Microsegeln: Amerikaner bricht TransPac auf 2,70 m-Boot ab – Hurrikan „Laura“ kommt näher

„Chubby Girl“ in Nöten

Viele meinen, schon die Idee, in einem Micro-Boot über den Pazifik segeln zu wollen, sei irrsinnig. Andere sehen ausgerechnet in Micro-Booten sehr viel Sicherheit. Doch wird „Chubby Girl“ auch den Ausläufern von „Laura“ widerstehen?

Kaum größer als ein Optimist: Die “Chubby Girl” – noch im sicheren Hafen © Spaul

Keine guten Zeiten für Micro-Segler. Zunächst unterbrach ihr „Guru“ Sven Yrvind (81) vor drei Wochen seine geplante Nonstop-Reise nach Neuseeland auf den Azoren. Zuvor war der Schwede auf seinem 5,7 m kurzen (für Micro-Segler aber schon verdächtig langen) Boot von Norwegen bis zu den Azoren mehr getrieben als gesegelt. 78 Tage brauchte er für die Strecke bei einem Etmal von 2 kn; nach langen Flauten- und heftigen Starkwind-Passagen machte Yrvind schließlich entnervt seine „Exlex“ („vogelfrei) in Horta fest (SR-Artikel). Eine Woche später gab der Microsegler bekannt, dass er ein neues Boot bauen wolle, um in einem Jahr nochmals den Törn in die südliche Hemisphäre zu wagen. Dann auf einem Boot, für dessen Rumpf er sich von alten Walfangbooten inspirieren ließ, die auf den Azoren als Angel- und Freizeitboote noch weiter genutzt werden. Derzeit segelt Yrvind seine „Exlex“ wieder zurück Richtung Europa. Allerdings auf Umwegen – zunächst steuert er Madeira an.

TransPac vorerst ausgeträumt

Auch ein anderer Microsegler musste in der Zwischenzeit seinen Traum vom „Großen Törn auf Kleinsten Booten“ aufgeben bzw. vorerst verschieben. 

Der 70-jährige US-Amerikaner Wilbur Spaul startete am 27.September auf seiner 2,70 m kurzen „Chubby Girl“ zu einem Törn, von dem er bereits seit 40 Jahren träumte. Von San Francisco nach Hawaii zu segeln ist vor allem für West-Coast-Amerikaner so etwas wie für Europäer der Schlag über den „Großen Teich“, respektive Atlantik.

Ziemlich knuffig und “chubby” und nur 2,70 m kurz © spaul

Auch bei der „TransPac“, also dem Trans Pazifik gilt: Es kommt auf den richtigen Zeitraum mit dem richtigen Wetterfenster an. Und das muss bei einem Boot, das mit Durchschnittsgeschwindigkeiten von 1,5 – 2 kn rechnet, eben lange genug „offen“ bleiben…

Das Großsegel ist mittlerweile gerissen – Chubby Girl treibt zurück gen California © spaul

Grade 40 cm länger als ein Optimist ist die „Chubby Girl“, doch ganz offensichtlich gilt auch bei ihr nicht der bisher immer wieder zitierte Korkeneffekt: Nein, auch dieses Boot schwimmt nicht immer obenauf, sondern muss in starkem Seegang besonders hohen, brechenden Wellen seinen Tribut zollen. 

„Chubby Girl“ kehrt um

So kam es, dass Wilbur Paul bereits nach sieben Tagen seines auf das Zehnfache angelegten Törns wieder Richtung Kalifornien umdrehen musste. Eine „gefühlt riesige“ Welle brach über dem Micro-Boot, zerstörte das Großsegel und verursachte ein Leck in der  Luke. Zudem funktioniert Spauls Satelliten-Telefon nicht mehr, offenbar gibt es Probleme mit der Elektronik , speziell mit dem in Schifffahrtsstraßen überlebenswichtigen AIS.

Wilbur Spaul vor dem “frischen” Rumpf © spaul

Spaul treibt nun unter Vorsegel zurück Richtung Kalifornien und will nach San Diego für einen Pit-Stop gelangen. Dafür muss er erneut stark befahrene Schifffahrtsstraßen durchqueren – der Amerikaner erwägt, sich von einem Rettungsdienst abschleppen zu lassen, da er nicht („womöglich noch unbemerkt“) von einem Cargoship überfahren werden möchte. 

„Laura“ droht

Ein weiteres Problem: Die Ausläufer des in Mexiko derzeit wütenden Hurrikans ziehen offenbar deutlich weiter nordwärts als zunächst vermutet. Entsprechend ungemütlich könnte es auf der bereits angeschlagenenen Nussschale „Chubby Girl“ werden. 

Auf der ersten “Chubby Girl”. Doch die war schlecht ausbalanciert – sobald Spaul an Bord kam, drohte das Boot im Hafen zu kentern © spaul

Auszüge aus den Mails, die der Amerikaner trotz Satelliten-Telefon-Ausfall über den YB3-Tracker versenden konnte: „Flaute, ich treibe mit dem Strom in ganz andere Richtungen als Hawaii.“ – „Viel Wind. 9 Fuß (3 Meter) hohe Wellen. Das Boot hält sich ganz gut. Aber ich bin zum ersten Mal nach 50 Jahren Seefahrt seekrank!“

© spaul

„Eine Welle brachte über dem Boot, das Großsegel ist kaputt. Wasser dringt ein“- „Ich habe Stunden damit verbracht, wieder einigermaßen Ordnung im Boot herzustellen.“ –  „Die Außenbordmotorhalterung ist gebrochen. Ich musste den Motor am Heck festbinden.“ – „Letzte Nacht brach die bisher größte Welle über meinem Boot. Es hörte sich an, als werde eine Ladung Bausteine auf mein Deck geschüttet.“ – „In den letzten 24 Stunden habe ich 40 Seemeilen geschafft. Könnte noch ein paar Tage dauern, bis ich wieder zurück an Land bin!“ 

Tracker „Chubby Girl“

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Michael Kunst

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