M32-Katamaran getestet: So fährt das Geschoss der Sachs

"Seglerherz in der Hose"

Sven Lindstädt (r) am Steuer des M32 und Oliver Brandt als Trimmer (l) © Julia Bleich

Cat-Segler Sven Lindstädt und Contender-Segler Oliver Brandt haben den neuen M32 Katamaran von Helge und Christian Sach ausprobiert. Sie berichten für SR über ihre Eindrücke.

Sven, Oli, Ihr hattet beide schon die Chance auf dem M32 von den Brüdern Sach mitzusegeln. Wie seid ihr dazu gekommen?

Sven: Oli und ich sind beide begeisterte Segler und werden natürlich von so einer Maschine wie der M32 magisch angezogen. Wir sind als Dienstleister in Travemünde gewesen. Oli als Spezialist für Beschriftungen und ich als Segelmacher. Einige Stautaschen müssen noch ergänzt werden.

Gebogenes Schwert, Wanten mit Lasching am Rumpf befestigt. © Julia Bleich

Olli: Wir hatten das Glück, dass wir uns nach einer Gästefahrt selbst aufspringen durften. So konnten wir einen kurzen Schlag segeln und uns ein Bild über den M32 machen. 

Was ist Euer erster Eindruck?

Oli: Optik – wow. Imposante Dimensionen: die Breite von über 6 m, der Carbon Mast mit 17 m Länge, das breite Square Top-Gross, die gebogenen Schwerter. Ein echter Eye-Catcher.

Sven: Der Speed und vor allem die Beschleunigung mit den Fliehkräften bei Kurswechseln sind überwältigend. Eine echte Rakete (grinst breit).

Oli: Es ist schon faszinierend, wie der M32 die 5-7 Knoten Wind in geschätzte 12 Knoten Speed umwandelt. An gestandenen schnittigen Kielyachten über 12 m sind wir vorbeigeschossen, als würde sie ankern.

Ist der M32 schwierig zu segeln?

Sven: Der Kat lässt sich bei den 1,5 bis 2 Windstärken, die wir hatten, sehr leichtfüssig steuern. Fast wie ein F18, aber in den Dimensionen um ein Vielfaches größer. Gewöhnungsbedürftig war für mich, die Windkante zu treffen. Es ist schon sehr viel einfacher, wenn man ein Fockvorliek hat, das einfällt, als ein durchgelattetes Gross, was kaum Regung zeigt. Hilfreiche Elektronik soll da noch an Bord kommen.

Winschkurbel am Mast für die Bedienung des Vorliek-Streckers. © Julia Bleich

An und Ablegen muss wohl bedacht durchgeführt werden. Gut ist es, einen Tender zu haben, um die Aktionen im Hafen zu reduzieren. Ohne Fock und Fahrt voraus ist das Handling reduziert, adrenalinfördernd und damit gewöhnungsbedürftig.

Oli: Jetzt hatten wir nur eine kleine Feierabendbrise: Unter Gennaker ist der M32 ausgewogen zu steuern. Echt lässig, wenn er das Bein hebt, dann geht die Post ab – kein Brummen, nur Beschleunigung … wie auf Schienen. Alles ist wunderbar leichtgängig. 

Was ist das Geheimnis des M32?

Sven: Das niedrige Gewicht von 480 Kilo für die große Konstruktion gegenüber einer Segelfläche von 120 Quadratmeter mit Gennaker für dieses Geschoss ist der Wahnsinn. Das muss schnell sein.

Oli: Ganz klar, die coole Optik und die Dimensionen.

Ist der M32 nun eines der schnellsten Segelfahrzeuge in Deutschland?

Olli: Sicher gehört der M32 dazu. Aber an den Topspeed muss sich sicher langsam herangetastet werden. Der M32 lässt sich sicher nicht so leicht aufrichten wie ein Conti.

Sven: Es gibt nun schon einige Segelfahrzeuge die Geschwindigkeiten über 20 Knoten fahren können, allen voran die Motten, die das schon bei 3 – 4 Bft tun. Interessant wäre es sicher, wenn der Cat vom Bodensee mit den Tornado-Brüdern Mittelmeier, Roland Gäbler mit seinem Extreme40 und eine Motte aufeinandertreffen würden.

Christian Sach (stehend) assistiert dem Test-Steuermann Sven Lindstädt. © Julia Bleich

Hey, das wäre schon ein SR-Event. Das greife ich auf – vielen Dank ! Was sagt Ihr zur Konstruktion?

Sven: Echt klasse, was Göran Marström da mit seinen Mannen aus Karbon gebaut hat. Eine Augenweide das Finish und es ist wie bei seinen Tornados gearbeitet worden – optisch perfekt. Die Plattform von knapp 10 m Länge und 6,5 m Breite hat die Dimension eines Bigboats. Die Riggkräfte, die da wirken, sind auch entsprechend. Aber alles ist ganz einfach, effektiv und funktional gehalten. Die Wanten sind z.B. nur mit Laschings befestigt.

Oli: Das Cunningham wird über eine Winsch getrimmt. Auch der flache Gennaker. Da entstehen bei steigenden Windgeschwindigkeiten wohl enorme Kräfte. Für einen der keine Cat-Erfahrung hat, dem rutscht sein Seglerherz in die Hose, wenn der M32 seine Kufe hebt und er 3 – 4 m über den Wellen dahinfliegt.

Möchtet Ihr den M32 auch mal bei 5 – 6 Beaufort  erleben?

Oli: Das Groß hat zwei Reffreihen, das müsste gehen, wäre Thrill hoch 3 und ein paar DK-Kronen sollte man immer dabei haben um ein paar Pölser in DK als Snack zwischendrin bezahlen zu können.

Sven: Interessieren tut es mich schon sehr, aber ich habe davor großen Respekt. Meinen alten Eishockeyhelm bringe ich bestimmt mit.

 

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Andreas John

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4 Kommentare zu „M32-Katamaran getestet: So fährt das Geschoss der Sachs“

  1. avatar John sagt:

    Ihr könnt da noch den diesjährigen Rund Um-Gewinner mit antreten lassen. In diesem Jahr ist dieser Katamaran von SL33 und Ventilo M2 soweit ich weiß nicht gesegelt bezwungen worden.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 8 Daumen runter 0

  2. avatar Tino Mittelmeier sagt:

    Der M32 sieht Top aus! Typisch Marstrom…
    Ein direkter Vergleich mit dem SL33 und dem X40 wäre sicherlich sehr spannend. Ich würde mich über einen gemeinsamen Schlag freuen!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 0

  3. avatar Ernesto Bertarelli sagt:

    Na da bin isch doch auch dabei!

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  4. Pingback: Mirsky och Lööf testar Marström 32 | BLUR

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