Meeresverschmutzung: Ocean CleanUp setzt System 001 im Pazifik aus – wird es durchhalten?

Nach der Theorie die Praxis

Wie wird sich das System verhalten? Klappt das Einsammeln des Plastiks im Meer wie vorgesehen? Hält das System 001 den schwierigen Meeresbedingungen stand?

Für Boyan Slat und sein Ocean CleanUp-Team wird es ernst: Am 8. September soll das erste Ocean CleanUp-Müllsammelsystem von San Francisco aus 500 km weit in den offenen Pazifik gezogen werden. Endlich, möchte man sagen, denn die Zeit der Planung, Prototypen-Konstruktion, erster Tests vor der holländischen Küste und letztendlich die Konstruktion von Baunummer 001 nahm mehr als fünf Jahre in Anspruch (SR-Berichte).

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Das System 001 beim Zusammensetzen in der Bucht von San Francisco © ocean CleanUp

Begleitet von einer ungewöhnlich großen Medienaufmerksamkeit, einem beratend aktiven, niederländischen Umweltministerium und einer engagierten Fan-Gemeinde, die über Crowdfunding die finanziellen Grundlangen für OceanCleanUp legte,  schaffte es der heute 24-jährige Niederländer Boyan Slat aus einer anfänglich wie ein Hirngespinst wirkenden Idee eine konkrete Unternehmung zu machen.

Boyan Slat als 20-Jähriger vor Plastikmüll aus den Ozeanen © OceanCleanUp

Allein der so entstandene  Aufmerksamkeitswert für das gigantische Plastikmüllproblem, das wir unseren Ozeanen zumuten, ist bereits eine enorme Leistung. 

Bald 50 % weniger Müll im Strudel?

Doch nun soll es mit dem ersten OceanCleanUp-System also konkret werden. Nach 273 maßstabsgetreuen Modelltests, sechs Prototypen auf See, einer umfassenden Kartierung des Great Pacific Garbage Patch (GPGP) – dem enormen Müllstrudel im nördlichen Pazifik – mit 30 Schiffen und einem Flugzeug kommt nun Ozeanreinigungssystem 001 zum Einsatz. 

Sollte dieser erste, über mehrere Monate andauernde Test und Realbedingungen erfolgreich sein, wird das System schon im nächsten Jahr im Müllstrudel ausgesetzt. Weitere Systeme sollten folgen – im Idealfall können 60 dieser bis zu 600 Meter langen Schläuche allein im GPGP eingesetzt werden. Als „Berufsoptimist“ spricht Boyan Slat von einer möglichen Reduzierung des Müllstrudels um bis zu 50 Prozent schon innerhalb weniger Jahre. 

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So soll 001 arbeiten © Ocean CleanUp

Im Video oben erklärt Slat die drei größten Herausforderungen und Risiken, die das Ocean CleanUp-System in den kommenden Wochen und Monaten bewältigen muss. Nach der Theorie, die Praxis… 

  1. Wie wird sich das System verhalten? Wird es mit dem Wind und den Wellen so treiben, dass sich das Schlauchsystem schneller als der Plastikmüll bewegt und denselben somit einfangen? Wird sich das System wie vorgesehen mit dem Wind drehen? Und wird es immer die nötige U-Form beibehalten?
  2. Der zweite wichtige Faktor wird das „Zusammenspiel“ zwischen System und Plastik sein. Wird der Ocean CleanUp-Schlauch tatsächlich das Plastik so aufsammeln wie theoretisch angenommen und in Mastabs-Tests vorgezeigt? Und vor allem: Wird das gesammelte Plastik hinter der Barriere verbleiben, bis die Sensoren „Volle Ladung“ an Land melden und ein Müllboot das System anfahren wird, um das Plastik aufzunehmen und an Land zu bringen?  Dies bezeichnet Slat als die größte Herausforderung für System 001. 
  3. Kann das Ocean CleanUp-System überhaupt in den unwirtlichen Bedingungen auf See bestehen? Wurden die richtigen Materialien eingesetzt, um Salzwasser, riesigen Wellen und brachialen Stürmen Paroli zu bieten? 

Und die Fische? Und die Wale?

Das System als solches erklären die Ozean-Reiniger nochmals anschaulich im zweiten Video. Dabei wird u.a. deutlich, dass sie auf eine Art Strömungssystem vertrauen, das Fische und Meeressäuger unter der „Barriere“ hinweg geleiten soll. In den vergangenen Jahren war eines der stärksten Argumente gegen die Ocean CleanUp-Müllsammelbarriere – geäußert auch von Naturschutzverbänden und Tierschützern – dass sich neben dem treibenden Plastik eben große Fische, Schildkröten, Delfine und Wale hinter der Auffangbarriere des Ocean CleanUp-System verfangen könnten. Meeresfauna-freundlich oder tödlich für Fische und Wale? Nur die Praxis kann dies klarstellen… 

Es ist wie so häufig bei „großen Ideen“, die aller Welt zunächst völlig „durchgeknallt“ vorkamen und die danach unser Lben nachhaltig verändert und in vielen Fällen vereinfacht haben. Bei den ersten Eisenbahnen dachte man noch, dass unsere Lungen bei Geschwindigkeiten von über 40 km/h platzen würden, von den ersten Flugzeugen war man überzeugt, dass sie nie fliegen würden, beim ersten PC fragte man sich noch, wer das Ding kaufen soll, Elektrizität wird bis heute für eine Menge Krankheiten verantwortlich gemacht…

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So soll das nicht verankerte, also treibende System auf den Ozeanen aussehen © ocean CleanUp

Unterm Strich kann jetzt schon gesagt werden: Ganz egal , ob und wie Ocean CleanUp-System 001 in den Weiten des Pazifiks seine Aufgabe bewältigen wird – was Boyan Slat und sein Team bisher geleistet haben, ist viel mehr als nur ein Anstoß zur Reinlichkeit in den Meeren. Sondern schlicht ein Schritt in die richtige Richtung: handeln, statt lamentieren. 

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Michael Kunst

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