Maxi-Yacht-Design: 73 Meter Sloop soll Superreiche den Elementen näher bringen

Eins mit der Natur?

Superyacht, Megayacht, Design

Liegeplatz mit Unterwasser-Beleuchtung. © visual: AltSpace

Neues aus dem Innenleben der Superyachten: Viel Glas, ein Pool mit intimem Decksbereich für den Eigner, aber null Ökologie. Ist das noch zeitgemäß?

Mit den Super- und Maxiyachten ist das immer so eine Sache. Wenn man als Normalsterblicher sozusagen in den vermeintlich göttlichen Olymp des Yachtdesigns und Schiffbaus Einblick erhält, ist man ja schon aufgrund der gewährten Gnade völlig geplättet.

Wohl wissend, dass man niemals oder nur nach Überwindung maximalhoher Hürden an Bord solcher Yachten gebeten wird. Also kann sich der Interessierte schon glücklich schätzen, wenn er einen Blick auf die Baupläne, Risse, Designstudien und Renderings dieser schwimmenden Mega-Luxus-Werke werfen darf. 

Superyacht, Megayacht, Design

nice to have © AltSpace

Dass diese letztendlich dann auch für unsereinen durchaus den einen oder anderen Grund zum Träumen bieten, liegt nicht zuletzt an den täuschend echten „Visuals“, die aus Computer-Renderings regelrechte Kunstwerke machen. Auf denen man mitunter erst nach dem dritten Blick feststellt, dass sie nichts anderes als den Schein wahren und unsereinem vorgaukeln, wie es „in echt“ aussehen könnte.

Risse, die tatsächlich gebaut werden

Wie weit sich Malcom McKeon mit seiner Yachtdesign-Crew von den gängigen und durchaus etablierten Rissen in der Super- und Megayachtszene entfernt, haben wir bereits mehrfach auf SR dargelegt – zuletzt anhand der neuesten Kreation MM725 (SR-Bericht)

Der britische Designer zeichnet sich in der an Talenten und vor allem Visionären nicht gerade armen Szene als kreativer und mutiger Querulant aus. 

Unter anderen ist es ihm zu verdanken, dass sich segelnde Superyachten in Form und Funktionalität wieder dem Wasser nähern. McKeons Designs sehen im Vergleich zu vielen anderen Ü-50-Meter-Booten wieder deutlich mehr nach „Segeln“ und „Yacht“ aus, als so manch anderes dieser Spielzeuge für Milliardäre. 

Superyacht, Megayacht, Design

Vater und Sohn McKeon auf “Missy” – Family-Affair © mckeon

Ein weiterer Aspekt, mit dem McKeon punktet: Seine Risse und Designs bleiben nicht nur eine träumerische Fiktion, sie werden durchaus auch realisiert. Mehr als 200 Yachten, die weltweit unter Segeln unterwegs sind, stammen aus seiner Feder respektive Maus. 

Was nicht zuletzt auch daran liegen mag, dass Agentur-Gründer und Namensgeber Malcolm McKeon seit jeher auf Regatten anzutreffen ist, wo er gemeinsam mit seinem Sohn und Nachfolger von ihm entworfene Yachten gerne selbst steuert. Wie etwa zuletzt bei der St. Barth Bucket auf der 33-Meter-Yacht „Missy“. 

Doch zurück zur MM725. Das Konzept bzw. die Designstudie der 73-Meter-Yacht wurde – Aufbau eines Spannungsbogens ist eines der wichtigsten Verkaufsmittel in der Superyachtszene – nun mit einigen Details aus ihrem potentiellen Innenleben ergänzt. 

Eins mit der Natur ohne Ökologie?

Unter dem Motto „Einssein mit der Natur/One-with-nature“ soll die Sloop später ihre Eigner und deren Gäste den Elementen näher bringen. Dies wird u.a. mit herunterklappbaren Balkons geschehen, auf denen man sich offenbar den Wind etwas zünftiger um die Nase wehen lassen kann. 

Superyacht, Megayacht, Design

Formen zum Verlieben © AltSpace

Schon bei der ersten Vorstellung des MM725-Konzeptes unterstrich McKeon die Dringlichkeit, mehr natürliches Licht ins Innere von Superyachten zu bringen. Was sich auf der MM725 u.a. in großzügigen Glasflächen äußert, die allerdings auch strukturelle Probleme für die Designer mit sich bringen.

Superyacht, Megayacht, Design

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Als zentrales Innendesign-Element bestückte McKeon daher den gesamten Salon mit gebogenen Glaspaneelen. 

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© AltSpace

Überhaupt seien alle Innenräume funktional und segelfreundlich gehalten, wird auf der Website des Designstudios mitgeteilt. Was unschwer etwa an den übergroßen Sofas im Essbereich zu erkennen sei ( Anm.: wer sich vom Esstisch im Seegang beispielsweise seekrank erhebt, kann sich gleich auf den Sofas in die Horizontale begeben  🙂 )

Superyacht, Megayacht, Design

© AltSpace

Die Klappbalkone auf jeder Seite der Superyacht sollen ein stilvolles Ambiente schaffen, wenn die Yacht vor Anker liegt. Ein eher minimalistisches Lounge-Ambiente „trägt“ das stilvolle Interieur hinaus auf den Balkon, sozusagen an die frische Luft. 

Superyacht, Megayacht, Design

© AltSpace

Haben wir schon erwähnt, dass diese Superyacht einen beleuchteten Swimmingpool bietet, der zusammen mit dem abgesenkten Außen-Lounge-Bereich eine (Zitat) „perfekte Decks-Oase“ bildet. Viel Lage darf so eine Yacht dann aber nicht fahren am Wind – es sei denn, es handelt sich um einen Salzwasser-Pool. 

Superyacht, Megayacht, Design

© AltSpace

Aufgrund der Steuerstände auf der Flybridge hat der Eigner später die nötige Distanz zum Personal. Sein „Reich“ liegt im Heckbereich, vor den Beach-Decks mit direktem Zugang in die Eigner-Suite. Auch hier wieder zu erkennen: mannshohe Glasflächen, die in die Struktur der Aufbauten übergehen.  

Eine Innovation, die das Segelhandling betrifft, scheint vielversprechend. Die riesigen Gennaker sollen sich automatisch auf eine Rolle unter Deck wickeln lassen. MM725 wird über einen Hubkiel verfügen und ein in den Baum einrollbares Fathead-Großsegel.

Nah am Wasser

Allen ironischen Anmerkungen zum Trotz, kann man aus solchen Superyacht-Konzepten auch für den Bootsbau der „Normalos“ einiges lernen. 1. Glas als Design-Element etabliert sich – auch bei den unweigerlich damit verbundenen Strukturproblemen. 2. „Klassische“ Bootsformen RELATIV nah am Wasser, die per se eine gute Segelperformance versprechen, sind weiterhin angesagt. 

Unverzeihlich jedoch, dass in dieser Superyacht offenbar keine ökologischen Aspekte zum Tragen kommen. Weder ein Hybrid- noch Elektro-Motor-Antrieb wurden vorgesehen, es gibt keine Informationen zu „alternativen“ Baumaterialien (etwa für den Innenausbau). Was unterm Strich dann doch wieder zählt, sind Pomp und Gloria. 

Da wirkt die „One-with-nature“-Philosophie, unter der die Konzeption der MM725 entstand, fast schon wie Hohn. Aber was noch nicht ist, kann ja bei einem zukünftigen Eigner mit dem gewissen Sinn fürs Grüne noch werden. 

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Michael Kunst

Näheres zu miku findest Du hier

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