Michael Schmidt verkauft HanseYachts an Finanzinvestor Aurelius

Schmiddel steigt aus

Der charsimatische HanseYachts-Gründer Michael Schmidt hat seine Werft verkauft. © HanseYachts

Michael Schmidt verkauft seine Hanse Werft. Das berichtet unter anderem das Hamburger Abendblatt. Das Greifswalder Unternehmen wird an den Münchener Finanzinvestor Aurelius verkauft.

Schmidt (63) gebe seine Beteiligung von 64,7 Prozent für einen nicht genannten Betrag ab und räume den Posten des Vorstandsvorsitzenden. Der Wert der Firma solle 30,6 Millionen Euro betragen. Der Umsatz sei in drei Jahren von 135 Millionen Euro auf 73 Millionen zurück gegangen.

Für die deutsche Yachtbranche ist das ein herber Verlust, auch wenn er dem neuen Eigentümer in beratender Funktion erhalten bleiben, wie es so schön heißt. Der Firmengründer “Schmiddel” hat die deutsche Werftszene entscheidend mitgeprägt, weil er durch charismatisches Auftreten und Leidenschaft Dinge bewegte, die andere nicht vermocht hätten.

Dabei half seine Reputation als erfolgreicher Regattasegler. Er setzte unter anderem 1980 eine Durftmarke beim Admiral´s Cup mit der radikalen Yacht “Düsselboot” und war ein wichtiger Teil des deutschen Hochseesports als der seine Blütezeit erlebte.

1990 gründete der gelernte Reedereikaufmann HanseYachts, nachdem er unter anderem von 1975 bis 1979 für die renommierte Werft für C&C Yachts in Europa gearbeitet hatte. Seine Aufgabe war der Aufbau eines Händlernetzes in Europa und die Errichtung einer Produktion für Serienschiffe in Kiel.

1979 hatte Schmidt die Yachtmaklergesellschaft Michael Schmidt & Partner GmbH sowie die Yachtwerft Wedel gegründet bevor er mit HanseYachts seine eigene große Erfolgsgeschichte schrieb.

In der Krise, als Hauptkonkurrent Bavaria schwer ins Trudeln geriet, galt Hanse als großer Gewinner. 2007 wurde die Werft in eine börsennotierte Aktiengesellschaft umgewandelt. Aber die die Papiere aus Greifswald kamen nie richtig in Fahrt und verloren schließlich fast 85 Prozent ihres Wert.

2008 strich der nach Beneteau/Jeanneau und Bavaria drittgrößte Yachthersteller der Welt mehr als 100 Stellen und meldete Kurzarbeit an. Deshalb war der Zukauf der angeschlagenen Dehler Werft 2009 eine Überraschung.

Aber mit der Entwicklung der neuen, spartanischen Varianta-Linie legte sich der Werftchef noch einmal richtig ins Zeug und schuf etwas Neues in der Branche.

Im FAZ-Interview 2010 skizzierte er die Lage: “Bis 2008 hat man uns – Hanse, Bavaria, Bénéteau, Jeanneau – abgekauft, was wir produzieren konnten. Die Verkäufer sind mehr Zuteiler gewesen – übertrieben formuliert. Wir kamen alle aus Vollgasfahrt zu einem totalen Stopp. Das hat ordentlich Bremsspuren hinterlassen. Doch dieses Jahr werden wir besser abschließen als voriges Jahr … Letztes Jahr (2009) hatten wir einen Umsatzeinbruch von 58 Prozent. 2010 werden wir einen moderaten Zuwachs haben. Es ist besser geworden. Aber wir sind noch lange nicht wieder auf dem Niveau von 2007/2008.”

Und so lange wollte er offenbar jetzt auch nicht mehr warten.

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Carsten Kemmling

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2 Kommentare zu „Michael Schmidt verkauft HanseYachts an Finanzinvestor Aurelius“

  1. avatar Egon sagt:

    Schade. Sehr schade. 🙁

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  2. avatar WMH sagt:

    ..damit tritt ein wirklich “Großer” der Yacht- und Segelerszene in den (Vor)-Ruhestand. Bleibt zu hoffen, dass seine unruhige Art ihn bald was Neues machen und/oder gründen läßt..
    Mit Hanseyachts hat er dem Markt neue, gute und immer wieder beachtenswerte Akzente verpasst.

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