Meinung Huisman Maxis im Doppelpack – “für das Beste aus zwei Welten”. Geht’s noch?

Verpasste Chance

 

© Royal Huisman

Wer in der Megayacht-Szene in Zukunft „hip“ sein will, geht gleich mit zwei Yachten auf Törn – eine Motor- und eine Segelyacht. Passt das Huisman-Projekt Lotus noch in Zeiten wie diese? Ganz und gar nicht – meint miku. 

Zugegeben, wir sind hier bei SegelReporter der Super- und Megayacht-Szene keineswegs abgeneigt. Wenn wir uns auch manchmal fragen, ob es denn überhaupt keine Limits mehr gibt bei den Kosten und Abmessungen – Hunderte Milliönchen für eine Yacht auszugeben, liegt eben jenseits des Vorstellungsvermögens von Menschen, die mit normalen Gehältern auskommen (müssen).

Dennoch kann man auf den Yachten, vor allem bei den modernen Bauten der letzten Jahre, mitunter Wegweisendes in Sachen Design, Technik oder manchmal sogar auch Umwelt (Hybridmotoren, Solarpanels auf Segeln und Masten etc.) für eine ganze Szene finden.

Es keimt mitunter sogar die Hoffnung auf, dass man in Zukunft unter den Megareichen zumindest ein wenig Zurückhaltung in Form von kleineren Yachten und umweltverträglicherer Technik  erwarten darf.  Manche Projekte sahen auf dem Bildschirm fast schon nach Understatement aus.

Zwei Boote – ein Törn

Doch was  die im Megayacht-Bereich erfolgreiche, niederländische Werft Royal Huisman derzeit promotet, ist gelinde gesagt befremdlich. Mit dem Projekt „Lotus“ soll „das Beste aus den beiden Welten der Motor- und Segel-Superyacht-Szene geboten werden.“ 

© Royal Huisman

Nun könnte man denken: „Okay, das ist nix anderes als Werbung für einen weiteren Motorsegler oder Segler mit fetter Motorunterstützung, auf dem sich die Reichen und Schönen auf mehreren Etagen sonnen oder im Bord-Pool verlustieren können, während die 20-köpfige Crew das Schiffchen auf Kurs hält.“ 

Doch weit gefehlt – Huisman meint es ernst: Beim Projekt „Lotus“ kauft man eine Segel- UND eine Motoryacht. Superyachten im Doppelpack – ob es einen Mengenrabatt gibt, ist nicht bekannt. 

Klimawandel? Stimmt, da war doch was! 

Als gebe es keinen Klimawandel, als hätten wir Ressourcen ohne Ende, als wären Emissionen insbesondere bei den großen Motoryachten noch nie ein Thema gewesen, bietet Huisman interessierten Superreichen mit „Lotus“ ohne mit der Wimper zu zucken an, statt mit einer, gleich mit zwei Superyachten auf Törn zu fahren. 

Denn das nahezu Paradoxe am Projekt „Lotus“ ist der gleichzeitige Einsatz beider Yachten. Also nicht „segeln wenn die Winde wehen und Motorboot fahren, wenn sich kein Lüftchen regt“. Nein, es ist vorgesehen, dass die 70 Meter lange Explorer Motoryacht und die 88 Meter lange Segelyacht mit Dyna-Rigg immer im Duo unterwegs sein werden.

Mit einer perfekten Abstimmung der beiden Boote untereinander sei gewährleistet, dass “ein völlig neues Maß an persönlicher Freiheit und Flexibilität“ möglich werden, um „das Beste von allem zu genießen, was eine Superyacht zu bieten hat”, so die Werft.

Begleitboot und Mutterschiff

So könne man etwa die Motoryacht als „Mutterschiff“ einsetzen, wenn die Segelyacht bei Regatten um Trophäen kämpft. Entsprechend wird die Explorer als Begleityacht bezeichnet – schon klar, Beiboot würde bei einer Rumpflänge von 70 Metern eher lächerlich klingen.

© Royal Huisman

Nein, die Explorer Motoryacht soll in erster Linie Raum für die Tender, Autos, das ganze Spielzeug wie Jetski etc. bieten. Bei Bedarf können auch ein U-Boot, Segel-Motor-Flieger oder ein Hubschrauber verstaut werden. All’ die wichtigen Dinge, die man bei einem anständigen Törn einfach mit sich führen muss und die auf einer Mega-Segelyacht nun mal nicht optimal untergebracht werden können. 

Und auch die Last mit dem Personal hat man so besser im Griff: Wer gerade Freiwache auf der Segelyacht hat, könnte aufs Motorboot übersetzen. Was vielleicht sogar nicht nur für mehr Ruhe der Eigner und deren Gäste am Swimmingpool der Segelyacht sorgen, sondern auch der Freiwache entgegen kommen könnte. 

Verpasste Chancen

Selbst die angekündigten „innovativen, alternativen Technologien zur Energiegewinnung an Bord“ wie beispielsweise Solar-Panels am Mast, sind letztendlich nur ein schwacher Trost. Und dass Huismann offenbar “überwältigend positive” Rückmeldungen erhalten habe, nachdem man das Projekt auf der Monaco Yacht Show vorgestellt hatte, gibt zumindest zu denken. 

© Royal Huisman

In Zeiten, da sich immer mehr große Industriezweige ernsthafte Gedanken über geeignete Maßnahmen zum Schutz des Klimas und für mehr Nachhaltigkeit machen, vergibt die Megayacht-Branche mit Projekten wie „Lotus“ gute Chancen, tatsächlich Zukunftsweisendes auf den Markt zu bringen. Aber vielleicht ist das von Menschen, die von Luxus und Gigantomanie leben, auch ein bisschen viel verlangt.

avatar

Michael Kunst

Näheres zu miku findest Du hier

2 Kommentare zu „Huisman Maxis im Doppelpack – “für das Beste aus zwei Welten”. Geht’s noch?“

  1. avatar Karl Fröhlich sagt:

    Das Konzept von einem Mutterschiff und einem Begleitboot in ähnlicher Größe ist ja keineswegs ein neues Konzept. Die Dame Werft baut begleitschiffe für Luxusyachten und das im großen Stil. Etwas befremdlich ist es natürlich, wenn einem der Platz auf einer Segel yacht nicht reicht, die Platz für dutzende Gäste und Massen an Crew bietet, aber Huisman jetzt als Urheber dieses Konzeptes darzustellen halte ich für falsch. In dem Beitrag wird nicht erwähnt, dass die Idee von zwei sich ergänzenden Yachten absolut nichts neues ist.

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 4 Daumen runter 6

  2. avatar Murphy sagt:

    Tut mir leid aber ich glaube sie haben die Hauptbotschaft des Artikels nicht gelesen oder nicht verstanden. Vielleicht haben sie den Artikel auch gar nicht gelesen, aber ihr Kommentar ist komplett daneben. Es wurde nie behauptet dass diese werft die “Erfinder” von Begleityachten sind. Darum geht es ja nicht ein Mal in diesem Artikel. Sondern um, zum Beispiel, verpasste Chancen in Sachen Umweltbewusstsein und der Dekadenz dieses Projekts. Dieser Artikel ist sehr gut geschrieben und zeigt sehr schön die Verrücktheit dieses Projekts.

    Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 2

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *