Meeresspiegel-Anstieg: NASA findet riesiges Antarktis-Loch – Dramatische Eis-Schmelze

Alarmierende Details

Haben wir schon bald weit mehr Wasser unter dem Kiel als ohnehin befürchtet? In der Antarktis fanden Forscher der NASA unter einem Gletscher einen gigantischen Hohlraum, wo das Eis weggeschmolzen ist. Auswirkungen auf den Meeresspiegelanstieg gravierend sein dürften.

Der Thwaites-Gletscher im Marie-Byrd-Land © NASA/OIB/Jeremy Harbeck

Der Thwaites-Gletscher liegt im Marie-Byrd-Land in der Westantarktis. Er ist mit 182.000 Quadratkilometern etwa so groß wie der US-Bundesstaat Florida und gehört zu den am schwersten zu erreichenden Orten der Erde. Auch daran dürfte es wohl liegen, dass in seinem Inneren unbemerkt ein riesiges Loch entstehen konnte. Forscher der NASA entdeckten es erst jetzt mithilfe eines Eis durchdringenden Radars. Sie hatten eine großangelegte Untersuchung zum Zerfall der Gletscher gestartet.

14 Milliarden Tonnen Eis geschmolzen

Mitautor der neuen NASA-Studie Eric Rignot berichtet: „Wir vermuten seit Jahren, dass Thwaites nicht fest mit dem Untergrund verbunden war. Dank einer neuen Generation von Satelliten können wir endlich Details sehen.“

Der wachsende Hohlraum (rote Masse, Mitte) wirkt sich auf die Oberflächenhöhe des Gletschers aus © NASA/JPL-Caltech

Und die sind erschreckend: Der entdeckte Hohlraum ist in etwa so groß wie zwei Drittel der Fläche des New Yorker Stadtteils Manhattan und 300 Meter hoch. 14 Milliarden Tonnen Eis hat er einst enthalten. Das meiste davon sei in den letzten drei Jahren geschmolzen, so die Nasa Ende Januar in einer Mitteilung. Diese enorme Größe und „explosive Wachstumsrate“ hätte auch die Wissenschaftler überrascht.

Folgen noch ungewiss

Nun gelte es herauszufinden, wie der Schmelzvorgang den Meeresspiegelanstieg beeinflusse. „Die Größe eines Hohlraums unter einem Gletscher spielt eine wichtige Rolle beim Schmelzen“, erklärte Pietro Milillo, Hauptautor der Studie. „Wenn mehr Wärme und Wasser unter den Gletscher kommt, schmilzt er schneller.“

Die bisher verwendeten alten Modelle sind von statischen Hohlräumen ausgegangen. Deshalb haben Forscher offenbar unterschätzt, wie schnell Thwaites tatsächlich Eis verliert. Die Ergebnisse der neuen Studie, so die NASA, würden deshalb die Notwendigkeit detaillierter Beobachtungen der Unterseiten der antarktischen Gletscher verdeutlichen. „Nur dann kann wirklich berechnet werden, wie schnell der globale Meeresspiegel infolge des Klimawandels steigen wird.“

Schmilzt der Thwaites-Gletscher vollständig weg, das wissen die Forscher schon heute, wäre ein Meeresspiegelanstieg von 65 Zentimetern die Folge. Aber damit nicht genug: Durch die dann fehlende stabilisierende Wirkung, die Thwaites auf andere Gletscher hat, könnten im Falle ihres vollständigen Abschmelzens die Situation noch dramatischer werden.

Im schlimmsten Fall der globalen Erwärmung soll die Eis-Schmelze bis 2100 zu einem erhöhten Wasserspiegel von 80 Zentimeter führen. In einer im Januar veröffentlichten Studie heißt es sogar, dass dieser Anstieg im 21. Jahrhundert einen Meter erreichen kann.

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