft ein Tritt. Hierbei ist allerdings zu bedenken, dass viele Marina-Verordnungen deren feste Montage untersagen. Trifft das zu, bleibt die Möglichkeit, anstelle des Liegeplatzes das Schiff zu optimieren.

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