Megayachten: Huisman baut die längste Slup der Welt – 85 m wenig „sauberer“ Luxus

Lang, länger, Apex

Das Vordeck wie ein Fußballfeld, schneller als der Wind dank 4.700 qm Segelfläche vor dem Wind und ein 250 qm großes Eigner-Loft. Doch warum muss die Slup aus Aluminium sein? 

85 durchaus ansehnliche Meter © huisman

In Zeiten wie diesen ist es nur schwer vorstellbar, dass es noch Menschen gibt, die ganz offensichtlich nichts von einem gewissen Trend vernommen haben. Einem Kurs, in dem eher Zurückhaltung als Pomp und Proporz die Richtung vorgeben. Einem Stil, der nichts mit „je größer, desto besser“ oder „je teurer, desto wertvoll“ zu tun hat. 

Oder um es anders zu formulieren: Ist es okay, in Zeiten, in denen wenige Superreiche unvorstellbare Vermögen horten während ein großer Teil der Menschheit weit unter der Armutsgrenze lebt, eine Segelyacht zu bauen, die an Extravaganz kaum zu überbieten ist? Eine Yacht, die größtenteils aus Materialien bestehen wird, die längst auf der Ressourcen-Indexliste ganz weit oben stehen? 

Neue Sphären

Doch bleiben wir bei unserer essentiellen Aufgabe: Information. Die niederländische Werft Royal Huisman und der Designer Malcolm McKeon gaben kürzlich bekannt, dass sie den verbindlichen Auftrag für den Riss und Bau einer 85 m-Superyacht erhalten haben. Ein Yacht, die offenbar eine „neue Dimension des Schiffbaus“ erreichen und seine Eigner in völlig neue Segelsphären entführen will. 

Beach-Club im Heck – für alle, die näher am Wasser sein wollen und Laser-Segeln doof finden © huisman

Tatsächlich ist die Apex 850 zumindest auf dem Bildschirm ein faszinierendes Objekt unter Segeln, dem man sich als Segler kaum entziehen kann. Seit jeher ist die niederländische Werft Huisman „zuständig fürs Große“ – unter den zehn größten Megasegelyachten der Welt entstanden bisher zwei in der niederländischen Werft. Mit der (dann) weltweit längsten Slup „Apex 850“ soll eine dritte Huismann-Yacht in die Längsten-Kategorie aufgenommen werden.

Nach Angaben der Werft soll die Einmaster-Monorumpf-Yacht für einen „ambitionierten Eigner gebaut werden, der technische und seglerische Grenzen verschieben möchte.“

Für die standesgemäße Weltumseglung

Was dieses Megayacht-Konzept zunächst einmal sympathisch macht, ist seine Zielsetzung. Im Gegensatz zu gewissen anderen Megayachten soll die „Apex 850“ tatsächlich lange Strecken segeln und nicht nur unter Motor von Bucht zu Bucht bummeln. Und diese seglerische Ambition möchte man gleich auf den ersten Blick gerne glauben: Die lang gezogenen Linien, der fast schon schlank anmutende Rumpf, das riesige Vordeck und überhaupt die gesamte Flushdeck-Erscheinung sowie die ganz offensichtliche Übertakelung  (Segelfläche, Rigg) machen die Yacht zu dem, was sie eigentlich sein soll: Eine SEGELyacht. 

Schon mal gleich ein Bild im Facebook-Stil produziert: Die Apex 850 unter Segeln. Die Drohne muss dann später für so ein Foto auf über 107 m Höhe steigen ª © huisman

Angeblich ist die „Apex 850“ auf einfaches Handling bei maximaler Performance ausgerichtet. Sagenhafte 4.700 qm Segelfläche werden vor dem Wind an dem einen Rondals Mast-Rigg-Paket hängen. Übrigens wird die Masthöhe mit 107 m angegeben – höher als die Freiheitsstatue.

Nach Aussagen der Werft könne man vor Ehrfurcht niederknien, wenn das 2.800 qm große Code-Segel  aufgerollt und „ohne geringstes Drama“ unter Deck gezogen wird. Wo es dann gleich für den nächsten Einsatz bereit sein wird.

“Ihr aufholbarer Kiel, die so optimierte Gewichtsverteilung und der begrenzte Krängungswinkel werden Stabilität, Komfort und Sicherheit für alle an Bord bieten”, erklärt Konstrukteur Malcolm McKeon in einem seiner zahlreichen Online-Interviews. “Die zwei Ruder ermöglichen eine schnelle Reaktion auf das Fly-by-Wire-Steuerruder“. Das Handling der 85 m-Yacht soll so ausgerichtet derden, dass der Steuermann ohne weitere Hilfen Wenden fahren kann.

Man beachte den Steuerstand © huisman

Die Segel werden mit elektrischen Systemen in wenigen Minuten gehisst und Etmale von 20 kn unter Segeln sollen Standard werden. Konstrukteur McKeon ist sich zudem sicher, dass die „Apex 850“ in den meisten Wettersituationen „schneller als der Wind“ sein wird. 

250 qm Eigner-Suite

Kommen wir zum luxuriösen Teil der Yacht. Speziell modellierte Außenmöbel sollen eine außerordentliche Ambiance kreieren. Ein 50 qm großer „Beach-Club“-Bereich auf dem Heck ist im Heck für all’ jene gedacht, die eine wirklich enge Beziehung zum Meer pflegen. Unter Deck befinden sich dort standesgemäß auch alle Spielzeuge, die man auf Megayachten eben so braucht. Vom erwähnten Beach-Bereich aus haben die Eigner Zugang zu ihrer Suite, ein 250 qm großes Loft mit Fenstern in voller Höhe auf jeder Seite der Kabine. Nur für den Fall, dass man den Sonnenaufgang vom Bett aus genießen möchte. 

Über Platzmangel wird sich der Eigner bestimmt nicht beschweren © huisman

Weiter vorne bieten vier Suiten Platz für insgesamt bis zu zwölf Gäste. Was die Ausstattung betrifft: Insgesamt wird beim Innendesign häufig das Wort „minimalistisch“ in den Mund genommen. Was gerne als Synonym für „wenig, dafür aber richtig teuer“ gehandelt wird. 

Warum Aluminium?

Apropos „teuer“. Was die Umwelt wirklich teuer zu stehen kommen wird, ist das Material, aus dem Rumpf und Deck der „Apex 850“ bestehen werden. Ausgerechnet Aluminium, eines der umweltschädlichsten Materialien, die im Schiffsbau Verwendung finden, war die Wahl des Konstrukteurs und des zukünftigen Eigners. Ganz zu schweigen von den Karbon-Rudern und Karbon-Anteilen im Mast und in großen Teilen des Innenausbaus und der Inneneinrichtung.

Netter Vergleich © huisman

Klar, diese Yacht ist auf dem Bildschirm (und garantiert auch später in Natura) eine Augenweide und rein optisch bestimmt ein Objekt der Begierde. Doch sei hier die Frage erlaubt: Wann taucht in der Superyacht-Szene endlich ein Superreicher auf, der sich nicht mit der größten oder schnellsten Yacht brüsten will, sondern mit der ersten Megayacht, die nachhaltig im Sinne von ökologisch und fair gebaut sein wird? Wäre doch auch mal „mega“, oder?

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Michael Kunst

Näheres zu miku findest Du hier

3 Kommentare zu „Megayachten: Huisman baut die längste Slup der Welt – 85 m wenig „sauberer“ Luxus“

  1. avatar Schlauchfuchs sagt:

    Alu kann man wenigsten recyclen… Mal ‘ne pragmatische Frage: Wie kommt der Steuermann eigentlich bei Lage auf die andere Seite? Hat der Spikes unterm Schuh?

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  2. avatar batteliere sagt:

    Ich verstehe die Aufregung des Autors über das Baumaterial nicht. Schlaufuchs hat recht, Alu ist beliebig oft und ohne qualitätsverlust recycelbar. Carbon- bzw Glasfaservebundstoffe sind schlicht Sondermüll. Richtig ist, dass der Energiebedarf zur Aluminiumgewinnung extrem hoch ist (Elektrolyse), da müsste man dann genauer hinschauen wo die Energie herkommt, und dass der Bauxit-Abbau in Südamerika und anderswo unter teils sehr fragwürdigen Bedingungen passiert. Ob für diesses Schiff überhaupt “virigin” Aluminium eingesetzt wurde, steht leider nicht im Text. Es gibt bereits heute Stoffkreisläufe in relevantem Maßsstab für diverse Aluminium-Legierungen.
    Dass so ein Projekt hedonistischer Größenwahn ist, bedarf ohnehin keiner Erwähnung.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 8 Daumen runter 2

  3. avatar PL_andreas002 sagt:

    Ich fände es tatsächlich gut, wenn der Autor bei seiner “essentiellen Aufgabe: Information ” bliebe und mich nicht über richtiges Verhalten beim Bootsbau belehren wollen würde.
    Die Informationen selber sind sehr interessant.

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